Digital Assets

Markt für Krypto-Produkte wächst trotz regulatorischer Unsicherheit

Das Angebot an Exchange Traded Products auf Kryptowährungen wächst ungebrochen. Das Anlegerinteresse hält dabei allerdings keineswegs mit.

Markt für Krypto-Produkte wächst trotz regulatorischer Unsicherheit

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Markt für Krypto-ETPs wächst trotz Unsicherheit

Zahlreiche Assetmanager trotzen mit neuen Produkten regulatorischem Druck auf Digital Assets – Anlegerinteresse entwickelt sich schleppend

Das Angebot an Exchange Traded Products auf Kryptowährungen wächst ungebrochen. Das Anlegerinteresse hält dabei allerdings keineswegs mit. Vielmehr belastet die regulatorische Unsicherheit im Hinblick auf Digital Assets in den Vereinigten Staaten die Investorenstimmung erheblich.

Von Alex Wehnert, New York

Trotz hoher regulatorischer Unsicherheit um Cyberdevisen und verbundene Dienstleistungen legen Assetmanager unbeirrt neue Krypto-Anlageprodukte auf. Zuletzt hat die britische ETC Group beispielsweise das erste Exchange Traded Product (ETP) auf einen Digital-Assets-Index von MSCI lanciert – allgemein hat die Zahl der börsengehandelten Produkte, die Körbe aus mehreren Cyberdevisen abbilden, in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen.

Neues Produkt von 21Shares

Doch auch die Zahl der Vehikel mit einzelnen Krypto-Assets abseits der führenden Digitalwährungen Bitcoin und Ethereum steigt stark. Der Anbieter 21Shares listete am Dienstag beispielsweise ein ETP, das Anlegern einen Zugang zu Renditen aus dem Kryptonetzwerk Stacks bieten soll. Das zugrunde liegende Protokoll setzt auf der Bitcoin-Blockchain auf und vereinfacht es grob gesagt, diese um komplexere technologische Anwendungen und Funktionen zu erweitern. Bisher wird Stacks mit weniger als 1,6 Mrd. Dollar bewertet. Zum Vergleich: Bitcoin kam am Dienstagmorgen auf eine Marktkapitalisierung von rund 540 Mrd. Dollar.

Wie andere Anbieter wirbt auch 21Shares mit der Möglichkeit, sich frühzeitig bei wachstumsträchtigen Zukunftsassets zu positionieren. Laut Analysten versuchen gerade spezialisierte Krypto-Assetmanager, sich nicht nur durch die Gebührenstruktur ihrer ETPs, sondern auch über die Breite ihrer Produktsuite voneinander abzuheben. Auf Xetra sind inzwischen über 100 ETPs auf Kryptowährungen verfügbar. Vor wenigen Jahren herrschte noch Ebbe: Im Juni 2020 startete das erste börsengehandelte Kryptoprodukt auf dem Handelssystem der Deutschen Börse.

Seither ist das Angebot an solchen Exchange Traded Notes (ETNs) und Commodities (ETCs) gerade in der Europäischen Union gewachsen, da die Ucits-Regulierung keine börsengehandelten Fonds mit einem einzelnen Basiswert zulässt. Bespielt wird der Markt dabei von einer Vielzahl internationaler Adressen. Dazu zählen spezialisierte Häuser aus Großbritannien wie eben die global unter dem Markennamen Netceed aktive ETC Group oder Coinshares. Zudem sind breiter aufgestellte US-Vermögensverwalter wie Invesco und Wisdom Tree im Segment aktiv – und darüber hinaus auch Häuser wie die 21Shares-Mutter 21.co, die Teams in New York unterhält, aufgrund der fortschrittlicheren Regulierung offiziell aber in der Schweiz ansässig ist.

In den Vereinigten Staaten sind ETNs dagegen weniger populär, dort sind seit Oktober 2021 indes Futures-basierte Bitcoin-ETFs handelbar. Die Zulassung dieser Produkte durch die Börsenaufsicht SEC weckte damals die Hoffnung auf eine zunehmende Mainstream-Adoption von Kryptowährungen im global wichtigsten Finanzmarkt und trieb Bitcoin kurz darauf auf ein Rekordhoch.

Klage verunsichert

Allerdings haben zahlreiche US-Regulatoren ihr Vorgehen gegen die Digital-Assets-Branche nach dem Kollaps der Handelsplattform FTX im November noch verschärft. Ende März verklagte die zuvor als vergleichsweise kryptofreundlich geltende Derivate-Aufsicht CFTC den Branchenprimus Binance. Die Behörde wirft dem vom chinesisch-kanadischen Geschäftsmann Changpeng Zhao geführten Unternehmen unter anderem vor, jahrelang ohne Zulassung eine Börse in den USA betrieben sowie gegen Regeln zur Vermeidung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verstoßen zu haben. Aufgrund der Vernetzung von Binance im Kryptosegment fürchten Marktteilnehmer nun neue Verwerfungen.

Den harten Kurs der US-Regulatoren untermauerte SEC-Chef Gary Gensler zuletzt mit einer Absage an ein gesondertes, einheitliches Krypto-Rahmenwerk. Beim absoluten Großteil der am Markt verfügbaren 10.000 bis 12.000 Krypto-Token handele es sich um Wertpapiere, womit diese auch unter bestehende Gesetze fallen müssten. Viele Digital-Assets-Dienstleister hielten sich indes nicht an geltendes Recht.

Das Vorgehen der US-Behörden gegen die Branche beeinflusst den europäischen Markt für Krypto-ETPs zwar nicht direkt. Es lastet aber auf dem globalen Investorensentiment für Cyberdevisen. Entsprechend entwickelt sich das Investoreninteresse an börsengehandelten Produkten auf Digitalwährungen im bisherigen Jahresverlauf schleppend. Ende März verzeichneten die Vehikel laut Daten von Coinshares mit 160 Mill. Dollar zwar ihre bisher stärksten wöchentlichen Mittelzuflüsse im laufenden Jahr, zuvor war es jedoch in sechs aufeinanderfolgenden Wochen zu Mittelabflüssen gekommen.

Vertrauensverlust in Banken

Per saldo sind seit Anfang Januar immer noch 16 Mill. Dollar aus Krypto-ETPs abgeflossen. In der abgelaufenen Woche sackten zudem die Handelsvolumina ab – gegenüber den vorangegangenen sieben Tagen ergab sich laut Coinshares ein Rückgang um 33%. Der Vermögensverwalter verweist darauf, dass das Sentiment für Bitcoin noch vergleichsweise positiv ausfällt – die auf vollständige Dezentralität ausgelegte Kryptowährung profitierte im Zuge der jüngsten Turbulenzen im US-Bankensystem von einem Vertrauensverlust in etablierte Finanzdienstleister.

In der vergangenen Woche verzeichneten Bitcoin-Vehikel Nettomittelzuflüsse von 8,8 Mill. Dollar, während über alle Kryptoprodukte per saldo lediglich Zuflüsse von 2,5 Mill. Dollar standen. Gerade das Interesse an Produkten auf kleinere Cyberdevisen, über die sich Assetmanager von der Konkurrenz abheben wollen, geht offenbar bedeutend zurück.