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Otto M. Schröder Bank steht vor Führungswechsel

Die Otto M. Schröder Bank steht nach eineinhalb Jahrzehnten vor einem Führungswechsel. An seinem Geschäftsmodell und der Eigenständigkeit will das Hamburger Institut festhalten.

Otto M. Schröder Bank steht vor Führungswechsel

Schröder-Bank steht vor Führungswechsel

Vorstandschef zieht sich nach 15 Jahren zurück – Hamburger Institut soll im Familienbesitz bleiben – Bilanzgewinn 2024 voll ausgeschüttet

Die Otto M. Schröder Bank steht nach eineinhalb Jahrzehnten vor einem Führungswechsel. An seinem Geschäftsmodell will das Hamburger Kreditinstitut festhalten. Nach abgebrochenen Fusionsgesprächen im vergangenen Jahr soll die Schröder-Bank im Familienbesitz und eigenständig bleiben.

Von Carsten Steevens, Hamburg
Von Carsten Steevens, Hamburg

Bei der in Hamburg anässigen Otto M. Schröder Bank nähert sich eine Ära ihrem Ende: Helmuth Spincke wird bis Ende dieses Jahres das Ruder abgeben. Seit 2010 führt der 74-Jährige das 1932 entstandene Institut, das zu mehr als 96% vier Kindern aus der zweiten Ehe des 2010 verstorbenen Gründersohns Kurt Schröder gehört, an dem Spincke aber auch selbst beteiligt ist. Im vierten Quartal nun soll Norbert Kistermann den Vorstandsvorsitz übernehmen, zuständig für das Marktgeschäft. Das gaben beide nun in einem Gespräch mit der Börsen-Zeitung bekannt.

Neuer Vorstand bis Jahresende

Der 62 Jahre alte Kistermann ist seit Oktober 2022 zweites Vorstandsmitglied der Bank. Ein Jahr zuvor hatte der aus Essen stammende Diplom-Bankbetriebswirt den Vorstandsvorsitz beim Bankhaus Bauer abgegeben. Wer neu in den Schröder-Bank-Vorstand kommt und den Marktfolgebereich übernimmt, soll ebenfalls im Schlussquartal geklärt sein.

Fest steht den Angaben zufolge, dass sich an der Ausrichtung der Bank nichts ändern soll. Das Institut ist auf Immobilien-Zwischenfinanzierung im Wohnungsbau an den Standorten Berlin, Hamburg und Sylt sowie auf Vermögensanlage spezialisiert – wobei es sich mit einem neuen Portfoliomanagement seit rund zwei Jahren stärker auf Vermögensverwaltung anstatt auf Vermögensberatung konzentriert, wie Kistermann betont. Erst im vergangenen Herbst hatte man sich nach der abgesagten Fusion mit der zehnmal größeren Merkur Privatbank in München entschieden, dass die Eigentümerfamilie an der Schröder-Bank festhält und das Institut eigenständig bleiben soll. Der Zusammenschluss war dem Vernehmen nach an Bewertungsfragen gescheitert.

Eigentümerfamilie bekennt sich

Ihr Bekenntnis zur Bank unterstrichen die jungen Familienmitglieder, die seit Anfang 2021 die Bankanteile direkt halten, im Zuge einer Erweiterung des Aufsichtsrats Ende vergangenen Jahres. Mit Fabian und nun auch Cornelius Schröder gehören dem inzwischen vierköpfigen Kontrollgremium zwei Angehörige der Gründerfamilie an. Ihr „Asset“ ist stabil: So belief sich Ende vergangenen Jahres etwa die Kernkapitalquote der Schröder-Bank auf 19,4%.

Dieses Niveau benötige die Bank nicht, so Vorstandschef Spincke mit Blick auf Kapitalausstattung und stille Reserven, als er im vorigen Herbst bereits eine höhere Dividende für das Geschäftsjahr 2024 in Aussicht stellte. Anstatt – wie damals avisiert – die Hälfte des Ergebnisses oder „vielleicht auch etwas mehr“ auszuschütten, floss der auf rund 8,9 (i.V. 3,3) Mill. Euro gestiegene Bilanzgewinn nach der diesjährigen Hauptversammlung jedoch vollständig an die Eigentümer. Diese hätten in den vergangenen Jahren weitgehend auf Ausschüttungen verzichtet, erklärt Spincke nun neben dem Verweis auf die robuste Vermögens- und Finanzlage seiner Bank.

Ergebnis soll weiter zulegen

Ob auch der Gewinn aus dem laufenden Geschäftsjahr in Gänze für die Dividende verwendet wird, lässt er offen. Es werde „ordentlich“ ausgeschüttet. „Wir sind auch heute kapitalmäßig sehr gut ausgestattet.“ Zur Ertragslage sagt Spincke, man liege bei Zins- und Provisionsüberschuss per Ende Juli deutlich über den Erwartungen. Für 2025 kündigt er einen Überschuss über Vorjahr an. Bei der Risikovorsorge dürften die Planwerte „aus heutiger Sicht“ eingehalten werden. Vorstand Kistermann unterstreicht, die Kredite im Immobiliengeschäft seien „ordentlich besichert“.

In der weiteren Zukunft könnten auch der Schröder-Bank regulatorische Entlastungen kleinerer Kreditinstitute zugutekommen, wie sie die deutschen Finanzaufseher erwägen. Mit größeren Effekten rechnet das Institut, das 2024 mit 33 Beschäftigten auf eine Bilanzsumme von 413 (359) Mill. Euro kam, nach Angaben seines Vorstands aber „eher nicht“.