Robo-Advisor-Tests

„Primäres Ziel einer Anlage völlig vernachlässigt“

Die Stiftung Warentest hat Robo-Advisors geprüft und ignoriert für ihre Bewertungen Renditeaspekte. Das sorgt bei Experten wie Daniel Franke, Betreiber von Brokervergleich.de, für Verwunderung. Das Problem bei diesem Robo-Test liege darin, „dass...

„Primäres Ziel einer Anlage völlig vernachlässigt“

Die Stiftung Warentest hat Robo-Advisors geprüft und ignoriert für ihre Bewertungen Renditeaspekte. Das sorgt bei Experten wie Daniel Franke, Betreiber von Brokervergleich.de, für Verwunderung. Das Problem bei diesem Robo-Test liege darin, „dass mehr Wert auf den Beipackzettel als auf die Wirkung gelegt wurde“. Wenn das größte Gewicht auf die Produkt- und Kosteninformation anstatt auf die Performance für den Kunden gelegt werde, dann stimme etwas nicht, so Franke im Interview der Börsen-Zeitung. „Wir halten den Verzicht auf eine entsprechende Rendite-Bewertung für den essenziellen Fehler des Tests. Damit wird das primäre Ziel einer Anlage völlig vernachlässigt.“

Franke empfiehlt Anlegern, sich eher an der Performance der Robos zu orientieren, denn bemängelt werde von der Stiftung Warentest bei mit „mangelhaft“ bewerteten, aber auch nach Abzug von allen Kosten gut dastehenden Angeboten, „primär das Fehlen eines echten Sicherheitsbausteins, was auch immer sich die Stiftung Warentest darunter vorstellt. In ihrem eigenen Magazin legt sie Anlegern ihre Pantoffel-Portfolios ans Herz, die aus 75 bis 0% risikofreiem (Tagesgeld, Staatsanleihen) und 25 bis 100% risikobehaftetem Anteil (Aktien) bestehen.“

Dass der nach EU-Vorgabe notwendige Kontenvergleich bei der Stiftung Warentest gelandet ist, sieht Franke ebenfalls kritisch. „Wir betreiben ja als Finanzredaktion auch eigene Vergleiche und sehen es kritisch, wenn einem einzigen Anbieter hier ein Marktvorteil geschaffen wird. Was der Öffentlichkeit nicht immer bekannt ist: Die Banken und Sparkassen sollen der Stiftung Warentest die für den Kontenvergleich erforderlichen Informationen per Schnittstelle zur Verfügung stellen und die Kosten dafür im geschätzt niedrig einstelligen Millionenbereich pro Jahr müssen sie selber tragen. Alle Finanzredaktionen außer der Stiftung Warentest müssen sich die Informationen nach wie vor aus tausenden PDFs zusammensuchen oder an jede Bank einzeln herantreten. Das ist das Gegenteil von gleichem Zugang zu Informationen und dürfte noch für einigen Unmut in der Branche sorgen. Fair und vor allem dem Ruf nach mehr Digitalisierung gerecht werdend wäre es, wenn die Banken ihre Produktinformationen über einheitliche Schnittstellen allen Interessenten zur Verfügung stellen würden.“

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