Vermögensverwaltung

Robo-Advisor verlustreich, aber im Aufwind

Die Online-Vermögensverwalter Scalable Capital, Quirion und Liqid setzen Wachstum vor Profitabilität: Hohe Zuwächse stehen daher roten Zahlen gegenüber, wie die jüngsten Jahresabschlüsse zeigen.

Robo-Advisor verlustreich, aber im Aufwind

jsc Frankfurt

Die Online-Vermögensverwalter in Deutschland nehmen für ein starkes Firmenwachstum hohe Verluste in Kauf: Die drei Anbieter Scalable Capital, Quirion und Liqid, die im Segment der sogenannten Robo-Advisor jeweils ein Milliardenvermögen steuern, haben gemäß den jüngst veröffentlichten Geschäftszahlen für 2020 die Erträge kräftig ausgebaut, zugleich aber erneut Verlust gemacht. So weitete Scalable Capital den Fehlbetrag um 3,5 Mill. Euro auf 10,3 Mill. Euro aus, während Quirion mit 4,2 Mill. Euro nahezu auf Vorjahresniveau blieb und Liqid Investments den Fehlbetrag um 0,4 Mill. Euro auf 11,0 Mill. Euro erhöhte. Scalable Capital und Quirion haben ihr Ergebnis zu Wochenbeginn auf Ebene der Sca­lable GmbH und Quirion AG im Bundesanzeiger publiziert, während Liqid im Dezember Daten offenlegte.

Den roten Zahlen steht zugleich ein starkes Wachstum der Erträge gegenüber: Jede Gesellschaft kam 2020 einer Verdopplung nahe (siehe Grafik). Zugleich sind auch die verwalteten Vermögen kräftig gewachsen. Ein digitaler Zugang, eine automatisierte Erfassung der Risikobereitschaft sowie ein Portfolio auf Fonds- oder ETF-Basis eint die Anbieter – und doch unterscheiden sich ihre Geschäftsmodelle bereits deutlich: So tritt Scalable Capital, die für November ein verwaltetes Vermögen von mehr als 6 Mrd. Euro ausweist, mittlerweile auch als Online-Broker auf. Liqid wiederum ebnet wohl­habenden Privatkunden den Weg in Private-Equity-Fonds. Das verwaltete Vermögen hatte insgesamt vor rund einem Jahr die Milliardenmarke erreicht und verdoppelte sich nach Angaben von Liqid seither annähernd. Quirion, die ein Volumen von rund 1,2 Mrd. Euro steuert, zielt hingegen auch auf das Kleinanlegersegment und ermöglicht eine Anlage bereits für kleine Beträge.

Noch viel Pulver vorhanden

Die digitalen Vermögensverwalter erhielten im vergangenen Jahr viel Geld. Scalable Capital sammelte Mitte 2021 in einer Finanzierungsrunde 150 Mill. Euro ein, wobei der chinesische Technologiekonzern Tencent als führender Investor auftrat. Ebenfalls zur Jahresmitte brachte Liqid eine Finanzierung von 88 Mill. Euro unter Dach und Fach, die vor allem vom Liechtensteiner Privat- und Vermögensverwaltungskonzern LGT getragen wurde. Sowohl Scalable Capital als auch Liqid zielen auf eine Expansion in Europa. Quirion erhielt vor einem Jahr 13 Mill. Euro von Investoren, darunter von der Berliner Effektengesellschaft.

Die Vermögensverwalter halten sich allerdings bedeckt, wann sie Gewinn ausweisen werden. Viel hänge davon ab, wie viel das Unternehmen aus den laufenden Erträgen in die Expansion investiere, hatte Liqid-Chef Christian Schneider-Sickert im Juli erklärt. Trotz Nachfrage legt sich die Gesellschaft weiterhin nicht fest. Quirion hebt ebenfalls die Bedeutung von Investitionen für die Kundengewinnung hervor. Und Scalable Capital deutet zwischen den Zeilen an, dass schwarze Zahlen vorerst keine Priorität haben. „Scalable Capital investiert auch 2022 weiter in Wachstum“, erklärt eine Sprecherin.

Cyberangriff verdaut

Scalable Capital hatte im Oktober 2020 einen Cyberangriff eingeräumt – und hält den Schaden für verkraftbar, wie jetzt im Jahresabschluss steht. Die Angreifer hatten demnach Zugriff auf einen Teilbereich eines digitalen Dokumentenarchivs und konnten Daten von annähernd 35000 Kunden entwenden. Trotz des Angriffs sei in der Vermögensverwaltung im vierten Quartal 2020 ein sehr hoher Kundenzugang verzeichnet worden. „Daraus schließt der Konzern, dass kein substanzieller Reputationsschaden entstanden ist.“ Auch Kunden sei nach Kenntnis der Gesellschaft kein Schaden entstanden.

Im Dezember hatte das Landesgericht München I einem Kunden, dessen Steuer-Identifikationsnummer, IBAN und Ausweiskopie neben anderen Daten in die Hände der Angreifer geraten war, einen Schadenersatz von 2 500 Euro plus Zinsen zugesprochen. Ob das Urteil bereits rechtskräftig ist, konnte das Gericht auf Nachfrage nicht bestätigen.

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