Rückversicherer

Rückversicherer juckt Krieg nur wenig

Die großen Rückversicherer sind vom Krieg in der Ukraine nur wenig betroffen. Einige Spezialsparten wie die Luftfahrt- und Exportkreditversicherung dürften aber leiden.

Rückversicherer juckt Krieg nur wenig

tl Frankfurt

Der Krieg in der Ukraine hat nur geringe direkte Auswirkungen auf die globalen Rückversicherer. Dies gelte allerdings nicht für einige spezielle Sparten wie insbesondere die Luftfahrt- und die Exportkreditversicherung, sagte Johannes Bender, Versicherungsanalyst bei Standard & Poors’s (S&P), gestern bei der Vorstellung des Berichts „Russia-Ukraine conflict adds to a bumpy start to 2022 for global re­insurers“.

Anlagen kaum betroffen

Die meisten der 21 von S&P analysierten globalen Rückversicherer haben nur geringe russische oder ukrainische Kapitalanlagen – weniger als 2% des adjustierten Kapitals und weniger als 1% der gesamten Aktiva, heißt es in dem Bericht. In einigen Spezialversicherungen könne es aber zu beträchtlichen Schäden kommen. S&P hat drei Szenarien entworfen, von denen das erste mit den geringsten Belastungen als Basisszenario gilt. Die versicherten Schäden werden in einer Bandbreite von 16 bis 35 Mrd. Dollar angenommen, wovon die Top-21-Rückversicherer die Hälfte tragen müssten.

„Für die meisten Rückversicherer könnte der russisch-ukrainische Konflikt zu einem Ertragsproblem werden“, sagte Bender. „Allerdings könnte er in einigen wenigen Sonderfällen angesichts der schon im ersten Quartal 2022 angefallenen hohen Naturkatastrophenschäden zu einem Kapitalproblem werden.“ Dies gelte ganz besonders, weil die Hurrikansaison im Atlantik und Pazifik noch gar nicht begonnen habe. Diese Spezialfälle betreffen in erster Linie Unternehmen mit großen Marktanteilen in diesen Spezialsparten.

Als besonders belastend für den internationalen Rückversicherungssektor und als zentrale Ursache für dessen „negativen“ Ausblick ist für S&P die Tatsache, dass die Branche seit 2017 (mit Ausnahme von 2019) nicht ihre gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten verdient hat. Mit Stichtag 31. März verfügten 29% der 21 größten, global tätigen Rückversicherer über einen „negativen“ Ausblick, 57% hatten einen „stabilen“ Ausblick und 14% einen „positiven“. Der Sektor könne auf „stabil“ hochgestuft werden, wenn die Ratingagentur den Eindruck gewinne, die Rückversicherer könnten ihre Kapitalkosten „nachhaltig“ verdienen. Dies wiederum hänge entscheidend vom Ausmaß der im Laufe dieses Jahres durchgesetzten Preiserhöhungen ab. Zu Jahresbeginn lagen diese den Angaben zufolge durchschnittlich im einstelligen Prozentbereich.

Inwieweit Versicherer aufgrund von Kriegsausschlüssen nicht zahlen müssen, bleibt offen. Bender wies darauf hin, dass in der Luftfahrtversicherung die Hauptdeckung Risiken aus kriegerischen Auseinandersetzen ausschließe. In Zusatzdeckungen seien diese aber sehr wohl eingeschlossen. „Es wird Jahre dauern, bis diese Fragen, vermutlich erst durch Gerichte, geklärt sein werden.“ In der Exportkreditversicherung seien politische Risiken in einigen Policen abgedeckt, in anderen aber nicht.

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