WERTBERICHTIGT

Spanien verliert die Geduld

Börsen-Zeitung, 5.9.2020 Eine Fusion von Caixabank und Bankia, den Nummern 3 und 4 des spanischen Banksystems, hat aus wirtschaftlicher Sicht Sinn. Beide haben wie die gesamte Branche mit rasch schwindender Ertragskraft zu kämpfen. Für den Staat,...

Spanien verliert die Geduld

Eine Fusion von Caixabank und Bankia, den Nummern 3 und 4 des spanischen Banksystems, hat aus wirtschaftlicher Sicht Sinn. Beide haben wie die gesamte Branche mit rasch schwindender Ertragskraft zu kämpfen. Für den Staat, der gut 60 % an Bankia hält, stellt sich jedoch noch eine andere Frage. Die Regierenden verschiedener Couleur haben den Bürgern versprochen, so viel wie möglich von den 24 Mrd. Euro, welche die Rettung der ehemaligen Sparkasse verschlungen hat, zurückzuholen. Bislang kamen über Anteilsverkäufe und Dividenden erst 3 Mrd. Euro in die Kasse, die auch noch für Entschädigungszahlungen draufgingen. Nach der Fusion hätte der Staat rund 14 % an Caixabank. Einerseits verspricht ein gestärktes Kreditinstitut eine bessere Dividende. Doch gibt die Regierung ihre Kontrollmehrheit aus der Hand, mit der man für einen Verkauf von Bankia an einen ausländischen Bieter einen üppigen Aufschlag hätte erzielen können. Angesichts der nach wie vor ungünstigen Bedingungen für transnationale Fusionen und des geringen Appetits im Markt hat man in Spanien nun offenbar die Geduld verloren.ths