Versicherer will Gewinnziel ein Jahr früher erreichen

Talanx erfreut Anleger mit mehr Zuversicht

Die Börse applaudiert Talanx: Die Nummer 3 der deutschen Versicherungswirtschaft kommt besser voran als erwartet. Das Ergebnisziel für 2025 will der Konzern bereits im kommenden Jahr erreichen.

Talanx erfreut Anleger mit mehr Zuversicht

Talanx erfreut Anleger mit mehr Zuversicht

Versicherer will Gewinnziel 2025 ein Jahr früher erreichen – Preissteigerungen und geringere Großschadenlast treiben Ergebnis

Die Talanx kommt bei der Gewinnsteigerung schneller voran als erwartet. Preissteigerungen und eine geringere Großschadenlast treiben das Ergebnis, der Ergebnisanteil der Erstversicherung nimmt zu. Bereits im kommenden Jahr will der Konzern sein Ergebnisziel 2025 erreichen. Anleger applaudieren.

ste Hamburg

Drei Wochen nach der Anhebung der Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr stellt der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern Talanx in Aussicht, das vor knapp einem Jahr für 2025 avisierte Gewinnziel ein Jahr früher zu erreichen und deutlich zu übertreffen. Wie der Mehrmarkenversicherer in Hannover am Montag bei der Vorstellung von Zahlen zu den ersten neun Monaten im laufenden Turnus ankündigte, wird 2024 mit einem Konzernergebnis von mehr als 1,7 Mrd. Euro gerechnet.

Bei seinem Kapitalmarkttag im Dezember 2022 hatte das MDax-Unternehmen im Zusammenhang mit der Umstellung der Assekuranz auf den Bilanzierungsstandard IFRS 17 in diesem Jahr eine Ergebnissteigerung bis 2025 um ein Viertel auf mehr als 1,6 Mrd. Euro avisiert. Neue Ziele für 2025 will Talanx mit der Vorlage des Jahresabschlusses im März kommenden Jahres vorstellen.

Mehr Spielraum bei Dividende

Am 23. Oktober hatte Talanx das Gewinnziel für 2023 von 1,4 Mrd. auf "deutlich über 1,5 (i.V. vergleichbar: 1,25) Mrd. Euro angehoben und den Schritt mit einem starken operativen Neunmonatsergebnis vor allem in der Erstversicherung begründet. In einer Telefonkonferenz sagte Talanx-Finanzchef Jan Wicke am Montag, die neue Prognose erweitere den Spielraum für eine höhere Ausschüttung. Bislang stellt der Konzern eine Dividende von mehr als 2 (i.V. 2) Euro je Aktie für 2023 in Aussicht. Nach Angaben beim Kapitalmarkttag im vorigen Dezember winkt den Aktionären, darunter dem mit 76,7% beteiligten Haftverpflichtverband der deutschen Industrie V.a.G., bis 2025 eine Ausschüttung von 2,50 Euro je Titel.

Anleger zeigten sich angetan: Am Montag legte die Talanx-Aktie an der Börse um 3,5% auf 61,55 Euro zu. Damit liegt der Kurs noch unter dem Allzeithoch von 65,85 Euro vor knapp zwei Monaten. Talanx hatte Anleger am 19. September mit der Ankündigung einer rund 300 Mill. Euro schweren Kapitalerhöhung verschreckt, deren Ziel lautete, den Streubesitz zu erhöhen und für eine bessere Handelbarkeit der Aktie zu sorgen.

Die DZ Bank beließ ihre Empfehlung für die Talanx-Aktie bei "Halten", erhöhte aber das Kursziel von 58 auf 59 Euro. Der Versicherer habe ein gutes Ergebnis für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres vorgelegt und einen optimistischen Ausblick für 2024 gegeben, hieß es. Im Aktienkurs sei dies allerdings mit einem Anstieg um 37% und der damit verbundenen Outperformance bereits angemessen reflektiert. Der Branchenindex Euro Stoxx Insurance kommt auf ein Plus von 8%.

Erstversicherung holt auf

Nach einem im dritten Quartal um fast 90% auf 452 Mill. Euro gestiegenen Nettoergebnis kommt Talanx in den ersten neun Monaten auf einen um 38% auf 1,28 Mrd. Euro erhöhten Nettogewinn. Wie der Konzern mitteilte, legte das Ergebnis der Erstversicherung um 51% auf 624 Mill. Euro zu, der Gewinn der Rückversicherung um 26% auf 704 Mill. Euro. Bei Talanx, die mit einem Anteil von 52% an der Hannover Rück beteiligt ist, stieg der Anteil der Erstversicherung am Konzernergebnis zum 30. September von 43 auf 47%. Beim Kapitalmarkttag im Dezember vorigen Jahres hatte der Versicherer avisiert, dass der Beitrag der drei Erstversicherungssegmente zum Konzernergebnis auf 50% steigen solle, einen Zeitpunkt für dieses Ziel aber offen gelassen.

Finanzchef Wicke erklärte, Erst- und Rückversicherung profitierten vom "harten Markt", in dem höhere Prämien durchgesetzt werden können. Zudem blieben die Großschadenleistungen mit 1,6 (1,9) Mrd. Euro im Rahmen des zeitanteiligen Budgets von 1,7 Mrd. Euro. Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich auf 93,5 (95,5)%. Ein Großschadenpuffer von über 100 Mill. Euro sei gut, so Wicke. Der Hurrikan "Otis", der Ende Oktober Mexiko traf, werde den Talanx-Konzern im laufenden Quartal sicher mit mehr als 100 Mill. Euro belasten.