Versicherungsmakler

Tummelfeld für Private Equity

Finanzinvestoren treiben Zusammenschlüsse des fragmentierten deutschen Marktes für Versicherungsvermittler. MRH Trowe zeigt sich besonders agil und übernimmt Lurse.

Tummelfeld für Private Equity

ak Köln

 In den fragmentierten deutschen Versicherungsmakler-Markt drängt immer mehr Private Equity. Die kapitalstarken Finanzinvestoren treiben die Konsolidierung mächtig voran. Besonders agil zeigt sich seit einiger Zeit MRH Trowe. Der Industrieversicherungsmakler, der zu den zehn größten seiner Zunft hierzulande zählt, gab am Mittwoch die Übernahme von Lurse bekannt, einem Spezialisten für betriebliche Altersvorsorge und Serviceleistungen für Personalabteilungen. Mit dem Zukauf steige MRH Trowe unter die Top 3 der Benefits-&-Pensions-Broker in Deutschland auf, verkündete das Unternehmen in einer Mitteilung. Zum Kaufpreis für Lurse, die rund 200 Beschäftigte zählt, schwieg sich der Makler aus.

Das britische Private-Equity-Haus Anacap Financial Partners war Anfang 2021 bei der inhabergeführten MRH Trowe eingestiegen. Seitdem hat das Unternehmen im Eiltempo akquiert. Laut Anacap, die sich auf europäische Mittelständler konzentriert, ist der Lurse-Kauf die 21. Transaktion von MRH Trowe seit der Beteiligung des Finanzinvestors. Der Versicherungsmakler sei jetzt auf gutem Weg, mehr als 150 Mill. Euro an Provisionsumsatz zu erzielen.

„Der deutsche Maklermarkt steht bei vielen Private-Equity-Investoren weit oben auf der Agenda“, sagt Christian Mylius, Managing Partner bei EY-Parthenon Financial Services. Der Grund sei ein zersplitterter Markt mit geschätzt gut 20000 Maklern, der erst am Anfang der Konsolidierung stehe. Zudem locke das stabile Geschäftsmodell, das sich zuletzt kaum anfällig für Krisen wie Corona oder den Ukraine-Krieg gezeigt habe, und zudem erkleckliche Margen abwerfe. „Wir stehen aktuell im ersten Viertel der Konsolidierung“, glaubt Mylius.

Er verweist auf die Entwicklung in den USA. Während in Deutschland noch viele ausschließlich inhabergeführte Makler existierten, seien es unter den 30 größten Brokern in den USA nur noch zwei. „Private Equity ist im US-Maklermarkt stark investiert“, so der EY-Partner. Zum Teil seien Gesellschaften dort schon in zweiter oder dritter Hand von Finanzinvestoren. So weit ist der deutsche Markt noch lange nicht. Ecclesia, die Marktführerin unter den Industrieversicherungsmaklern, hat mit kirchlichen Eigentümern darüber hinaus eher ungewöhnliche Eigentümer. Doch Private Equity bohrt die Branche immer stärker an. So gründete Bain Capital im Herbst zusammen mit Canada Life und JDC mit der Summitas-Gruppe eine Konsolidierungsplattform für Versicherungsmakler. Sehr aktiv auf dem deutschen Markt ist auch HG Capital. Der Finanzinvestor mit Hauptsitz in London, der nach eigenen Angaben 55 Mrd. Dollar verwaltet und die drittgrößte europäische Private-Equity-Gesellschaft ist, hat in mehreren Segmenten des Maklermarktes hierzulande investiert. So übernahm HG Capital Anfang 2021 den Industrieversicherungsmakler GGW sowie Ende des gleichen Jahres den Münchener Maklerpool Fonds Finanz. Auch beim britischen Makler Howdon, der ebenfalls ein starkes Deutschland-Geschäft hat, ist HG Capital beteiligt.

Die nur temporär engagierten Private-Equity-Häuser dürften nach Einschätzung von Mylius auch gute Chancen haben, nach einer gewissen Konsolidierung Kaufinteressenten zu finden. Es gebe zahlreiche internationale Makler hinter den Marktführern Aon, Willis Towers Watson und Marsh, die in Deutschland ihr Geschäft ausbauen wollten.