Abschiedsrede bei der Deka

"Wir brauchen Mut, Zuversicht, Gestaltungswillen"

Der scheidende Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis hat in einer Rede die Stärken des Landes betont und sich gegen die "Lust am eigenen Untergang" gestemmt.

"Wir brauchen Mut, Zuversicht, Gestaltungswillen"

"Wir brauchen Mut, Zuversicht, Gestaltungswillen"

Sparkassen-Präsident Schleweis ruft zu mehr Optimismus im Land auf – Risikofaktor Passivität

fir Frankfurt

Mit einer Mut-Rede hat Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis am Donnerstag das Potenzial Deutschlands für eine positive Zukunft beschworen und sich gegen die um sich greifende düstere Stimmung im Land gestemmt. "Wir brauchen Mut, Zuversicht, Gestaltungswillen", rief der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) den nach Verbandsangaben 1.200 Gästen der Deka-Anteilseignertagung zu.

Rede zum Abschied von Deka

Es war die Abschiedsrede von Schleweis als Verwaltungsratsvorsitzender der DekaBank und eine der letzten als DSGV-Präsident. Der 69-Jährige wird bekanntlich zum Jahresende aus der Verbandsspitze ausscheiden und in den Ruhestand gehen. Er überlässt am 1. Januar dem aktuellen Präsidenten des Sparkassenverbandes Bayern, Ulrich Reuter, das Feld.

Wir können, wenn wir wollen. Nur wollen müssten wir!

Helmut Schleweis, DSGV-Präsident

Er verhehlte nicht, dass Deutschland vor immensen strukturellen Herausforderungen stehe, bezeichnete aber die negative mentale Verfassung der Bürger als Grundübel. "Pessimismus allerorten" machte Schleweis aus. "Misstrauen und Zukunftsangst. Fast schon Lust am eigenen Untergang." Statt der Zukunft aber nur ausgesetzt zu sein, werde sie vor allem davon bestimmt, mit welcher Haltung sie angenommen und gestaltet werde. Passivität werde zum größten Risiko. "Wir können, wenn wir wollen. Nur wollen müssten wir!", sagte Schleweis.

Starke Seiten Deutschlands

Die Bürger sollten sich der starken Seiten Deutschlands besinnen: des Mittelstands, der Ingenieurskunst, eines fürsorglichen Sozialsystems, einer Gemeinschaft, die besser sei als ihr Ruf, und einer Jugend, die keineswegs als „letzte Generation“ daherkomme.

Rezepte für die Zukunftsfähigkeit

Um das Land zukunftsfähig zu machen, sei zum einen die Zuwanderung von mindestens 400.000 arbeitswilligen und arbeitsfähigen Menschen pro Jahr vonnöten – und sie müsse gesteuert werden. "Unberechtigte Einwanderung in Sozialsysteme überfordert unser Gemeinwesen", warnte Schleweis. Das lasse die Akzeptanz für notwendige Zuwanderung bröckeln. Zum anderen sei eine klimagerechte Energieversorgung als eine Antwort auf die existenzielle Herausforderung des Klimawandels unabdingbar. Dabei sei Klimaschutz aber als globales Problem zu bekämpfen.

Und schließlich beschwörte Schleweis angesichts der drohenden Spaltung der Gesellschaft mehr Teilhabe. "Wir leben uns auseinander, weil wir uns gegenseitig nicht mehr erleben." Das Konzept der Populisten hingegen sei Trennung. Gegen "politische Verführung durch Extreme" setzt er auf Selbstwirksamkeit. "Man kann etwas tun, etwas bewirken." Gemeinschaft entstehe durch gemeinschaftliche Projekte, zu denen alle sinnvoll und wirksam etwas beitragen können.