Stefan Barth, OLB

„Wir können schnell und flexibler agieren“

Auch wenn der Krieg ihren IPO-Plänen vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht haben dürfte, arbeitet die OLB erkennbar an ihrer Kapitalmarktfähigkeit. CEO Barth setzt bewusst auf Nischenmärkte.

„Wir können schnell und flexibler agieren“

Von Anna Sleegers, Frankfurt

Auch wenn das Umfeld für Börsengänge seit dem russischen Angriff auf die Ukraine schlecht ist, arbeitet die Oldenburgische Landesbank AG (OLB) an ihrer Kapitalmarktfähigkeit. Das aus dem Zusammenschluss der einst zum Allianz-Konzern gehörenden OLB, der Bremer Kreditbank, des Bankhauses Neelmeyer und der Wüstenrot Pfandbriefbank hervorgegangene Institut, das mit dem Halbjahresbericht 2022 auf den International Financial Reporting Standard (IFRS) umstellen wird, erzielte gemäß der am Donnerstag veröffentlichten Projektion im ersten Quartal einen Gewinn nach Steuern von 40,4 Mill. Euro, was einer Eigenkapitalrendite (RoE) nach Steuern von 13,1% entspricht.

Vorstandschef Stefan Barth führt die ansehnliche Rentabilität im Gespräch mit der Börsen-Zeitung in erster Linie auf das straffe Kostenmanagement zurück, das sich das im Besitz von Finanzinvestoren befindliche Institut auferlegt hat. „Wir ernten jetzt die Früchte unseres beschleunigten Transformationsprojekts, das wir im vergangenen Jahr aufgesetzt haben“, sagt er.

So strich das Institut die Vollzeitstellen von 1760 auf 1400 zusammen, was sich im ersten Quartal in vollem Umfang in den Personalkosten niedergeschlagen habe. Die im vergangenen Jahr bereits von 66 auf 51 reduzierte Zahl der Filialen sank bis Ende März weiter auf 40. Barth: „Auf diesem Niveau wollen wir vorerst weiter operieren.“ Auch die Sachkosten habe man sich im vergangenen Jahr sehr genau angesehen und viele Einsparungen vornehmen können. Dadurch habe sich das um die regulatorischen Aufwendungen bereinigte Kosten-Ertrags-Verhältnis in den ersten drei Monaten von 55,4 % auf 44,5 % reduzieren lassen.

Die Kosten für den Stellenabbau beziffert Barth auf insgesamt 38 Mill. Euro, wovon 21 Mill. auf den bereits umgesetzten Abbau entfielen und 17 Mill. Euro auf Rückstellungen für den geplanten Abbau von 150 weiteren Stellen im laufenden Jahr. Neben einem Freiwilligenprogramm und der Gründung einer Transfergesellschaft, aus der heraus viele der früheren Beschäftigten bereits wieder eine neue Tätigkeit gefunden hätten, setzt die OLB auch auf Einzelgespräche und die natürliche Fluktuation.

Bundesweites Angebot

Um den Vertriebsrückgang durch die Filialschließungen abzufedern, hat die OLB ein Beratungszentrum eröffnet, in dem rund 200 Beschäftigte die digitalen Kanäle, die sozialen Netzwerke und die Telefonie abdeckten. Im August soll darüber auch eine neue Wertpapierplattform betrieben werden. Damit reagiert das Institut nach Darstellung Barths auf das nicht zuletzt durch die Pandemie veränderte Kundenverhalten: „Im Gegensatz zur Filiale versetzt uns unser eigenes Beratungszentrum auch in die Lage, bundesweit Kundengeschäft zu betreiben.“ Wie er herausstellt, können die Kunden auf diese Weise zudem „vollumfänglich“ betreut werden. Außer im Privatkundengeschäft, in das die OLB auch das Geschäft mit kleineren Mittelstandskunden integriert hat, agiert das Institut auch im Firmenkundengeschäft und in verschiedenen Nischenmärkten, die Barth unter dem Begriff Spezialfinanzierung zusammenfasst. Dazu gehört neben der gewerblichen Immobilienfinanzierung und der Fußballfinanzierung auch die Akquisitionsfinanzierung, die die OLB seit einiger Zeit auch in der Spielart „Fund Finance“ anbietet, bei der Sponsoren wie Family Offices und Private-Equity-Gesellschaften einen Fonds auflegen. Die Diversifizierung dient Barth zufolge der Ertragstabilisierung und erlaubt es der OLB, ihre Stärken auszuspielen: „Hier können wir aufgrund unserer schlankeren Organisation schnell und flexibler agieren als die meisten Großbanken.“ Da sie nicht auf großvolumiges Geschäft angewiesen ist, könne sich die OLB auf hochmargige Vorhaben konzentrieren. In der wettbewerbsintensiven Unternehmensfinanzierung zieht die OLB dagegen schon mal den Kürzeren, wie Barth durchblicken lässt.: „Unsere Firmenkunden suchen bei uns eher die Spezialexpertise anstelle des billigsten Angebots.“

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