Hylane

Die Wasserstoff-Pionierin

Seit kurzem fährt der erste seriengefertigte Wasserstoff-Lkw in Deutschland. Gründerin Sara Schiffer hat für ihre Idee vom nachhaltigen Mietlaster die Rückendeckung des Versicherers DEVK bekommen.

Die Wasserstoff-Pionierin

Von Antje Kullrich, Köln

Seit Dezember ist er auf deutschen Straßen im Einsatz – der erste wasserstoffbetriebene Lastwagen aus Serienfertigung. Auf die Straße gebracht hat ihn jedoch keiner der milliardenschweren Konzerne aus der hiesigen Automobilindustrie. Hinter dem Wasserstoff-Truck, der für einen Event-Equipment-Anbieter in Stuttgart im Einsatz ist, steht das Kölner Start-up Hylane mit seiner Gründerin Sara Schiffer.

Die 29-Jährige hat in den vergangenen Monaten eine Menge Pionierarbeit geleistet. „Die Zulassung war ein Riesen-Meilenstein für uns“, sagt Schiffer und erzählt von vielen kleinen praktischen Hürden. „Wir haben zum Beispiel lange im Voraus Kontakt zur Zulassungsstelle gesucht, denn dort hatte man zunächst keine Ahnung, wie man einen Wasserstoff-Lkw zulässt.“

Hylane baut die Laster nicht selbst, sondern hat für den Anfang eine Flotte von 44 Lkw bei insgesamt vier Herstellern geordert. Hyundai hat es als Erster geschafft, ein serienfertiges Modell auf den europäischen Markt zu bringen. Hylane ist der größte Kunde des koreanischen Lkw-Produzenten.

Investor DEVK

Hinter dem Start-up steht der Versicherer DEVK. Als Vorstandsreferentin von Kapitalanlagenvorstand Bernd Zens entwickelte Schiffer die Idee zu Hylane – mit der Rücken­deckung eines Chefs, der im Assetmanagement gerne auch unkonventioneller denkt. „Der Plan war, etwas wirklich Nachhaltiges zu machen, nicht nur grüne Fonds“, sagt Schiffer. In der Schweiz traf sie zwei Manager, die dort ein Geschäft mit wasserstoffbetriebenen Miet-Lkw aufgebaut haben. Dort rollen die Laster schon seit mehr als zwei Jahren. Schiffer fuchste sich in die Wasserstoff-Thematik hinein, feilte am Geschäftsmodell und bekam schließlich vom DEVK-Vorstand grünes Licht: Im Herbst 2021 wurde Hylane gegründet. Sara Schiffer kümmert sich als Geschäftsführerin um die operative Führung und Entwicklung des Unternehmens, Bernd Zens bleibt als zweiter Geschäftsführer im Hintergrund.

In die Schwerlast-Branche hat Schiffer über Umwege gefunden, von der Ausbildung her kommt sie aus dem IT-Bereich. Schiffer hat im rheinischen Brühl Wirtschaftsinformatik dual studiert und neben den Vorlesungen ihre Ausbildung als Fachinformatikerin bei der DEVK absolviert. Nach dem Berufsstart in der IT-Abteilung des Versicherers wechselte sie 2019 auf den Posten der Vorstandsreferentin, um einen noch breiteren Blick auf das Unternehmen zu bekommen. Am Ende erwies sich das als Sprungbrett für die Gründung von Hylane. Der Mobilitätsbranche ist die DEVK, deren vier Buchstaben für Deutsche Eisenbahn-Versicherungskasse stehen, historisch verbunden. Der mittelständische Versicherer zählt zu den größten deutschen Kfz-Versicherern.

Nach dem erfolgreichen Start des ersten Hylane-Lkw will Schiffer jetzt skalieren. Das Geschäftsmodell erreicht nach den Planungen bei etwa 150 Lkw den Break-even. Der zweite Förderantrag für den Ausbau der Flotte ist schon gestellt. Der Bund fördert den Kauf eines Wasserstoff-Lkw, indem er bis zu 80% des Differenzbetrags zu einem konventionellen Diesel-Lkw übernimmt. „Wir haben in Deutschland das weltweit beste Förderprogramm und sind im Wasserstoff-Bereich weiter als die meisten Länder“, findet Schiffer. „Das wird aus meiner Sicht noch viel zu wenig kommuniziert.“ Neben der Schweiz sei Deutschland deshalb auch das einzige europäische Land, das bereits H2-Laster auf der Straße hat.

Nachhaltigkeit ermöglichen

Die Hylane-Kunden zahlen mit Pay-per-Use mit einer Mindestmietdauer von 24 Monaten und einer Mindestlaufleistung von 50000 Kilometern im Jahr. „Wir wollen unseren Kunden helfen, nachhaltiger zu werden“, sagt Schiffer. Mit der monatlichen Rechnung gibt es einen Nachweis über die CO2-Einsparung. Weitere Kunden haben schon fest gebucht: Dazu zählen DB Schenker, Henkel und Hermes. Die bestellten 44 Wasserstoff-Lkw sollen alle noch in diesem Jahr auf die Straße kommen. Einfach ist die Vermarktung nicht: Schiffer und ihr Team müssen viel Überzeugungsarbeit leisten. Noch ist die Flotte nicht ganz vermietet. Die Kosten und die Tank-Infrastruktur sind kritische Themen.

Auch wenn sie persönlich nicht im unternehmerischen Risiko steht –Hylane gehört zu 100% der DEVK –, hat Schiffer die Leidenschaft für Unternehmensgründung und -entwicklung gepackt. Mit Hylane hat sie noch viel vor. Gerade macht Schiffer ihren Schwerlast-Führerschein und nimmt Lkw-Fahrstunden.

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