Nachhaltigkeit in PersonRainer Kroker

 „ESG ist inzwischen zu einem Buzzword geworden“

Rainer Kroker leitet seit 2022 die Nachhaltigkeitsberatung bei PwC. Das Thema ist zur Herzensangelegenheit geworden. Er ist davon überzeugt, dass die Transformation zu mehr Klimaschutz teuer wird. "Doch diese Investitionen werden sich lohnen."

 „ESG ist inzwischen zu einem Buzzword geworden“

 „ESG ist zu einem
Buzzword geworden“

wbr Frankfurt
Von Wolf Brandes, Frankfurt

Das Fahrrad ist heute in Münster das meistgenutzte Verkehrsmittel. Mehr als 400.000 Räder kommen auf 310.000 Einwohner. Schon als Rainer Kroker vor 30 Jahren dort BWL studierte, war die Metropole Westfalens eine Fahrradstadt. Seine berufliche Karriere lief lange jenseits von Öko und ESG. 1995 heuerte er bei PwC in der Wirtschaftsprüfung an und ist dem Unternehmen bis heute treu geblieben. Seit 2022 ist der 55-Jährige Leiter des Geschäftsbereichs Nachhaltigkeitsberatung. Gemeinsam mit mehr als 650 Nachhaltigkeitsexperten kümmert er sich um Nachhaltigkeitsthemen für PwC-Kunden in Prüfung sowie Beratung.

Als Prüfer wusste er schon vor seinem Job als ESG-Chef: „Reporting ist kein Selbstzweck.“ Heute dürften Unternehmen Sustainability daher nicht als reine Reportingpflicht verstehen, sondern müssten es auf ihre strategische Agenda nehmen. Das sei extrem herausfordernd, da sie regulatorischen Anforderungen rasant zunehmen würden.

100 Kennzahlen kommen schnell zusammen

Die Berichterstattung nach der EU-Richtlinie für das Nachhaltigkeitsreporting CSRD könne sich schnell auf rund 70 Seiten Zusatz-Reporting im Lagebericht summieren. „Ein großer deutscher Konzern könnte abhängig von Geschäftsmodell und Komplexität locker auf 100-120 Kennzahlen kommen“, so Kroker.

 „ESG sagt sich so leicht und ist inzwischen zu einem Buzzword geworden, aber es ist unglaublich, was sich dahinter verbirgt“, sagt Kroker, der 2011 mit PwC nach Berlin gewechselt ist und für sieben Jahre die Deutsche Bahn als Global Relationship Partner betreut hat. Die Komplexität des Themas Sustainability sei enorm, aber mit der Transformation seien auch viele Chancen verbunden.

Außergewöhnlich hohe Aufmerksamkeit

Sein Bereich ESG findet großes Interesse im und außerhalb des Unternehmens. „Die Aufmerksamkeit von außen ist im Vergleich zu anderen Zukunftsthemen wirklich außergewöhnlich hoch.“ Dieses Thema sei nicht zuletzt auch zu einem Zugpferd im Bewerbermarkt geworden, jüngere Generationen wollten einen positiven Impact leisten, sagt Kroker.

Klimapolitisch zufrieden ist er mit dem Erreichten nicht. Man sei nicht auf dem Weg, auf dem man sein müsste. Die Klimaziele für 2030 werde man schwer erreichen können. „Der Weg dahin wird zwar sehr teuer werden, doch diese Investitionen werden sich langfristig lohnen.“ Denn alle Teilaspekte der Nachhaltigkeitstransformation würden Vorteile mit sich bringen und zahlten auch auf Ziele der Stakeholder weit über den Klimaschutz hinaus ein.

Für den ESG-Verantwortlichen von PwC ist das Thema zu einer Herzensangelegenheit geworden. „Doch man muss bedacht vorgehen, denn manches ist Aktionismus, der auf Dauer nicht auf die Sustainability-Ziele einzahlt.“ Aus seiner Sicht schließen sich dabei wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und nachhaltiges Handeln nicht aus, sagt Kroker, der in seiner Freizeit auch als Mountainbiker unterwegs ist.

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