Bondmärkte

KfW hat Biodiversität im Blick

Die KfW braucht im kommenden Jahr gute 90 Mrd. Euro auf der Refinanzierungsseite. Das Green-Bond-Rahmenwerk wird angepasst. Aufgenommen wird der Aspekt Biodiversität.

KfW hat Biodiversität im Blick

KfW hat Biodiversität im Blick

2024 werden 90 bis 95 Mrd. Euro gebraucht – Green-Bond-Rahmen wird angepasst

2024 wird die Kreditanstalt für Wiederaufbau – kurz KfW – 90 bis 95 Mrd. Euro über die Kapitalmärkte beanspruchen. In etwa 10 bis 13 Mrd. Euro kommen über Green Bonds. Das Rahmenwerk für die grünen Anleihen wird angepasst. Biodiversität steht mit im Fokus.

kjo Frankfurt

Die staatsnahe Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) rechnet für 2024 mit einer Mittelaufnahme über die internationalen Kapitalmärkten in der Größenordnung von von 90 bis 95 Mrd. Euro, um ihr Aktivgeschäft zu refinanzieren. Von dieser Summe sollen 10 bis 13 Mrd. Euro über grüne Anleihen (Green Bonds), also Anleihen, deren Erlöse für Klima- und Umweltzwecke eingesetzt werden, aufgenommen werden. „Mit unserer flexiblen strategischen Aufstellung und unserem Angebot an hochliquiden Anleihen sehen wir uns für das erneut hohe Refinanzierungsvolumen gut gerüstet“, sagte Tim Armbruster, Treasurer der KfW, auf der jährlichen Kapitalmarktpressekonferenz der deutschen Förderinstitution in Frankfurt.

Auf gleichem Niveau

Mit dieser Gesamtmittelaufnahme für das kommende Jahr liegt die KfW auf dem diesjährigen Niveau. Seit Jahresbeginn habe die KfW zur Refinanzierung ihres klassischen Fördergeschäfts rund 90 Mrd. Euro über die Zinsmärkte beschafft. „Wir sind sehr gut durch dieses Jahr gekommen – trotz multikrisenbedingter Volatilität, Änderungen der Politik diverser Zentralbanken und steigender Zinsen schließen wir unsere Refinanzierung 2023 erfolgreich ab“, führte Armbruster hierzu aus.

Neben dem Funding-Volumen für das neue Jahr war das Green-Bond-Rahmenwerk des Hauses ein zentrales Thema. Die KfW hat ihr Green Bond Framework, unter dem sie seit 2014 grüne Wertpapiere emittiert, an aktuelle Entwicklungen sowie an Erwartungen der Investoren angepasst. Neben den bestehenden Projektkategorien erneuerbare Energien, Energieeffizienz/grüne Gebäude und nachhaltige Mobilität wird das Rahmenwerk ab 2024 um die Projektkategorie Biodiversität ergänzt. Der Verlust an Artenvielfalt gehöre neben dem Klimawandel zu den akutesten Bedrohungen, denen dringend entgegengewirkt werden müsse. Das Haus ist auf diesem Gebiet bereits aktiv. Im Jahr 2022 gehörte sie zu Financiers auf dem Gebiet der Biodiversität. Sie biete Investoren nun die Möglichkeit, zum Beispiel bei Aufforstungsprojekten über Green Bonds des Hauses zum Schutz der Artenvielfalt beizutragen. "Wir wollen die Kraft der internationalen Kapitalmärkte zum Erhalt der Biodiversität aktivieren, also Investoren weltweit dafür sensibilisieren und ihre finanziellen Beiträge mobilisieren.“, so der KfW-Treasurer.

Zentrale Rolle

Neben der Biodiversität wird auch die Klimaschutzoffensive für Unternehmen ergänzt. Investitionen von Unternehmen zur Minderung von Treibhausgasemissionen spielen laut KfW in der Transformation zu einer klimaneutralen Welt eine zentrale Rolle. Das KfW-Förderprogramm finanziere klimafreundliche Technologien in der Realwirtschaft, die einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz gemäß EU-Taxonomie leisten. Dazu gehörten zum Beispiel Investitionen in CO2-arme Produktionsverfahren oder Anlagen zur Bereitstellung von Strom und Wärme aus erneuerbaren Quellen.

Erstmals können auch internationale Finanzierungen der KfW aus der finanziellen Zusammenarbeit sowie der Projekt- und Exportfinanzierung den Green Bonds zugeordnet werden. Damit geht die KfW auf den Wunsch ihrer Investoren nach Diversifizierung ein. Das neue Green Bond Framework ist nach Angaben der KfW auf die aktuelle Ausgabe der Green Bond Principles der International Capital Market Association (ICMA) abgestimmt und verfügt über eine Second Party Opinion von Morningstar Sustainalytics. Diese beinhalte erstmalig eine Überprüfung der Green Bond Assets im Hinblick auf den wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz und die Mindestvorschriften für Arbeitsschutz und Menschenrechte der EU-Taxonomie. Die KfW berichte auch weiterhin regelmäßig über die Mittelverwendung sowie Umwelt- und Klimawirkungen ihrer Green Bonds.

Auch bei der Digitalisierung ihres Emissionsgeschäfts will die Förderbank voranschreiten, um entsprechende Optimierungspotenziale zu entwickeln. Nach den sehr erfolgreichen digitalen Projekten des laufenden Jahres nimmt sich das Haus für 2024 die Emission ihrer ersten tokenisierten Anleihe vor. Dabei handele es sich um ein digitalisiertes Finanzprodukt, das auf einer dezentralen Datenbank, beispielsweise einer Blockchain, abgebildet werden kann. Mit der Emission ihrer ersten tokensierten Anleihe teste das Haus die Möglichkeiten des deutschen Gesetzes über elektronische Wertpapiere weiter aus. Die Liquidität der Bonds hat die KfW in diesem nochmals gesteigert, indem sie erstmals eine neue Benchmark-Anleihe über 6 Mrd. Euro emittierte und diverse ihrer 45 ausstehenden Euro-Benchmark-Anleihen auf bis zu 7 Mrd. Euro aufstockte. Mittlerweile wiesen 45% der ausstehenden Euro-Benchmark-Anleihen ein Mindestvolumen von 6 Mrd. Euro auf. Hervorzuheben sei zudem die erstmalige Emission einer Dollar-Dual-Tranche-Benchmark-Anleihe, die mit Laufzeiten von zwei und sieben Jahren ein Nominalvolumen von 6 Mrd. Dollar auswies.

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