Siemens Energy bleibt im Windgeschäft tiefrot
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mic München
Siemens Energy erwartet im Windgeschäft auch im angelaufenen Geschäftsjahr 2023/2024 (30. September) einen Verlust. Das Ergebnis vor Sondereffekten werde sich von -4,3 Mrd. Euro auf rund -2 Mrd. Euro verbessern, erklärte das Energietechnik-Unternehmen im Rahmen der Jahrespressekonferenz in München. Es seien „alle Anstrengungen auf Kostenreduzierung, Selektivität bei den Verträgen und Produktivitätssteigerung gerichtet, während wir parallel an der Behebung der Probleme arbeiten“, erklärte Vorstandsvorsitzender Christian Bruch.
Lob für Garantien
Bruch lobte die Vereinbarung mit der Bundesregierung, Banken und der Siemens AG, die am Dienstagnachmittag veröffentlicht worden war und Bürgschaften von insgesamt 15 Mrd. Euro vorsieht. Es seien sehr konstruktive Gespräche gewesen, strich Bruch heraus. Man habe eine gute Lösung mit allen Beteiligten gefunden.
Siemens Energy schließt im Geschäftsjahr 2023/2024 auch für den Gesamtkonzern einen operativen Verlust nicht aus. Die Ergebnis-Marge vor Sondereffekten werde zwischen -2% und + 1% landen, hieß es. Für das vergangene Jahr meldete der Konzern -8,9%.
Unter dem Strich peilt der Vorstand allerdings einen Gewinn an. Nach Steuern werde ein Wert von bis zu 1 Mrd. Euro erwartet, nachdem im Geschäftsjahr 2022/2023 -4,6 Mrd. Euro tiefrote Zahlen geschrieben wurden, verkündete das Unternehmen. Den Swing zwischen operativem Ergebnis und dem Nettogewinn erklärte Siemens Energie mit den Auswirkungen aus Veräußerungen und dem beschleunigten Portfolioumbau.
Verkauf in Indien
Siemens und Siemens Energy kündigten an, dass Energy Anteile an der indischen Landesgesellschaft Siemens Ltd. an die Mutter Siemens AG verkaufen wird. Diese stehen weit unter Marktwert in den Büchern stehen. 18% sollen für rund 2,1 Mrd. Euro in bar den Besitzer wechseln. Damit würde sich der Siemens-Anteil von 51 auf 69% erhöhen, während der Anteil von Siemens Energy von 24 auf 6% sinken würde. Der Kaufpreis enthalte einen üblichen Abschlag von 15% auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten fünf Handelstage vor dem Tag der Unterzeichnung, hieß es.
Zugleich erklärten die Konzerne: "Siemens wird keine neuen Garantien für Siemens Energy gewähren." Die Siemens AG will allerdings, wie bekannt, die Erstverlusttranche für Garantien in Höhe von 1 Mrd. Euro übernehmen. Hierfür dient unter anderem ein Anteil von 5% an der Siemens Ltd., der im Energy-Besitz ist, als Faustpfand.
Konventionelle Kraftwerke mit Bremsspuren
Siemens Energy strebt auch im laufenden Geschäftsjahr ein Wachstum auf vergleichbarer Basis (ohne Währungsumrechnungs- und Portfolioeffekte) an, allerdings mit einem geringeren Tempo als bisher. Demnach werden die Erlöse in einer Bandbreite von 3 bis 7% zugleich. Im vergangenen Turnus stiegen sie um 9,9%.
Bremsspuren im laufenden Turnus zeigt insbesondere das Geschäft mit konventionellen Kraftwerken. Gas Services gehe von einem vergleichbaren Umsatzrückgang von 4 bis 0% aus, heißt es im Ausblick. Die drei anderen Sparten sollen besser abschneiden oder ihr Niveau weitgehend halten. Für Siemens Gamesa wird ein Wachstum von bis zu 4% prognostiziert, nachdem die Erlöse zuletzt um 5,1% geschrumpft sind.
Die Kapitalbasis wird operativ geschwächt werden. Siemens Energie rechnet mit einem Mittelabfluss (negativer Free Cash Flow vor Steuern) in Höhe von rund 1,0 Mrd. (Vorjahr: +784 Mill. Euro). Allerdings sollen beispielsweise Veräußerungen diesen Effekt überkompensieren. Im Ergebnis werden Mittelzuflüsse in einer Bandbreite von plus 2,5 Mrd. bis 3,0 Mrd. Euro erwartet.
Das vergangene Geschäftsjahr sei für Siemens Energy äußerst herausfordernd gewesen, so Bruch im Rahmen der Jahrespressekonferenz. Zugleich strich er heraus: Es „wachsen zwei Drittel unserer Geschäfte profitabel und haben ihre Jahresziele erreicht oder übertroffen“. Damit zielte Bruch auf das Energy-Geschäft rund um die Sparten, die sich auf die nicht-erneuerbaren Energien konzentrieren: Gas Services, Grid Technologies und Transformation of Industry. So steigerten Gas Services und Grid Technologies ihre Ergebnis-Margen, und der Einbruch der Marge von Transformation of Industry wurde mit einer Anpassung der strukturellen Aufstellung begründet.