Fed prüft Substanz des Trump-Effekts
Von Stefan Paravicini, New YorkWie andere Finanzmarktakteure auch sind die Zentralbanken derzeit immer noch damit beschäftigt, die möglichen Auswirkungen des angekündigten Kurswechsels in der Wirtschaftspolitik unter dem nächsten US-Präsidenten zu bewerten. Bei der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank in der nächsten Woche wird deshalb wohl nicht nur über die erwartete Zinserhöhung diskutiert, sondern auch die Substanz der bisherigen Verlautbarungen des Übergangsteams von Donald Trump geprüft, soweit diese den Spielraum für eine künftige Normalisierung der Geldpolitik beeinflussen könnten.Wenn Janet Yellen, die seit bald drei Jahren an der Spitze der Notenbank steht, am nächsten Mittwoch im Anschluss an das zweitägige Treffen vor die Presse tritt, wird daher nicht nur von Interesse sein, ob die Fed den von den meisten Marktteilnehmern erwarteten Zinsschritt um 25 Basispunkte vornimmt und damit nach einem ähnlichen Schritt im Vorjahr erst zum zweiten Mal in den vergangenen zehn Jahren vorsichtig an der Zinsschraube dreht. Das gilt unter Beobachtern spätestens seit überraschend starken Zahlen vom US-Arbeitsmarkt aus der vergangenen Woche als ausgemacht (vgl. BZ vom 3. Dezember). Zwischen den ZeilenKommt die Zinserhöhung wie erwartet, werden die Marktteilnehmer am Mittwoch vor allem darauf achten, ob Yellen Hinweise dafür gibt, dass die Notenbank für die nähere Zukunft ein beherzteres Drehen an der Zinsschraube in Betracht zieht, da die fiskalpolitischen Impulse der neuen Regierung mutmaßlich sowohl den Arbeitsmarkt als auch die Inflation schneller in die von der Fed gewünschte Richtung bewegen werden als bisher erwartet.Marktbeobachter rechnen damit, dass sich die Fed in ihrem Blick nach vorn die Möglichkeit für mehrere Zinsschritte im nächsten Jahr offenlassen wird, ohne die Erwartungen in diese Richtung allerdings bestärken zu wollen. Denn die Grundlagen für eine abschließende Bewertung des Trump-Effekts sind noch nicht gegeben. Wie der gewählte Präsident zusammen mit Handelsminister Wilbur Ross und Steven Mnuchin als Finanzminister den angekündigten Kurswechsel konkret ausgestalten wird, ist noch nicht absehbar. Unabhängigkeit in GefahrSpannend wird auch sein, ob Yellen am Mittwoch die Gelegenheit nutzt, erneut eine Lanze für die Unabhängigkeit der Fed zu brechen. Der republikanische Kongressabgeordnete Jeb Hensarling, der dem Financial Services Committee des Repräsentantenhauses vorsteht und vor der Ernennung von Mnuchin als Kandidat für die Spitze des Finanzministeriums gehandelt wurde, berichtete erst wieder am Mittwoch, dass Trump die Bemühungen des Kongresses unterstütze, die Fed in Zukunft enger an die Leine zu nehmen. Yellen, deren Amtszeit im Februar 2018 ausläuft, hat entsprechende Initiativen wiederholt kritisiert.