Finanzmarktkalender12.‒14. Dezember

Noch geben die Falken den Ton bei EZB und Fed an

Bei der EZB gerät der Zeitpunkt der ersten Zinssenkung in den Fokus – und die Liquidität im europäischen Bankensektor. Ähnlich sieht die Lage bei der Fed aus.

Noch geben die Falken den Ton bei EZB und Fed an

12.‒14. Dezember

Noch dominieren die Falken

Weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Fed wird es im laufenden Zyklus ohne neuen exogenen Preisschock aller Voraussicht nach nicht geben. Stattdessen gerät nun der Zeitpunkt der ersten Zinssenkung in den Fokus – und die Liquidität im europäischen Bankensektor.

Von Martin Pirkl, Frankfurt

So nah wie derzeit war die Europäische Zentralbank (EZB) ihrem Inflationsziel seit über zwei Jahren nicht mehr. Auch wenn die Teuerung aus statistischen Gründen nach 2,4% im November zum Jahresschluss wieder ansteigen dürfte, ist eine Zinserhöhung am kommenden Donnerstag kein Thema mehr.

Zinssenkungen in den nächsten Monaten sind es nach Aussagen von diversen Ratsmitgliedern aber auch nicht. Während an den Finanzmärkten eine erste Lockerung im April bereits eingepreist ist, schlägt die EZB weiterhin falkenhafte Töne an. Selbst die Vertreter einer eher lockeren Geldpolitik im Rat (Tauben), wie Frankreichs Notenbankpräsident François Villeroy de Galhau, sprechen sich nicht für Zinssenkungen im Frühjahr aus. Stattdessen stellte der Franzose in Aussicht, dass der Einlagensatz nun für einige Quartale konstant bei 4% liegen wird.

Debatte über EZB-Bilanzsumme

Aufschluss über den weiteren Kurs der EZB könnten am Donnerstag neben den Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde die neuen Inflations- und Konjunkturprognosen der Notenbank-Volkswirte geben.

Ein anderes Thema, das die EZB derzeit beschäftigt, ist die Debatte über die Bilanzsumme der Zentralbank. Die Bilanzsumme ist seit der Finanzkrise deutlich gestiegen, da die EZB in großem Umfang Staats- und Unternehmensanleihen gekauft hat, um die Konjunktur anzukurbeln. Inzwischen sinkt sie zwar, aber nach Ansicht einiger Ratsmitglieder nicht schnell genug. Sie plädieren daher dafür, die Reinvestitionen des Corona-Notfallanleihekaufprogramms PEPP vor Ende 2024 auslaufen zu lassen. Er sehe absolut keinen Grund, die Reinvestitionen fortzusetzen, sagte etwa Belgiens Notenbankpräsident Pierre Wunsch im Interview der Börsen-Zeitung.

Entscheidung über Mindestreserve erst 2024

Eine höhere Mindestreserve für Geschäftsbanken, um die Überschussliquidität zu senken, befürwortet Wunsch nicht. Ein schnellerer Abbau der EZB-Bilanz sei hierfür der bessere Weg. Bundesbankpräsident Joachim Nagel oder Österreichs Notenbankchef Robert Holzmann halten eine höhere Mindestreserve hingegen für eine Möglichkeit, die Effizienz der Geldpolitik zu verbessern. Bei der kommenden Zinssitzung dürfte diese Debatte jedoch noch kein größeres Thema sein. Die Rolle der Mindestreserve steht erst bei der Überprüfung des EZB-Rahmenwerks im kommenden Frühjahr auf der Agenda. „Bis dahin werden wir keine Entscheidungen fällen“, stellte EZB-Direktorin Isabel Schnabel klar.

Fed debattiert über Zinssenkungen im Frühjahr

Auch die US-Notenbank dürfte kommende Woche ihre Zinspause verlängern. Nachdem Fed-Direktor Christopher Waller Ende November öffentlich über eine Zinssenkung in drei bis fünf Monaten spekulierte, versuchte Fed-Chef Jerome Powell diesen Überlegungen Wind aus den Segeln zu nehmen. „Es wäre verfrüht, mit Zuversicht zu dem Schluss zu kommen, dass wir eine ausreichend restriktive Haltung erreicht haben, oder darüber zu spekulieren, wann die Geldpolitik gelockert werden könnte“, sagte er.

Die Inflation ist gemessen am von der Fed bevorzugten Inflationsmaß, dem PCE-Kernindex, im Oktober auf 3,5% gefallen. Der US-Arbeitsmarkt kühlt inzwischen langsam ab. Für die Fed sind das gute Nachrichten. Schließlich hat Powell mehrfach betont, dass langsameres Wachstum am Arbeitsmarkt eine Voraussetzung für weiter nachlassenden Inflationsdruck sei.

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