Das neue Umfeld begünstigt aktive Aktienmanager
Serie: Anlagethema im Brennpunkt (292)
Das neue Umfeld begünstigt aktive Aktienmanager
Von Alexandra Morris, Investment Director, Skagen
Dem verlustreichen Börsenjahr 2022 konnten aktive Aktienmanager wenigstens relativ betrachtet etwas Gutes abgewinnen: Denn viele von ihnen verzeichneten an der Benchmark gemessen ihr bestes Jahr seit 2009. Trotzdem blieb mehr als jeder dritte aktive Manager hinter seinem Zielindex zurück.
Dabei ist die Prämisse des aktiven Stockpicking simpel: Mit genügend Geschick bei der Auswahl der besten und der Vermeidung der schlechtesten Aktien lässt sich der Markt übertreffen. Bloß: Die Resultate zeigen, dass dies in der Praxis alles andere als einfach ist. Nicht zuletzt deshalb investieren immer mehr Anleger passiv und geben sich damit implizit mit der Marktrendite zufrieden. Doch spricht vieles dafür, dass gute Stockpicker auch in Zukunft konsistent Mehrwert für ihre Kunden erzielen.
Weltweit setzt sich aber vorerst der Siegeszug der Indexanlagen fort: Am US-Aktienmarkt überstieg ihr Volumen das aktiv gemanagte Vermögen bereits 2019. In Europa liegen aktive Manager noch vorne, doch auch hier geht der Trend in Richtung passiv. Die aktiven Manager reagieren mit immer neuen Produkten und werfen Indexanlagen vor, unter anderem die Kapitalmarkteffizienz zu beeinträchtigen und die Volatilität zu verstärken. Allein: Die Performancestatistiken sprechen für passive Anlagen.
Große Unterschiede
Doch der undifferenzierte Vergleich von passiv zu aktiv ist sehr kurz gegriffen und blendet die großen Unterschiede zwischen erfolgreichen und erfolglosen aktiven Fonds aus. Einen Teil davon erklärt das Konzept des Active Share, der angibt, wie stark ein Portfolio vom Referenzindex abweicht. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass besonders benchmarknahe aktive Fonds schlechter abschneiden als Fonds, die aktiver vorgehen. Der Grund: Benchmarknahe Fonds haben weniger Mehrertragspotenzial und ihr geringeres Alpha wird dazu noch durch ihre Gebühren aufgezehrt. Allerdings bedeutet anders – also aktiver – zu sein, nicht unbedingt auch besser zu sein. Doch es gibt weitere Erfolgsfaktoren. Eine Studie aus dem Jahr 2014 zeigte, dass unter den Portfolios mit hohem Active Share diejenigen mit einer Haltedauer von mehr als zwei Jahren die besten Renditen erzielten. Langfristige Anleger können unterbewertete Wertpapiere länger halten und profitieren gleichzeitig von geringeren Handelskosten, da sie weniger Transaktionen durchführen.
Ein weiterer Punkt: Konzentrierte Portfolios mit einer begrenzten Anzahl an Positionen steigern bei richtiger Auswahl den potenziellen Mehrwert. Zudem gilt: Je ineffizienter ein Markt ist, umso mehr Möglichkeiten haben gute aktive Manager. Ein Beispiel sind Schwellenländermärkte, an denen Informationen schwerer verfügbar sind und Unternehmen von weniger Analysten verfolgt werden.
Auch die Zunahme passiver Anlagen eröffnet aktive Chancen. Da die meisten Indizes nach Marktkapitalisierung gewichtet sind, investieren Indexanlagen vor allem in die Schwergewichte. Damit steigt das Korrekturrisiko. Im Jahr 2022 fiel der S&P 500 um fast 20%, vor allem durch den Einbruch der großen Technologiewerte. Während sich passive Anleger dem nicht entziehen konnten, können aktive Manager das Portfoliorisiko vorausschauend reduzieren.
Verzerrungen ausnutzen
Was bringt die Zukunft? Für aktive Manager dürfte die zunehmende Verbreitung passiver Strategien Chancen eröffnen, wenn sie Bewertungsverzerrungen ausnutzen und stärker in Marktnischen investieren. Auch der Aufstieg der KI wird die Asset-Management-Branche in den kommenden Jahren stark verändern. KI wird Investoren immer ausgefeiltere Instrumente an die Hand geben für Titelauswahl und Risikomanagement – auch davon dürften aktive Manager profitieren.
Vor allem aber spielt der Regimewechsel an den Märkten und der Rückzug der Notenbanken aus der quantitativen Lockerung den aktiven Managern in die Hände. Zudem können passive Ansätze Investoren naturgemäß nicht vor Bewertungsblasen und Korrekturen schützen. Aktive Manager dürften in Zukunft noch mehr Möglichkeiten haben, ihre Stärken unter Beweis zu stellen.