Kapitalmarktausblick

Deka: „2024 bietet mehr als eine Assetklasse Chancen“

Die Deka geht davon aus, dass Unternehmen die Zinswende insgesamt gut verkraftet haben und die Gewinndynamik daher anhält, vor allem in den USA. Das größte Kurspotenzial dürfte dennoch der Dax haben. Ende 2024 rechnen die Experten mit einem Indexstand bei 17.200. Unternehmensanleihen gehörten ebenfalls in ein gut diversifiziertes Portfolio.

Deka: „2024 bietet mehr als eine Assetklasse Chancen“

„2024 bietet mehr als eine Assetklasse Chancen“

Deka erwartet Zinspause und sieht gute Ertragspotenziale bei Aktien – Dax „stark unterbewertet“ – Unternehmensanleihen attraktiv

Die Deka geht davon aus, dass Unternehmen die Zinswende insgesamt gut verkraftet haben und die Gewinndynamik daher anhält, vor allem in den USA. Das größte Kurspotenzial dürfte dennoch der Dax haben. Ende 2024 rechnen die Experten mit einem Indexstand bei 17.200. Unternehmensanleihen gehörten ebenfalls in ein gut diversifiziertes Portfolio.

hei Frankfurt

Die Deka rechnet im kommenden Jahr insgesamt mit einem positiven konjunkturellen Umfeld für die Kapitalmärkte. Das globale Wirtschaftswachstum sei intakt, denn trotz wirtschaftlicher Schwäche Deutschlands, die sich im laufenden Jahr in einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 0,6% ausdrücken dürfte, hätten „Amerika, Europa und die Schwellenländer“ den Zinsanstieg gut verkraftet, wie Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater vor Journalisten in Frankfurt sagte. Die Zinswende sei auch angesichts anderer einschneidender Krisen wie Pandemie, Ukraine-Krieg, Energiepreisschock und neuer Konflikte im Nahen Osten die „zentrale Belastungsprobe“ für die Wirtschaft, die nun „zur Hälfte“ bewältigt sei.

Steiler Anstieg untermauert

Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Deka, ist insbesondere für die Aktienmärkte im kommenden Jahr optimistisch, denn die starken Kurszuwächse und die hohe Wertstabilität seien „fundamental untermauert“. Zum einen seien gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis weder Dax noch EuroStoxx 50 oder der S&P 500 zu Beginn der beschriebenen Krisen hoch bewertet gewesen. Zum anderen rechtfertige der steile Anstieg der Unternehmensgewinne vor allem im breiten Markt in den USA, aber auch im Stoxx 600 die Kurszuwächse an den Börsen. Risiken hat diese Sicht natürlich auch. Sollte es zu Zwischenfällen im Nahen Osten kommen, die dazu führen, dass der Ölpreis länger über 120 Dollar je Barrel bleibt, wäre das „eine Gefahr für die Wirtschaft“, so Kater.

Gesunde Bilanzstrukturen

Schallmayer geht ohne Störfaktoren aber davon aus, dass die Gewinndynamik insbesondere bei großen US-Unternehmen anhalten wird. Gerade die Tech-Schwergewichte wie Apple, Google, Microsoft und andere hätten von der Zinswende sogar profitiert; denn sie sitzen auf hohen Cash-Beständen, die neuerdings sogar wieder Zinsen abwerfen. Dies führte dazu, dass sich in den USA die Nettozinszahlungen der Unternehmen in den vergangenen drei Jahren um 170 Mrd. Dollar verringert haben. Die Relation der Zinsbelastung zum Netto-Cashflow fiel auf den historisch niedrigen Wert von 6,6%. Die Unternehmen insgesamt seien für die steigenden Finanzierungskosten mit einer gesunden Bilanzstruktur gerüstet. Neben einer niedrigen Verschuldung hätten viele auch die lange Niedrigzinsphase für eine vorausschauende Liquiditätsvorsorge genutzt, sodass die Verteuerung der Refinanzierung mit Verzögerung durchschlagen dürfte. Überdies gehen die Deka-Volkswirte davon aus, dass es dabei nicht ganz so dicke kommt, denn bisher erwarten die Experten, dass die Notenbanken nach einer Zinspause in der zweiten Jahreshälfte 2024 möglicherweise auch schon mit Zinssenkungen beginnen werden.

Speziell für US-Aktien spricht aus Schallmayers Sicht darüber hinaus ein solide operative Gewinndynamik, die bei den großen Technologiekonzernen weiterhin besonders ausgeprägt sein dürfte. Ihre Ergebnisse stehen mittlerweile für 20% aller von Unternehmen im S&P 500 erzielten Gewinne. Darüber hinaus dürfte die positive Ertragsentwicklung sich auch auf andere Branchen wie Pharma oder den Energiesektor ausdehnen.

Niedrig bewertet

Der Kapitalmarktstratege rechnet gleichwohl damit, dass der Dax im kommenden Jahr und auch 2025 im Hinblick auf die Gesamtertragserwartung sowohl den Euro Stoxx 50 als auch den S&P 500 schlagen wird. In Europa gibt es zwar keine so ertragsstarken Schwergewichte wie die US-Tech-Riesen, und das konjunkturelle Umfeld sei schwächer. Dafür sind aber auch die Bewertungen niedriger. Der Dax werde derzeit mit dem 1,2-Fachen seines Buchwertes bewertet. Ein derart niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis sei „Ausdruck einer tiefen Skepsis gegenüber der Leistungsfähigkeit der im Dax enthaltenen Unternehmen, die wir in diesem Ausmaß nicht teilen“, so Schallmayer. Er erwartet daher den deutschen Leitindex in zwölf Monaten bei 17.200 Punkten.

Auf Richtungssuche

Das eigentliche Novum des kommenden Jahres ist allerdings für die Deka, dass mit der Rückkehr der Zinsen andere große Assetklassen wieder Erträge versprechen. „2024 bietet mehr als eine Assetklasse Chancen“, so Schallmayer. Allerdings seien die Rentenmärkte nach einer historischen Kurskorrektur weiter auf Richtungssuche „nach einem neuen gleichgewichtigen Zinsniveau“. Währenddessen sei mit erheblicher Volatilität zu rechnen. Dennoch hält die Deka den jüngsten Anstieg am langen Ende der Zinskurve „für fundamental übertrieben“. Vor allem in den USA sei mit „spürbar rückläufigen Zinsen“ zu rechnen, glauben die Experten – trotz der hohen Staatsverschuldung und der damit verbundenen Refinanzierungszwänge. Die Renditen der 10-jährigen Treasuries dürften Ende 2024 auf 3,6% fallen und 2025 auf 3,2%, so die Schätzungen.

Radikal verbessert

Dennoch habe sich der Ertragsausblick für Anleihen in den letzten 24 Monaten so radikal wie bei keiner anderen Anlageklasse verbessert. Für Anleger sollten sich daher eher Unternehmensanleihen im Portfolio auszahlen. Da sich nun auch mit deutlich sichereren Assetklassen attraktive Renditen erzielen ließen, verringere sich die Investorenbasis für Bonds, und dies besonders im High-Yield-Bereich. Die Risikoaufschläge dürften daher kurzfristig unter einen gewissen Aufwertungsdruck geraten, vermutet Schallmayer. Europäische Unternehmensanleihen aus dem High-Yield-Segment „dürften in den kommenden zwei Jahren hohe absolute Gesamtrenditen erwirtschaften“, betont der Experte.

Die Deka erwartet für entsprechende Euro-Titel einen Gesamtertrag von 8%. Das kommt den Aktien im MSCI Emerging Markets schon sehr nahe. Neben Aktien seien daher in jedem Fall Unternehmensanleihen ein „ganz zentraler Bestandteil eines gut diversifizierten Anlageportfolios“.