„Der Herbst ist eine sehr starke Zeit für Kryptowährungen“
IM INTERVIEW: JOHANNA BELITZ
„Der Herbst ist eine sehr starke Zeit“
Interesse an Kryptoanlagen steigt weiter – ETP-Expertin glaubt an Fortsetzung des Bullenmarkts
Bitcoin hat in diesem Jahr bereits satte Aufschläge verzeichnet. Für Johanna Belitz, Head of Nordics bei dem ETP-Emittenten Valour, muss das noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. Im Interview der Börsen-Zeitung erklärt die Expertin, wie es mit Bitcoin weitergeht und welche Kryptodevisen noch stärker anziehen könnten.
Frau Belitz, Ihr Unternehmen vertreibt Krypto-ETPs und richtet sich gezielt an Privatanleger. Wie hat sich das Interesse an diesen Produkten in den vorigen Jahren entwickelt?
Es handelt sich dabei sowohl um Privatkunden als auch um institutionelle Kunden. Wir sehen, dass die Nachfrage weiter steigt. Und das gilt für alle europäischen Länder, in denen wir tätig sind.
Wen spricht Ihre Firma an?
Unsere Produkte sind interessant für Privatanleger, die sich mit Kryptowährungen beschäftigen. Bei uns können sie investieren, ohne sich um die Einrichtung einer Wallet oder die Nutzung einer Blockchain kümmern zu müssen. Also wie bei einer Aktie, einem ETF oder etwas Ähnlichem. Wir sehen aber auch, dass wir mit Sicherheit institutionelle Interessenten haben. Wir können die Bücher einsehen und sehen dort, dass wir auch sehr große Akteure haben.
Liegen Ihnen Daten vor, welche Anleger in Krypto-ETPs investieren? Welche Unterschiede gibt es im Vergleich mit institutionellen Käufen?
Wir können nicht alle Daten einsehen, weil sie bei der Bank oder dem Broker liegen. Die würden genau wissen, wer hinter allem steckt. Was wir sehen, ist, dass wir einen kontinuierlichen Zufluss in unsere Produkte haben. Das bedeutet, dass die Leute mehr kaufen als verkaufen. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass das Interesse schnell und weiter wächst.
Der Bitcoin ist in diesem Jahr stark gelaufen. Als Zahlungsmittel wird er aber kaum genutzt. Glauben Sie, dass sich das ändern wird?
Viele der Probleme, die oft als Gründe dafür angeführt werden, warum Bitcoin nicht als Zahlungsmittel verwendet wird, wie zum Beispiel, dass es langsam und teuer ist, sind bereits gelöst. Die Technik dafür ist vorhanden, zum Beispiel mit dem Lightning Network. Andererseits ist Bitcoin ein sehr volatiler Vermögenswert. Vielleicht ist er darum zumindest im Moment für alltägliche Einkäufe nicht geeignet. Ich würde sagen, dass es zumindest momentan besser ist, Fiatgeld (Eine Währung, die nicht an den Preis eines Rohstoffs gebunden ist, Anmerkung der Redaktion) auszugeben als Bitcoin.
Das könnte sich aber ändern?
Wir wissen nicht, wie sich Bitcoin in Zukunft entwickeln wird. Notwendig ist sicherlich eine breitere Akzeptanz. Im Zahlungsverkehr muss es ja auf der anderen Seite auch jemanden geben, der Bitcoin akzeptiert. Wenn man es aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, macht es in Ländern, die inflationsmäßig nicht stabil sind, absolut Sinn, mit Bitcoin zu bezahlen.
Die USA setzen unter Präsident Trump auf eine strategische Bitcoin-Reserve. Können Sie sich so etwas auch in Europa vorstellen?
Die USA haben sich sehr, sehr stark für alles ausgesprochen, was mit Bitcoin und Kryptowährungen zu tun hat. Dabei haben sie auch gesagt, dass sie eine strategische Bitcoin-Reserve aufbauen wollen. Vorige Woche hat Scott Bessent allerdings gesagt, dass sie für diese Reserve nicht aktiv Bitcoin kaufen wollen. Sie wollen das behalten, was sie beschlagnahmt haben. Das Entscheidende ist, sie suchen nach budgetneutralen Möglichkeiten, um mehr Bitcoin zu erwerben. Das ist trotzdem ein sehr starkes Signal, auch ein Signal an Europa.
Und das Signal kommt an?
Ich denke, dass viele Länder jetzt beginnen, diesen Weg zu erkunden. Die Tschechische Republik und die Ukraine haben offen darüber gesprochen. Andere Länder beobachten das vielleicht etwas stiller. Es gibt aber immer noch ziemlich viel Widerstand, zum Beispiel von der EZB. Solange dieser Widerstand anhält, ist das auch ein großer Einflussfaktor. Auf der anderen Seite steht aber eben das Drängen und der Einsatz der USA. Ich denke, dass es ein interessantes Thema ist, das auf der Agenda der verschiedenen Länder stehen sollte.
Jüngst hat Bitcoin wieder ein Allzeithoch markiert. Wo sehen Sie die Kryptowährung am Jahresende?
Es ist unmöglich, irgendetwas vorherzusagen, aber wenn wir uns die aktuellen Entwicklungen ansehen, ist das immer noch ein sehr starker Markt. Was in den USA bei der Gesetzgebung passiert, zum Beispiel, dass Trump den Markt für alternative Anlagen geöffnet hat, solche Dinge treiben die Kryptomärkte weiter an. Dazu kommen die Bitcoin-ETFs. Auch Ethereum treibt den Markt weiter stark an. Daher glaube ich, dass wir noch viel Aufwärtspotenzial haben. Dazu kommt, dass der Herbst, der irgendwann im Oktober beginnt, normalerweise eine sehr starke Zeit für Kryptowährungen ist. Ich denke, auch das spricht für eine Fortsetzung des Bullenmarktes.
Im Kryptobereich ist der Bitcoin bisher sehr dominant. Sehen Sie andere Währungen, die hier an Bedeutung gewinnen?
Es ist wichtig, die verschiedenen Kryptowährungen zu unterscheiden. Bitcoin ist die älteste und größte, hat sich als digitales Gold etabliert und damit eine sehr starke Position. Wenn man sich andere Kryptowährungen ansieht, sieht man unterschiedliche Probleme, die sie zu lösen versuchen. Das könnte die Tokenisierung sein. Oder es könnte DeFi sein. Oder es könnte die Unterstützung von KI sein.
Und die anderen Kryptowährungen?
Bitcoin ist die Nummer eins und wird es noch lange Zeit bleiben. Wenn man es aus der Perspektive eines Investors betrachtet, gibt es meiner Meinung nach auch immer noch viel Aufwärtspotenzial für Bitcoin, aber wenn Sie auf der Suche nach noch mehr Aufwärtspotenzial sind, ist Bitcoin vielleicht nicht der richtige Ort. Das größte Aufwärtspotenzial könnte irgendwo bei den Altcoins liegen, aber das ist natürlich auch mit einem höheren Risiko verbunden. Wir sprechen hier gerade über risikoreiche Vermögenswerte im Allgemeinen, und der Altcoin-Sektor ist sogar noch riskanter.
Das Interview führte Tobias Möllers.
Zur Person: Johanna Belitz ist Head of Nordics bei Valour. Zuvor war Belitz bei BNP Paribas, wo sie das ETP-Geschäft in Schweden und Finnland aufgebaut hat. Valour Inc. und Valour Digital Securities Limited emittieren ETPS, die Anlegern einen einfachen und sicheren Zugang zu digitalen Vermögenswerten über ihr traditionelles Bankkonto ermöglichen. Valour ist Teil des Geschäftsbereichs Asset Management von DeFi Technologies Inc. Die Muttergesellschaft ist an der Nasdaq notiert.
Das Interview führte Tobias Möllers.