Emissionswährung

Euro macht Dollar bei Staatsanleihen Konkurrenz

Der US-Dollar ist seit vielen Jahren die dominierende Währung der Welt. Er beherrscht die globalen Kapitalmärkte, die weltweiten Währungsreserven und die internationalen Handelsbeziehungen. Zur Jahrhundertwende haben staatliche und private Akteure...

Euro macht Dollar bei Staatsanleihen Konkurrenz

Der US-Dollar ist seit vielen Jahren die dominierende Währung der Welt. Er beherrscht die globalen Kapitalmärkte, die weltweiten Währungsreserven und die internationalen Handelsbeziehungen. Zur Jahrhundertwende haben staatliche und private Akteure versucht, dem US-Dollar Konkurrenz zu machen, indem sie den gerade eingeführten Euro als eine führenden Reserve- und Handelswährung etablierten. Diese Versuche blieben jedoch ohne langfristigen Erfolg.

1999 startete der Euro seine Karriere als Reservewährung mit einem Anteil von gerade einmal 18% der globalen Geldmenge. Getrieben von Diversifizierungsbestrebungen der Investoren, kletterte der Euro im Jahr 2008 auf knapp 28% – hauptsächlich auf Kosten des US-Dollar. Nach der Finanz- und Eurokrise folgte ein Abstieg auf ein Niveau von nur noch 20%. Davon profitierten vor allem der chinesische Renminbi sowie der australische und der kanadische Dollar. Bedingt durch die Coronakrise fordert der Euro den US-Dollar nun aber ernsthaft heraus.

Euro als Emissionswährung

Um herauszufinden, warum der Euro auf dem Weg zu einer globalen Reservewährung heute erfolgreicher sein soll, lohnt der Blick auf die Schlüsselelemente einer führenden Reserve- und Handelswährung: Das sind Volumen und Liquidität der Anleihemärkte, insbesondere der Staatsanleihe-Märkte. Der Euro hinkte in diesen Bereichen bisher hinterher. Im letzten Jahr startete die Europäische Union zwei große Programme, um die ökonomischen Folgen der Covid-19-Pandemie abzufedern und die Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft zu fördern. Hierzu gehört das Programm „Support to mitigate unemployment risks in an emergency“, kurz Sure. Das Sicherungsinstrument zielt darauf ab, die Arbeitslosigkeit infolge der Gesundheitskrise in der EU niedrig zu halten. Das zweite Programm ist der Wiederaufbaufonds „Next generation EU“. Die beiden Systeme sind zusammen 850 Mrd. Euro schwer. Zählt man auch noch die beiden EU-Hilfen „Macro-financial assistance” (MFA) und „Balance of payments” (BoP) dazu, beläuft sich das Refinanzierungsvolumen auf fast 1 Bill. Euro.

Die Hilfsprogramme sind Grundlage dafür, dass in „Euro denominierte SSA-Anleihen“, also Anleihen von Staaten, supranationalen Organisationen oder sogenannten Agencies, im Volumen stark zunehmen. Mit Hilfe der großen Emittenten Deutschland, Frankreich und Italien sowie supranationalen Institutionen wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) und dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) wird die Assetklasse schließlich zum ernsten Herausforderer für US-Treasuries. Damit werden die Anleihen auch zur Anlage-Alternative für institutionelle Investoren.

Der australische und der kanadische Dollar haben in den letzten Jahren ebenfalls von einer Kombination aus größerer Liquidität an Staatsanleihen und gestiegener Diversifizierung der Währungsreserven profitiert, wenn auch in wesentlich kleinerem Maßstab.

Es gibt darüber hinaus weitere Faktoren, die Alternativen zum US-Dollar attraktiv machen: die schrumpfende Bedeutung der USA im weltweiten Handel, auch gefördert durch die Politik der Trump-Regierung, sowie Inflation, geringe Renditen der US-Treasuries und steigende Budgetdefizite der USA. Außerdem gibt es einen steigenden Widerstand – sowohl von Gegnern als auch von Verbündeten Washingtons – gegen die Dominanz des US-Dollar. Die USA haben zu oft ihre Währung als Waffe eingesetzt, um ihre wirtschaftlichen und politischen Ziele zu verwirklichen.

Es gilt jedoch, noch mehr zu tun, damit der Euro in seiner globalen Stellung an Bedeutung gewinnt. Während es durch die zuvor erwähnten EU-Programme ausreichend Liquidität in Form von Anleihen mit langen Laufzeiten gibt, sind Laufzeiten von einem Jahr und kürzer bei in Euro denominierten Anleihen rar. Das sollte die EU bei ihrer Emissionspolitik berücksichtigen und deshalb dieses Laufzeitsegment mit ausreichend Liquidität versorgen. Ein mögliches Feld wären hierfür auch grüne Anleihen.

Fixing-Zeitpunkt

Ein weiterer Aspekt ist der Zeitpunkt der sogenannten Euro-Swaprate-Fixings – also der Ermittlung von Börsenkursen für den Austausch von Euro-Zinssätzen. Diese werden an Handelstagen um 11.15 Uhr mitteleuropäischer Zeit veröffentlicht. Das ist zu spät für die meisten asiatischen Investoren und Treasuries. Ein früherer Fixing-Zeitpunkt würde die Nutzung des Euro als Handelswährung und die Liquidität von in Euro denominierten Anleihen, nicht nur der SSA-Anleihen, gerade auch in der asiatischen Zeitzone deutlich steigern.

Die Regierungen der Eurozone werden den Vorstoß unterstützen, sowohl dem Euro einen größeren Anteil an den Weltwährungsreserven zu sichern als auch die ihm zustehende Bedeutung als Handelswährung zu geben. Das würde auch die Quotierung von Öl- und Öl-Termin-Geschäften in Euro implizieren. Die genannten EU-Programme bilden eine gute Basis dafür, sind aber noch nicht ausreichend, um dieses Ziel zu erreichen. Die Eurozone sowie Länder, deren Währung aufgrund enger Handelsbeziehungen eng an den Euro gekoppelt sind, und international agierende Unternehmen der Realwirtschaft würden von einer stärkeren Rolle des Euro als Reserve- und Handelswährung erheblich profitieren.

Renminbi am Start

Aber es gibt noch einen weiteren Herausforderer des US-Dollar. Der Renminbi wird, sobald er frei konvertierbar ist und in China internationale Gesetze voll anwendbar sind, einen ähnlichen Weg wie der Euro gehen. Nicht zuletzt auch durch die massive Unterstützung der chinesischen Regierung, zum Beispiel durch ihre „Belt and Road“-Initiative. Mit dem Projekt will die Volksrepublik ihre Handels- und Infrastrukturnetze mit Staaten in Afrika, Asien und Europa weiter ausbauen. Zudem strebt das Land danach, ökonomisch von anderen Akteuren noch unabhängiger zu werden. Beides zusammen wird die drei großen Zeitzonen-Blöcke und ihre Wirtschaftsräume in eine bessere Balance bringen und aus einer unipolaren Welt der Reserve-und Handelswährungen eine tripolare machen.