Chinesische Bauträger

Evergrande startet Umschuldung für Dollarbonds

Der hoch verschuldete chinesische Bauträger Evergrande versucht mit einer ersten Umschuldungsaktion für seine im Offshore-Markt begebenen Dollarbonds auf die Investoren zuzugehen.

Evergrande startet Umschuldung für Dollarbonds

Von Norbert Hellmann, Schanghai

Der mit massiven Überschuldungs- und Liquiditätsproblemen konfrontierte Immobilienentwickler China Evergrande Group hat 15 Monate nach dem aufsehenerregenden Default auf seine Dollarbondtitel den Anlegern einen ersten Restrukturierungsplan für seine Dollaranleiheschulden über insgesamt 22,7 Mrd. Dollar vorgelegt. Die Investoren der im Hongkonger Offshore-Markt gehandelten Dollartitel müssen nun einen Plan beraten, der eine reguläre Bedienung von Evergrande-Bonds in weite Ferne rücken lässt. Die Um­schuldungslösung sieht eine Um­wandlung einer ersten Gruppe nicht mehr bedienter Evergrande-Titel in neue Bonds mit deutlich verlängerten Laufzeiten vor.

Die in einem ersten Schritt vor­gestellten Umwandlungsoptionen betreffen zunächst nur von zwei unter Evergrandes Regie stehenden Offshore-Finanzierungstöchtern namens Scenery Journey und Tianji Holding begebene Dollartitel in einem Volumen von knapp 7,5 Mrd. Dollar. Vorgeschlagen wird eine Um­wandlung in neue Bonds mit un­erwartet langen Laufzeiten von zehn bis zwölf Jahren. Eine weitere Option bezieht sich auf die Neuemission von mittelfristigen Papieren über fünf bis sieben Jahre. Diese sollen von zusätzlichen Wandelinstrumenten flankiert werden, die sich auf die beiden an der Hongkonger Börse gelisteten, aber bereits seit längerem vom Handel ausgesetzten Aktiengesellschaften China Evergrande Group sowie den Gebäudemanager Evergrande Property Services beziehen.

Angesichts der erheblichen Cashflow-Probleme des Evergrande-Konzerns können die Zeichner der neuen Titel auf absehbare Zeit nicht mit einem regulären Zinsendienst rechnen. Vielmehr wird Evergrande die fälligen Kuponzahlungen für die nächsten zweieinhalb Jahre nicht zwangsläufig in bar leisten, sondern behält sich einen Zinsendienst in Form der Ausgabe zusätzlicher Schuldtitel vor.

Verhaltene Reaktionen

In ersten Marktreaktionen vom Donnerstag sah man die tief im Keller stehenden Kurse der Bonds von Scenery Journey und Tianji zwar um bis zu 50% von etwa 6 Cent zum Dollar auf 9 Cent zum Dollar steigen, damit haben die Titel aber freilich immer noch mehr als 90% ihres ursprünglichen Wertes eingebüßt. Aktienseitig brachte der Vorstoß von Evergrande ebenfalls keine wesentlichen Impulse. Am Donnerstag tendierte der Immobilien-Sektorindex an der Hongkonger Börse seitwärts und kam nur um 0,2% voran, während der Hongkonger Blue-Chip-Index Hang Seng um 2,3% anzog und damit den kräftigsten Tagesgewinn seit mehreren Wochen verbuchte. Immerhin zog aber die Aktie des größten börsennotierten Immobilienentwicklers in China, Country Garden Holdings, um 2,2% an und löste sich damit wieder von ihrem zur Märzmitte erreichten Jahrestief.

Analysten bei ANZ Banking bezeichnen den Vorschlag als nur teilweise befriedigend. Es handele sich um eine Kompromisslösung, die man nach dem Motto „Besser als nichts“ zu bewerten habe. Das Evergrande-Umschuldungsverfahren sei in jedem Fall nicht geeignet, Investoren einen sonderlichen Anreiz zu bieten, in die Bonds von anderen in einen Default geratenen chinesischen Immobilienentwicklern wieder beherzter einzusteigen.

Gegenwärtig werden die Renditen auf die Dollar-Junk-Bonds der chinesischen Bauträger vor allem von Signalen der Pekinger Regierung zu einer breiteren Unterstützung des Wohnimmobilienmarktes sowie von Signalen für einen breiteren Konjunkturaufschwung in China be­stimmt. Zuletzt gab es einige Belebungsanzeichen mit einem deutlicheren An­stieg der Neuwohnungsverkäufe im Februar als erwartet und dem ersten Anstieg der durchschnittlichen Wohnungspreise in chinesischen Großstädten seit 18 Monaten.

Ausgetrockneter Markt

Was die Belebung der Emissionstätigkeit für dollardenominierte chinesische Hochzinsanleihen betrifft, steht man noch ganz am Anfang. Seit der Mitte 2021 offenbar gewordenen Verschuldungskrise bei chinesischen Bauträgern ist der zuvor hyperaktive Markt für hochverzinsliche Anleihen chinesischer Unternehmen extrem stark ausgetrocknet. Bis 2020 waren die rasant expandierenden Immobilienentwickler mit ihren Emissionen für mehr als 80% der Begebungen von chinesischen Corporate Bonds im Offshore-Markt aufgekommen. In der Spitze kam der Markt im Jahr 2019 auf ein Emissionsvolumen von knapp 80 Mrd. Dollar, wobei der Löwenanteil auf die Immobilienbranche entfiel. Im vergangenen Jahr allerdings beliefen sich die Dollar-Neuemissionen der Bauträger zusammengenommen gerade einmal auf 2 Mrd. Dollar. Auch in diesem Jahr ist man noch weit von einer Renaissance des Offshore-Junk-Bond-Marktes entfernt.

Seitens Evergrande wird die erste Etappe der Bondumschuldung als ein wesentlicher Schritt zur Gesundung der Kapitalstruktur und auch Stabilisierung des operativen Geschäfts be­zeichnet. Tatsächlich berühren die Weichenstellungen auf Ebene der Dollarbonds im Offshore-Markt aufgrund einer separaten Regulierung allerdings nicht direkt auf dem Festland und in Hongkong laufende Verfahren zur Existenzsicherung des vormals größten chinesischen Wohnimmobilienentwicklers. Hier geht es um eine allgemeine Bilanzsanierung und Restrukturierung der Konzernverbindlichkeiten, die sich nach Maßgabe der letzten Bilanzvorlage des Konzerns auf mehr als 300 Mrd. Dollar beliefen. Evergrande wird vo­raussichtlich am 31. März im Rahmen eines Hongkonger Gerichtstermins gegenüber Bankkreditgebern und anderen Gläubigergruppen Be­richt ablegen und einen umfassenden Umschuldungs- und Bilanzsanierungsplan vorstellen. Dieser soll nach den Vorstellungen des Evergrande-Managements Anfang Oktober in die Tat umgesetzt werden.

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