Geopolitik dominiert den Ölpreis
Ausblick
Geopolitik dominiert Öl
Nahost-Krieg und Pläne Pekings treiben den Goldpreis an
Von Dieter Kuckelkorn, Frankfurt
Es gibt derzeit zwei Assets und deren Preisentwicklung, auf die die Akteure an den Finanzmärkten besonders achten: Der Ölmarkt ist momentan ein Spielball der Geopolitik. Sollten die schlimmsten Befürchtungen, die nicht einmal unrealistisch wirken, eintreten, sind schwere Auswirkungen auf die Volkswirtschaften der Industrieländer und eventuell sogar eine neue Finanzkrise und ein plötzliches Ende des Petrodollars denkbar. Der längere Zeit auf einem relativ niedrigen Niveau vor sich hin dümpelnde Preis des Edelmetalls Gold hat sich zuletzt auffällig erholt.
Bis jetzt ist es noch nicht zu einer Einbeziehung anderer Staaten der Region in den neuen Nahost-Krieg gekommen, allerdings nimmt die Wahrscheinlichkeit dafür zu. Nach den jüngsten Äußerungen des israelischen Verteidigungsministers Yoav Gallant sowie Presseberichten scheint eine Entscheidung zugunsten einer Bodenoffensive der israelischen Armee im Gazastreifen bereits gefallen zu sein. Die libanesisch-schiitische Miliz Hisbollah und der Iran haben für diesen Fall mit einem Kriegseintritt gedroht. Auch für die USA rückt ein Kriegseintritt näher, ein amerikanischer Zerstörer hat bereits ballistische Raketen aus dem Jemen abgefangen, die gemäß Presseberichten auf Israel zielten. Diese Nachricht hat am Freitag den Brent-Ölpreis zeitweise über 93 Dollar getrieben. Zudem nimmt der Druck der Bevölkerung auf die Regierungen der arabischen Länder stark zu, was diese zu einer Konfrontation mit Israel zwingen könnte.
"Der Ölpreis bleibt durch die angespannte Lage im Nahen Osten gut unterstützt, im Falle einer Ausweitung des Konflikts würde er wohl weiter zulegen", schreiben die Rohstoffanalysten der Commerzbank. Sie halten allerdings ein vom Iran ins Spiel gebrachtes Ölembargo der Opec gegen Israel und später möglicherweise auch gegen sämtliche westlichen Länder, die Israel unterstützen, für sehr unwahrscheinlich. Die Analysten der DZ Bank sind ebenfalls der Ansicht, dass, solange die Unsicherheit im Nahen Osten anhält, der Ölpreis volatil in beide Richtungen auf neue Nachrichten reagieren werde. Es herrschten Sorgen wegen einer Ausbreitung des Konflikts auf weitere Länder und hieraus resultierender Angebotsengpässe der globalen Rohstoffversorgung vor. Die jüngste Forderung des Iran, ein Ölembargo gegen Israel zu verhängen, zeige, dass derartige Befürchtungen nicht unberechtigt seien.
Der Goldpreis ist derweil mit in der Spitze 1.980 Dollar je Feinunze auf ein Dreimonatshoch geklettert. Ähnliches lässt sich beim Goldpreis in Euro beobachten. Nach Einschätzung der Analysten der DZ Bank ist auch hier die erhöhte geopolitische Unsicherheit der Hintergrund für den steilen Kursanstieg bei Gold. Erste nachhaltige Impulse in Richtung der Marke von 2.000 Dollar sind nach Einschätzung von Analysten allerdings erst zu erwarten, wenn es Anzeichen seitens der Fed und der EZB für Zinssenkungen wohl in der zweiten Jahreshälfte des kommenden Jahres gibt.
Es gibt aber noch einen weiteren politischen Faktor, der den Goldpreis antreibt. Reuters hat gemeldet, dass China erwägt, durch Gold gedeckte Anleihen herauszugeben. Damit würde Gold erstmals wieder die Funktion der Deckung von Währungen einnehmen. Es würde sich um einen Angriff auf US-Treasuries als wichtigstes Reserve-Asset der Welt handeln.