Mehr Geld in Aktien, trotz aller Risiken
Finanzmärkte
Mehr Aktien, trotz aller Risiken
Von Werner Rüppel
Beim Investment Fokus von Lupus alpha in der Alten Oper treffen sich alljährlich etliche Profi-Investoren, die große Summen verwalten. Wie immer wurde auch in diesem Jahr mit großer Spannung die sogenannte TED-Abstimmung im Saal erwartet, die u. a. nach den größten Risiken im kommenden Jahr und der Ausrichtung des Portfolios fragt. Das ist interessanter als die Fußball-Bundesliga.
Unter den größten Risiken für Investoren in Europa haben in diesem Jahr nur 18% der Geldprofis "steigende Zinsen" genannt. Die meisten erwarten, dass die Inflationsrate im nächsten Jahr unter 3% fällt. Und nach den deutlichen Leizinsanhebungen dürfte wohl das Zinshoch weitgehend erreicht sein.
Als größtes Risiko für 2024 nennen die Investoren hingegen mit 77% die "geopolitische Eskalation". Das verwundert nicht, hat doch der Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 sowie auch der Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober zu Einbrüchen insbesondere an den Aktienmärkten geführt. Darüber hinaus könnte Trump als US-Präsident wieder vor der Tür stehen, so dass 41% der Geldprofis die "US-Präsidentschaftswahl" unter den größten Risiken subsumieren. Ein weiteres neu aufgekommenes Risiko stellt die "Immobilienkrise" für 34% der Investoren dar. Und kaum jemand mag vor diesem Hintergrund stärker in Immobilien investieren. Denn weitere Einbrüche in diesem Sektor erscheinen gut möglich.
Trotz der geopolitischen Risiken bleibt bei den meisten Geldprofis das Risiko im Portfolio aber unverändert. Wahrscheinlich haben die meisten ihr Risiko bereits an die aktuelle Situation angepasst. Zudem sind geopolitische Gefahren insgesamt ohnehin schwerlich zu greifen. Zwar gibt es auch Absicherungen, aber die kosten eben Geld.

Hinzu kommt, dass im Gegensatz zu 2022 das Anlagejahr 2023 bisher positiv verlaufen ist. Das erlaubt dann trotz der geopolitischen Risiken ein wenig Risiko. So wollen 66% der Geldprofis 2024 stärker in Aktien investieren. 44% wollen hochwertige Unternehmensanleihen mit Investment Grade ausbauen. Riskante High-Yield-Papiere sind hingegen weniger gefragt.