Pfizer trotz Impfstoff wenig dynamisch
Von Dieter Kuckelkorn, FrankfurtDer amerikanische Pharmakonzern Pfizer gehört zu den Unternehmen, die von der Coronavirus-Pandemie deutlich profitieren sollten. Der deutsche, aber an der Nasdaq notierte Impfstoffhersteller Biontech hatte den Konzern 2018 mit ins Boot geholt, um die von Biontech entwickelten Impfstoffe in großem Stil produzieren und verteilen zu können. Zunächst ging es dabei um Grippeimpfstoffe, ab Januar 2020 kam dann die Entwicklung gegen das Sars-CoV-2-Virus, das Covid-19 auslöst, im sogenannten “Project Lightspeed” hinzu. Inzwischen hat der Impfstoff in praktisch allen relevanten Märkten die Zulassung erhalten.Gleichwohl hat sich die Aktie von Pfizer bei weitem nicht so positiv entwickelt wie etwa die Titel von Moderna oder vom Pfizer-Partner Biontech, die auf Sicht von einem Jahr Kurssteigerungen von 522 % bzw. 205 % verzeichneten. Pfizer hat in der gleichen Zeitspanne hingegen rund 3 % an Wert eingebüßt. Allerdings wurde in den vergangenen drei Monaten eine Wertsteigerung von immerhin 6,5 % verbucht. Der Rückstand gegenüber dem Gesamtmarkt wurde also etwas aufgeholt. Skepsis der Analysten Auch bei den Analysten herrscht Skepsis vor. Von insgesamt 19 Analysten raten lediglich fünf zum Kauf der Aktie. Ein Haus empfiehlt seinen Kunden, den Titel überzugewichten, während 13 lediglich nahelegen, die Aktie im Portfolio zu halten. Allerdings gibt es keine Verkaufsempfehlung. Das durchschnittliche Kursziel für die Aktie auf Sicht von zwölf Monaten wird bei 41 Dollar gesehen, was gegenüber dem aktuellen Niveau einen Anstieg von rund 12 % bedeuten würde.Pfizer hat sich auch in den vergangenen Jahren nicht gerade als ein Unternehmen mit besonders hohen Kurssteigerungen am Aktienmarkt erwiesen. Dies gilt für die vergangenen 20 Jahre, in denen die Renditen, die mit der Pfizer- Aktie zu erreichen waren, oft hinter denen anderer Pharmakonzerne zurückblieben. Allerdings war die Aktie um das Jahr 2000 deutlich überbewertet, was dann die jahrelang unterdurchschnittliche Performance der Aktie bewirkte.Pfizer gehört mit seinem Umsatzvolumen von mehr als 50 Mrd. Dollar sicherlich nicht zu den besonders dynamischen und innovationsstarken Pharmakonzernen – dies sind meist deutlich kleinere Unternehmen. Allerdings hat sich der Konzern kürzlich quasi neu aufgestellt. Das Geschäft mit den Generika wurde mit demjenigen von Mylan zusammengelegt. An dem Gemeinschaftsunternehmen wird Pfizer 57 % halten, die Zahlen der Tochter werden aber wohl getrennt ausgewiesen.Die Umgestaltung schafft bei Pfizer Kapazitäten, die Kerngeschäfte stärker nach vorn zu bringen, beispielsweise den Bereich Onkologie, der zuletzt einer der Wachstumstreiber des Konzerns war. Pfizer verfügt in diesem Bereich über rund 20 bereits zugelassene Medikamente, wenngleich sich darunter kein Blockbuster mit Megapotenzial befindet. Nach Einschätzung der Analysten von Barclays, die die Aktie mit “Equal Weight” einstufen, wird die jüngst verkündete strategische Kooperation mit Myovant das Portfolio im Bereich Onkologie weiter stärken.Was die zu erwartenden Erlöse aus dem Coronavirus-Impfstoff betrifft, so gehen die Analysten von Morgan Stanley von allein rund 19 Mrd. Dollar im laufenden Jahr aus, die sich Pfizer und Biontech allerdings teilen müssen. Für 2022 und 2023 wird von weiteren 9,3 Mrd. Dollar ausgegangen. Die Analysten von Goldman Sachs rechnen für 2021 mit Impfstoff-Erlösen von 13,2 Mrd. Dollar. Diese Perspektiven haben einige Analysten zu optimistischen Einschätzungen der Aktie bewegt. So betonen beispielsweise die Anlage-Experten von Mizuho Securities, es gebe Raum für weitere Kursanstiege, sobald die Impfungen im großen Stil angelaufen seien. Die Analysten raten dazu, die Aktie zu kaufen. Allerdings sollte nicht übersehen werden, dass der Wettbewerb auf dem Markt für Covid-19-Impfstoffe hart ist, wobei wichtige Konkurrenzprodukte nichtkommerziell sind. Dies gilt beispielsweise für das von der Universität Oxford und AstraZeneca entwickelte britische Präparat sowie für den russischen Sputnik-5-Impfstoff als Weltmarktführer. Außerdem gibt es in Teilen der Bevölkerung Vorbehalte gegen Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna, weil sie auf der Basis von modifizierter Boten-RNA (mRNA) medizinisches Neuland betreten. Zudem sind diese Impfstoffe teurer als die nichtkommerziellen Konkurrenzprodukte, was sich weltweit auf vielen Märkten als Problem herausstellen könnte. Niedrige BewertungEs sollte aber nicht übersehen werden, dass die Pfizer-Aktie im Vergleich zu anderen großen Konzernen aus der Branche günstig bewertet ist. Auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) nach Berechnungen von Bloomberg gerade einmal 13. Zum Vergleich: Eli Lilly kommt auf 36, Novartis auf 28, Merck & Co. auf 24, AstraZeneca aber auf 92.Zudem kann Pfizer mit einer satten Dividendenrendite von 4,2 % glänzen, womit beispielsweise Eli Lilly mit 1,9 % und Merck & Co. mit 3,1 % glatt abgehängt werden. Damit halten sich die Risiken eines Investments in die Aktie durchaus in Grenzen. Aktuell könnte es sich allerdings als ein Problem herausstellen, dass die Aktie nicht als zyklisch, sondern als sehr defensiv gilt – in einer Phase, in der nun Aktienstrategien wie diejenigen von Goldman Sachs mit einem kräftigen Anstieg der Unternehmensgewinne und damit der Kurse zyklischer Unternehmen am Aktienmarkt rechnen.Wer allerdings durch die Coronakrise bedingte erhebliche Gefahren für die Volkswirtschaften und – trotz der fortlaufenden Flutung der Finanzmärkte mit Liquidität durch die Notenbanken – auch für die Aktienmärkte sieht, für den könnte eine starke defensive Aktie wie jene von Pfizer genau die richtige Wahl sein.