Ausblick

Russland drosselt Ölmenge

Russland reduziert ab März seine Ölproduktion. Dadurch nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass der Ölpreis in den kommenden Monaten deutlich steigen wird.

Russland drosselt Ölmenge

ku Frankfurt

Viele Analysten gehen davon aus, dass sich der Brent-Ölpreis von seinem gegenwärtig recht niedrigen Niveau – noch vor kurzem war die Sorte für wenig mehr als 80 Dollar je Fass zu haben – wieder spürbar erholen und über die Marke von 100 Dollar klettern wird. Die Chancen dafür sind nun deutlich gestiegen, weil die russische Regierung Gegenmaßnahmen gegen die westlichen Sanktionen beschlossen und angekündigt hat. Der stellvertretende russische Premierminister und frühere Energieminister Alexander Nowak hat angekündigt, dass Russland seine Ölproduktion ab März um 500000 Barrel pro Tag (bpd), dies sind rund 5% seiner Produktion, reduzieren wird. Nowak sagte, bislang sei es Russland trotz der Sanktionen gelungen, seine Produktion komplett zu verkaufen.

Die Akteure am Ölmarkt wurden von der Maßnahme überrascht, der Ölpreis reagierte mit einem kräftigen Anstieg. Brent Crude erreichte in der Spitze fast 87 Dollar, am Abend blieb noch ein Anstieg von ,32% auf 86,45 Dollar übrig.

Die Maßnahme ist offensichtlich mit den anderen Anbietern innerhalb des Kartells Opec plus und damit insbesondere mit Saudi-Arabien als dem Schwergewicht der Opec abgesprochen. Dies ist daraus zu schließen, dass zwei namentlich nicht genannte Vertreter der Opec plus der Nachrichtenagentur Reuters sagten, die Gruppierung plane keine Änderung ihrer Produktionsquoten. Zu­dem hat auch der Kreml bestätigt, dass es Gespräche gegeben hat. Dies bedeutet, dass die anderen Produzentenländer offensichtlich nicht daran denken, von der Situation zu profitieren und russische Marktanteile zu übernehmen. Es ist zu erwarten, dass insbesondere die USA darauf dringen werden, dass die anderen Ölproduzenten den Ausfall des russischen Öls ausgleichen. Bislang hat aber insbesondere Saudi-Arabien derartige Einflussversuche ignoriert.

Während nun das Angebot auf dem Weltmarkt knapper wird, ist in den nächsten Monaten mit einer spürbaren Erholung der Nachfrage zu rechnen. So gehen die Analysten der neuseeländischen ANZ davon aus, dass durch die konjunkturelle Erholung in China die Nachfrage um 1 Mill. bpd vergrößert wird, wodurch die Gesamtnachfrage im laufenden Jahr um 2,1 Mill. bpd zulegen soll. Daher rechnen viele Analysten im laufenden Jahr mit einem Brent-Ölpreis in der Größenordnung von 100 bis 115 Dollar.

Die Analysten der UBS merkten an, dass kein anderer Produzent in der Lage sei, die Lücke zu schließen, die Russland nun herbeiführe. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Biden-Administration in Panik gerate. Es sei aber unwahrscheinlich, dass die US-Regierung­ weitere Ölmengen aus der strategischen Reserve freigebe.

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