Sartorius-Papiere brechen ein
Sartorius-Papiere brechen ein
Dax muss Abschläge hinnehmen – Morphosys können deutlich zulegen
tom Frankfurt
Zum Ausklang einer bis dahin guten Woche hat der deutsche Leitindex am Freitag seine gesamten Wochengewinne wieder abgegeben. Der Dax ging mit einem Abschlag von 1,6% bei 15.187 Zählern ins Wochenende.
Die Anleger hatten die neue Gewaltspirale im Nahen Osten zunächst relativ gut weggesteckt, doch im Bereich der 200-Tage-Linie hat sich der Leitindex dann im Laufe der Woche schwergetan. Auch Zinssorgen hemmen die Märkte weiter. Laut Experten der ING Bank bleibt eine finale Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed nach den Inflationsdaten vom Vortag im Bereich des Möglichen.
Gute Resultate der US-Banken J.P. Morgan, Citigroup und Wells Fargo, die den Auftakt der anstehenden Berichtssaison einläuteten, milderten den Abgabedruck kaum. Die Kurse der US-Banken legten zwar zu, in Europa jedoch konnten Finanztitel davon nicht profitieren. Für die Papiere der Commerzbank (−2,2% auf 10,06 Euro) und der Deutschen Bank (−1,5% auf 9,96 Euro) gab es weitere Abschläge.
Sogar zweistellig brach am Dax-Ende die Aktie von Sartorius ein. Der Pharma- und Laborausrüster hat nach einem rückläufigen Geschäft in den ersten neun Monaten seine Jahresprognose gesenkt und verschreckte damit die ohnehin schon Leid gewohnten Anleger. Die französische Großbank Société Générale und Warburg Research gaben ihre Kaufempfehlungen auf. Sartorius-Titel verloren bis Handelsschluss 11,4% auf 229 Euro und notieren damit auf dem niedrigsten Niveau seit Juni 2020. Damit nähert sich der Konzern dem Niveau von vor der Corona-Pandemie, die dem Unternehmen eine Sonderkonjunktur beschert hatte.
Die Sartorius-Zahlen belasteten auch andere Dax-Mitglieder aus der Gesundheitsbranche: Merck (−3,1% auf 150,45 Euro) und Qiagen (−3% auf 36,49 Euro) gehörten zu den Schlusslichtern im Dax. Dagegen legten Morphosys-Papiere um 3,3% auf 24,10 Euro zu. Anleger honorierten damit das Morgan-Stanley-Votum "Overweight". Die US-Bank schraubte ihr Kursziel in der Studie deutlich auf 35 Euro nach oben.
Abgesehen von solchen Lichtblicken setzten Anleger statt auf Aktien auf Gold. Das Edelmetall verteuerte sich um 2,5% auf rund 1.915 Dollar je Feinunze. Auch Staatsanleihen waren gefragt. Im Gegenzug sank die Rendite der zehnjährigen Bundespapiere auf 2,71% von 2,78% am Donnerstag. Die US-Bonds mit der gleichen Laufzeit rentierten mit 4,49% nach zuvor 4,71%.
Am Ölmarkt zogen die Preise für Brent und WTI wegen der Spannungen in Nahost um jeweils gut 4% auf 89,66 Dollar und 86,57 Dollar je Fass an. "Das lauernde geopolitische Risiko wird die Preise wahrscheinlich in nächster Zeit hoch halten", sagte Kelvin Wong, Analyst beim Handelshaus Oanda, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.