Scheitern Renzis lässt Aktienanleger kalt
ku Frankfurt – Am europäischen Aktienmarkt ist die Entscheidung der Italiener gegen die vom mittlerweile zurückgetretenen Premierminister Matteo Renzi vorangetriebene Verfassungsreform mit einem Achselzucken quittiert worden. Der Dax zeigte sich ausgesprochen fest. Er beendete den Handel mit einem Aufschlag von 1,6 % auf 10 685 Punkte. Der Euro Stoxx 50 legte um 1,3 % auf 3 053 Zähler zu.Händler sagten, das ablehnende Votum der italienischen Wähler sei erwartet worden. Insofern sei der Markt diesmal nicht auf dem falschen Fuß erwischt worden. Zudem blickten die Anleger auf die Zinssitzung des EZB-Rats am Donnerstag, für die die Erwartungen nun deutlich zugenommen hätten. Die Akteure an den Kapitalmärkten hoffen dabei auf eine Verlängerung des Anleihekaufprogramms der Notenbank der Eurozone.Sogar am italienischen Aktienmarkt hielten sich die Verluste in Grenzen. Der Leitindex FTSE MIB verzeichnete nach einem volatilen Handel zum Ende der Börsensitzung ein nur leichtes Minus von 0,2 % auf 17 050 Punkte.Zu den größten Verlierern gehörten die Bankenwerte des Landes. Der italienische Bankenindex büßte 2,2 % ein. Selbst die Titel der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena, die möglicherweise vom Staat gerettet werden muss, verbilligten sich lediglich um 4,2 % auf 18,68 Euro. Am heutigen Dienstag will das Management der Bank über das weitere Vorgehen beschließen. Nach Einschätzung der Analysten der US-Bank Morgan Stanley dürfte es derzeit sehr schwierig werden, unter den gegebenen politischen Umständen Ankerinvestoren für das angeschlagene Institut zu finden. Unicredit verzeichneten einen Abschlag von 3,4 % auf 2,01 Euro. Einem Pressebericht zufolge will die italienische Großbank ihre milliardenschwere Investmentfondstochter Pioneer an den französischen Vermögensverwalter Amundi verkaufen. Der Preis soll bei mehr als 3 Mrd. Euro liegen, berichtete die Londoner “Financial Times”.Zu den Gewinnern im Dax gehörten die deutschen Chemiewerte nach positiven Äußerungen der Analysten von Bank of America Merrill Lynch. BASF verteuerten sich um 2,4 % auf 82,98 Euro.Fest zeigten sich zum Wochenauftakt die deutschen Automobilwerte. BMW legten um 3,2 % auf 82,40 Euro zu, Volkswagen-Vorzüge um 2,4 % auf 121,60 Euro und Daimler um 2,6 % auf 64,07 Euro. Analysten zufolge haben die Titel Nachholbedarf, weil sie in den vergangenen Wochen schlechter abgeschnitten haben als der Gesamtmarkt. BMW hat Versuche mit selbstfahrenden Automobilen angekündigt, während Volkswagen den Start eines neuen konzerneigenen Mobilitätsdienstleisters namens Moia vorantreibt.