Kapitalmärkte

Dax in der Bärenfalle und im starken Szenario

Der Dax befindet sich laut technischer Analysten derzeit in einer Bärenfalle. Aber die Situation ist auch als ein starkes Szenario zu definieren.

Dax in der Bärenfalle und im starken Szenario

Technische Analyse

Dax in der Bärenfalle und im starken Szenario

Von Stefan Salomon*)

*) Stefan Salomon ist freiberuflicher Chartanalyst.

Der bisherige Jahresverlauf im Deutschen Aktienindex (Dax) ist durchaus positiv. Das Jahr startete bei einem Kursniveau von 13.992 Punkten und kletterte bis auf ein Hoch im Juli bei 16.528 Punkten. Das zwischenzeitliche Tief im Oktober bei 14.630 Punkten wurde recht zügig aufgefangen. Allein im November konnte der deutsche Leitindex ausgehend von einem Tief im November bei 14.786 Punkten bis auf ein Novemberhoch bei 16.041 Punkten ansteigen. Das Börsenjahr 2023 präsentiert sich allerdings aufgrund der teils recht volatilen Bewegungen – so auch einem kurzfristigen Rücksetzer im März – mit starken Phasen der Verunsicherung der Marktteilnehmer. Die unklare Zins- und Konjunkturentwicklung gepaart mit geopolitischen Risiken zehrte an den Nerven der Anleger. Diese Phase der Verunsicherung im Markt spiegelte ein inverses symmetrisches Dreieck wider. Dieses bildete sich in den Monaten April bis Juli aus und wurde sodann nach unten verlassen.

Trendwendemuster

Ein solches Dreieck gilt in der Regel als potenzielles Trendwendemuster, als mögliche Gipfelbildung. Denn die Zunahme der Schwankungsbreite im Markt drückt die zunehmende Verunsicherung der Marktteilnehmer aus – und Unsicherheit ist in der Regel ein Vorläufer für einen Stimmungsumschwung sowie eine damit verbundenen Trendwende. Ein kurzfristiges Verkaufssignal wurde so Ende September 2023 mit Ausbruch aus dem Dreieck nach unten und einem Ausbruch unter eine wesentliche Unterstützungszone bei circa 15.400 Punkten generiert. Aus charttechnischer Sicht war allerdings ein Crash nach diesen Verkaufssignalen eher unwahrscheinlich. Denn die Wochenkerzen des deutschen Leitindex zeigten eine sehr starke Unterstützungszone im Bereich 14.500/450 Punkten an. Diese Unterstützungszone konnte ausgehend von den Tops im November 2022 und dem März-Tief 2023 angenommen werden. In Verbindung mit den hier vorliegenden langen weißen Wochenkerzen von Jahresbeginn – lange weiße Kerzen gelten in der japanischen Candlestick-Methodik als Stützen des Marktes – konnte eine sehr kräftige Unterstützungszone angenommen werden.

Im November konnte der Deutsche Aktienindex wieder nach oben starten. Kaufsignale ergaben sich hierbei nach Break der 15.000 und vor allem auch einer Widerstandslinie bei 15.650 Punkten. Zudem wurde der seit dem Sommer bestehende Abwärtstrend nach oben verlassen. Das hieraus ableitbare Kursziel, die nach oben gespiegelte Schwankungsbreite des Trendkanals, wurde allerdings zwischenzeitlich schon erreicht. Auch ein weiteres Kursziel, eine kräftige Widerstandszone im Bereich 15.900 bis circa 16.060 Punkten, wurde in den vergangenen Handelstagen getestet. Da am aktuellen Niveau der Markt erste Hinweise auf eine überkaufte Chartsituation bietet – aus Sicht der Standard-Indikatoren wurden jüngst hohe Werte erreicht, die auf eine solche Chartsituation hinweisen –, ist eine Pause oder auch leichte Korrektur im Index einzuplanen und wäre fast wünschenswert, um einen Abbau der überkauften Strukturen zu ermöglichen. Relevant für die weitere Entwicklung des Deutschen Aktienindex ist auch der Kursverlauf Ende Oktober und Anfang November. Hier zeigten sich zwei Kurslücken – erst abwärts sowie folgend aufwärts gerichtet. Der Kursbereich unter diesen beiden Gaps stellt dabei eine „Inselumkehr“ dar. Zudem dürfen die Tiefs im Oktober als Bärenfalle interpretiert werden. Ebenso stellt der Ausbruch aus dem umgekehrten Dreieck sowie der Unterstützungszone Ende September mit einem sehr dynamischen Rebreak der Unterstützungszone am 14. November nun eine Marktbereinigung und eine übergeordnete Bärenfalle dar. Entsprechende Marktbereinigungen und Fehlsignale der Chartanalyse offerieren letztlich ein sehr positives Szenario für den Deutschen Aktienindex Dax.

Langfristiger Trendkanal

Das positive Szenario ausgehend von den oben beschriebenen Faktoren ist derzeit wieder zu favorisieren. Denn der recht langfristige Kursverlauf des Dax präsentiert seit 2013 einen langfristigen Aufwärtstrendkanal. Dessen Aufwärtstrendlinie verläuft gegenwärtig bei circa 13.700 Punkten – die obere Begrenzung des Trendkanals, die sogenannte „Rückkehrlinie“, hingegen notiert bei rund 19.000 Punkten. Eine Rückkehrlinie stellt das natürliche Kursziel in einem Trendkanal dar – mithin wäre das beste anzunehmende Szenario ein kontinuierlicher Anstieg in Richtung 19.000 bis 20.000 Punkte in den kommenden Monaten. Dagegen sprechen lediglich die bisherige Volatilität 2023 und die damit verbundene Verunsicherung im Markt. Weiterhin zeigen sich starke Widerstände im Bereich 16.300 bis 16.500 Punkte.

Fazit: Nach den jüngsten Bärenfallen und einer Bodenbildung im Oktober 2023 besteht die Chance auf weitere Zugewinne. Jedes neue Hoch seit dem Tief im Oktober würde das positive Szenario bestätigen. Kurzfristige Verkaufssignale hingegen im Widerstandsbereich um 16.300 bis 16.500 Punkte könnten jedoch für Teilverkäufe oder Absicherungsgeschäfte genutzt werden. Wider Erwarten negativ wäre ein wiederholter Rückfall unter 15.450 Punkte.

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