Ausblick

Unsicherheiten lasten auf Aktienmärkten

Die Aktienmärkte stehen unter Druck. Von einer Jahresendrally ist in dieser Lage verständlicherweise keine Rede. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer.

Unsicherheiten lasten auf Aktienmärkten

Ausblick

Keine Rally, nirgends

Zahlreiche Unsicherheiten lasten auf Aktienmärkten – Konjunktur als Hoffnungsschimmer

Von Tobias Möllers, Frankfurt

Der November steht bevor und die Hoffnung auf eine bald aufkommende Jahresendrally an den Aktienmärkten ist nicht mehr als das: eine Hoffnung. Denn zuletzt steuerten die wichtigsten Börsenbarometer in die entgegengesetzte Richtung, nach unten. Belastet wurden und werden die Märkte von Geo- wie Geldpolitik und zunehmend auch von der Konkurrenz durch starke Anleiherenditen.

Zumindest bei der Geldpolitik könnten nun einige Unsicherheiten aus dem Markt verschwinden. Die EZB legte am Donnerstag erwartungsgemäß eine Pause bei den Leitzinserhöhungen ein. Nächste Woche stehen die Entscheidungen von Fed und Bank of England an. Patrick Franke von der Helaba geht trotz eines beschleunigten US-Wachstums im dritten Quartal davon aus, dass die Fed am Tag nach Halloween "in erster Linie Süßes liefern wird". Auch die Bank of England werde wohl nicht erhöhen.

Keine Entspannung in der Geopolitik

Bleiben Geopolitik und Anleiherenditen. "Wenn die Geopolitik in den Hintergrund rückt, können wir hoffnungsvoller aufs Jahresende blicken", schreibt Sören Wiedau von der Weberbank. Nur ist derzeit weder in der Ukraine noch in Nahost irgendeine Art von Entspannung in Sicht. Zumindest die Anleiherenditen haben ihren steilen Anstieg zuletzt unterbrochen, doch für Aktien bleibt im Vergleich eine Überrendite nahe null. Für Sven Streibel von der DZ Bank sprechen zumindest die langfristigen Gewinnpotenziale weiter für Aktien.

Kurzfristig stehen weitere Quartalszahlen auf dem Programm. Die bisherigen Bilanzen zeigen Licht und Schatten. Von den S&P 500-Unternehmen hat bisher ein Drittel Zahlen veröffentlicht, dabei haben laut Streibel starke 80% positiv überrascht. Gewürdigt wurde das am Markt nicht, womöglich weil der Ausblick für das vierte Quartal oft eher ernüchternd ausfiel. Während positive Überraschungen mit einem Abschlag von 0,3% quittiert wurden, ging es bei negativen Überraschungen sogar 4% nach unten.

Anleger sehen Korrekturbedarf

Der Nasdaq Composite hat in den turbulenten letzten Wochen und Monaten satte 12% eingebüßt, liegt nach einem starken Jahresbeginn 2023 aber immer noch gute 20% im Plus. Doch zuletzt sind gleich mehrere Börsenbarometer unter die technisch wichtige 200-Tage-Linie gerutscht. Nach dem Dax erwischte es auch den S&P 500. Offenbar sehen die Anleger Korrekturbedarf, konstatiert Markus Reinwand von der Helaba.

Auch Frank Klumpp von der LBBW ist zurückhaltend und überschreibt seine Erwartungen für die Aktienmärkte mit "Stabilisierung ja, Jahresendrally nein". Einen Hoffnungsschimmer sieht Helaba-Mann Reinwand im jüngsten zweiten Anstieg der Ifo-Erwartungen. Dies sei ein erster Hinweis, dass die Konjunkturstimmung inzwischen ihren Tiefpunkt durchschritten hat. Und solche Wendesituationen sind oft besonders günstig für Aktien.