Verbraucherpreise

Deutsche Inflation 2022 nach Revision niedriger

Die Teuerung lag 2022 im Jahresschnitt nur bei 6,9% statt der zuvor gemeldeten 7,9%. Grund für die Differenz ist die Revision des Warenkorbs und der Gewichtung, die die Statistiker üblicherweise alle fünf Jahre vornehmen.

Deutsche Inflation 2022 nach Revision niedriger

ms Frankfurt

Das Statistische Bundesamt hat turnusgemäß seine Berechnung der Inflationsrate in Deutschland überarbeitet und kommt auf dieser Basis in nationaler Rechnung (VPI) zu einer merklich niedrigeren Teuerung als bislang gemeldet. Statt bei 7,9% lag die Inflationsrate demnach im Jahresschnitt 2022 bei 6,9%, wie die Statistiker am Mittwoch meldeten. Die Differenzen durch die Revision sind verglichen mit früheren Revisionen ungewöhnlich groß. Zugleich ändern sie aber nichts an dem grundsätzlichen Bild einer extrem hohen Inflation. Auch die 6,9% bedeuten den höchsten Wert seit Anfang der 1970er Jahre. Die EU-harmonisierte Berechnung (HVPI) ist von der Revision nicht betroffen; laut ihr lag die Teuerung 2022 bei 8,7%.

Die Revision der Verbraucherpreisstatistik war mit besonderer Spannung erwartet worden, weil die Inflation auch die Gemüter in Deutschland erhitzt wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. In den Jahren 2021 und 2022 war sie rasant und auch unerwartet deutlich angestiegen – erst durch die Nachholeffekte nach der Corona-Pandemie und dann durch den Ukraine-Krieg. Zum Jahresende 2022 hatte die Teuerung dann wiederum überraschend deutlich nachgegeben. Das hat auch die Debatte über die Angemessenheit der beispiellosen Fiskalhilfen und über die zuletzt sehr aggressive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) angeheizt.

Das Statistische Bundesamt überprüfte nun wie in der Regel alle fünf Jahre die Gewichtung und die Zusammensetzung des Warenkorbs, für den es monatlich die Preise Hunderter Produkte erhebt. Denn die Verbrauchs- und Einkaufsgewohnheiten der Menschen ändern sich. Das sogenannte Wägungsschema enthält für einzelne Güterarten die jeweiligen Ausgabenanteile an den gesamten Konsumausgaben der privaten Haushalte. Bei der Überarbeitung jetzt erhielt etwa der Bereich Wohnen ein geringeres Gewicht, in dem vor allem die Wohnungsmieten, die Ausgaben für selbst genutztes Wohnen und Haushaltsenergie enthalten sind. Ein höheres Gewicht erhielten Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke.

Die Statistiker wählten zudem nun offiziell das Jahr 2020 statt wie zuvor 2015 als Basisjahr. Tatsächlich ist nun aber ein Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2021 die Basis. Grund dafür ist, dass das Jahr 2020 durch die Pandemie geprägt war, die etwa zu einem stark veränderten Konsumverhalten geführt hat. Um diesen „Besonderheiten“ Rechnung zu tragen, wurde nun zu einem Durchschnitt aus drei Jahren gegriffen.

Infolge der Revision lag die Inflationsrate im Jahr 2022 gemäß VPI nun bei 6,9% – also um 1 Prozentpunkt niedriger als auf der alten Basis 2015. „Die hohe Steigerung wird damit durch die Neuberechnung zwar etwas gedämpft, das hohe Niveau wird aber grundsätzlich bestätigt“, erklärten die Statistiker. Nicht nur der Jahresdurchschnitt, sondern auch die einzelnen Monate weisen zwischen Basis 2015 und Basis 2020 Unterschiede auf. Im Jahr 2022 liegen die neu berechneten Ergebnisse durchgehend und teils deutlich niedriger als die bisherigen Ergebnisse (siehe Grafik). Laut den Statistikern sind die Revisionsdifferenzen relativ hoch. Gemäß der Neuberechnung lag die VPI-Teuerung 2022 – anders als auf alter Basis – in keinem Monat oberhalb von 10%.

Die Statistiker wiesen auf einer Pressekonferenz zur Revision aber Fragen zurück, ob mit der Revision die Inflation „kleingerechnet“ worden sei. Die Umstellungen seien auch nicht mit der Politik abgesprochen. Es gehe gerade darum, die Lebenswirklichkeit der Menschen besser abzubilden. „Ziel des VPI ist es, die reine Preisentwicklung abzubilden.“

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