Gaming

Erste Microsoft-Gewerkschaft in den USA vor Gründung

Vor zwei Jahren hatte sich der Software-Gigant den „Fallout“-Spieleentwickler Zenimax Media für 7,5 Mrd. Dollar einverleibt. Nun wollen sich Mitarbeitende in der Qualitätssicherung dort gewerkschaftlich organisieren.

Erste Microsoft-Gewerkschaft in den USA vor Gründung

kro Frankfurt

Im US-Heimatmarkt von Microsoft könnte es schon bald zur Gründung einer ersten formellen Arbeitnehmervertretung innerhalb des Softwarekonzerns kommen. Eine Mehrheit der rund 300 Mitarbeitenden in der Qualitätssicherung von Zenimax Media, einem Videospieleentwickler, den Microsoft im September 2020 für 7,5 Mrd. Dollar gekauft hatte, habe mit der Abstimmung über die Bildung einer Gewerkschaft begonnen, wie die Organisation Zenimax Workers United via Twitter mitteilte. „Wir wissen, dass wir eine einmalige Gelegenheit haben, Wegbereiter für eine neue Ära der Gaming-Industrie zu sein, und wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter“, erklärte die Initiative. Die Abstimmung werde nun über einen Zeitraum von vier Wochen laufen.

Der Schritt bei Zenimax erfolgt ein halbes Jahr nachdem Microsoft mit der Communications Workers of America (CWA), der wichtigsten Gewerkschaftsorganisation für die US-Tech-Industrie, eine Neutralitätsvereinbarung zur Gründung einer Arbeitnehmervertretung geschlossen hatte. Darin hatte der Softwaregigant erklärt, den Mitarbeitern des „Call of Duty“-Videospieleherstellers Activision Blizzard, den Microsoft für rund 69 Mrd. Dollar übernehmen will, nach Abschluss des Deals beim Thema Gewerkschaftsorganisation freie Bahn zu lassen.

Wichtig für Blizzard-Deal

Microsoft hatte sich vor dem Hintergrund zunehmender Gewerkschaftsbestrebungen in den USA zwar auch zuvor schon öffentlichkeitswirksam als gewerkschaftsfreundlich präsentiert − ganz im Gegensatz zu Unternehmen wie Amazon, Starbucks und Apple − und sich zur Einhaltung entsprechender Prinzipien bekannt. Die Vereinbarung mit der CWA war allerdings auch als Versuch gewertet worden, Bedenken von US-Politikern über die Folgen der Übernahme für die Activision-Mitarbeitenden aus dem Weg zu räumen. Bei dem Videospieleentwickler hatten sich Mitarbeitende eines Studios in Wisconsin zuvor bereits einer Gewerkschaft angeschlossen. Erst in der vergangenen Woche gewannen zudem die Mitarbeitenden eines Blizzard-Studios in Albany, New York, die Abstimmung über eine Gewerkschaftsmitgliedschaft. Damit haben sich in den USA laut dem Tech-Portal „The Verge­“ nun insgesamt drei Videospiele-Gewerkschaften formiert.

Spieletester begehren auf

In der wachstumsstarken Branche ist es vor allem die Gruppe der Mitarbeitenden in der Qualitätssicherungs, denen das Thema unter den Nägeln brennt. Ihre Aufgabe ist es, Videospiele vor der Veröffentlichung auf Herz und Nieren zu testen, um möglichst viele Programmierfehler aufzuspüren. Die Arbeitsbedingungen werden jedoch häufig als ausbeuterisch beschrieben. So berichteten Medien wie die „New York Times“ über das sogenannte „Crunch-Ritual“, zu dem es bei den Entwicklerstudios mehrmals im Jahr kommt, wenn die Veröffentlichung eines wichtigen Spiels ansteht. Überstunden seien dann teils über Wochen hinweg an der Tagesordnung. Auch die Gehälter seien im Vergleich zu anderen Softwarebranchen niedrig. Aus Sicht der Betroffenen liegt das auch daran, dass in den Unternehmen noch immer die Denkweise herrscht, dass es sich beim Testen von Spielen eher um ein nettes Hobby denn um einen richtigen Job handelt. „In der Spieleentwicklung werden Qualitätssicherer durchgehend am unteren Ende der Hierarchieebenen verortet und teilweise gar nicht als Spieleentwickler erachtet“, zitiert das Portal „Tech Crunch“ einen in dem Bereich tätigen Mitarbeiter des US-Studios ID Software.

Bei Zenimax habe sich Microsoft bislang jedenfalls an sein Neutralitätsgebot gehalten. Anders als bei Starbucks, Amazon oder Apple habe der Softwareriese auch darauf verzichtet, den Mitarbeitenden ihre Gewerkschaftsambitionen auszureden. Dass seit Ende November eine Klage der US-Kartellbehörde FTC gegen die Activision-Übernahme im Raum steht, dürfte hierzu möglicherweise beigetragen haben. In Europa haben die Behörden ebenfalls eine umfassende Untersuchung des Deals eingeleitet und vor Wettbewerbsbeschränkungen gewarnt.

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