Euro-Konjunktur

Februar bringt bessere Laune

Einkaufsmanager und Börsen­profis trauen der Wirtschaft in Deutschland, Frankreich und dem gesamten Euroraum im Februar wieder einiges zu. Die unerwartet kräftig gestiegenen Stimmungsbarometer sind erneut gute Argumente für die Europäische Zentralbank, an ihrem Straffungskurs festzuhalten.

Februar bringt bessere Laune

ba/ms Frankfurt

Der Februar bringt einen deutlich optimistischeren Blick auf die Konjunktur in Deutschland und im Euroraum mit sich – und zwar sowohl in den Unternehmen als auch bei Finanzmarktexperten. Ursächlich dürften die ausgebliebene Gasmangellage, abnehmende Lieferkettenprobleme und der abnehmende Preisdruck sein. Dass der Einkaufsmanagerindex und das ZEW-Konjunkturbarometer stärker als erwartet zugelegt haben, stützt Ökonomen in ihrer Einschätzung, dass die Wirtschaft widerstandsfähiger ist als erwartet, wenngleich das Wachstum im Euroraum und in dessen größter Volkswirtschaft im Gesamtjahr unterdurchschnittlich ausfallen dürfte.

Sorgen um Industrie

Der Industrie und Dienstleister zusammenfassende Einkaufsmanagerindex (PMI) Composite kletterte laut vorläufigen Daten von S&P Global um 2,0 auf 52,3 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit neun Monaten. Ökonomen hatten nur einen Stand von 51,0 Zählern prognostiziert. Werte oberhalb der neutralen 50-Punkte-Marke signalisieren Wachstum. Für Chris Williamson, Chefvolkswirt bei S&P Global, steht der PMI Composite „weitgehend im Einklang mit der vierteljährlichen Wachstumsrate von knapp 0,3%“.

Schwunggeber waren im Februar erneut die Dienstleister. Hier kletterte das Barometer um 2,2 auf 53,0 Punkte. Einen kräftigeren Anstieg gab es zuletzt im Juni 2022. Die Industrie hingegen profitierte zwar „auch von der stark verbesserten Versorgungslage“, der Teilindex gab jedoch um 0,3 auf 48,5 Zähler nach.

Ökonomen bereitet vor allem die Industrie Sorgen: Ihr falle es immer schwerer, „der schwächeren globalen Nachfrage und der durch die Euro-Aufwertung verschlechterten preislichen Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt zu trotzen“, sagt Christoph Weil von der Commerzbank. Ein Abschwung in diesem Sektor hinterlasse mit zeitlicher Verzögerung gewöhnlich auch in anderen Bereichen der Wirtschaft Bremsspuren.

Auf Länderebene kehrten laut S&P Global Frankreich und Deutschland erstmals seit Oktober beziehungsweise Juni 2022 wieder auf den Wachstumspfad zurück. Der französische PMI Composite legte 2,5 auf 51,6 Punkte zu, während der Gesamtindex für Deutschland um 1,2 auf 51,1 Zähler stieg. Taktgeber waren auch da jeweils die Dienstleister, während die Industrieindizes nachgaben. Am stärksten aufwärts ging es im Februar allerdings in den übrigen von der Umfrage erfassten Ländern.

Unter den vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Finanzmarktexperten fiel insbesondere der Blick auf die aktuelle Lage optimistischer aus, aber auch die Zuversicht für die weitere konjunkturelle Entwicklung legte deutlich zu. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für die deutsche Wirtschaft kletterten im Februar um 11,2 auf 28,1 Punkte. Laut den Mannheimer Wirtschaftsforschern ist dies der fünfte Anstieg in Folge und der zweite Monat „mit einem inzwischen deutlich positiven Wert“. ZEW-Präsident Achim Wambach mahnte aber auch, dass die gegenwärtige Situation „nach wie vor als relativ schlecht eingeschätzt“ werde. Das Lagebarometer legte um 13,5 auf −45,1 Punkte zu. Beide Werte übertrafen die Erwartungen, die bei 23,0 und −50,5 Punkten gelegen hatten. Wie schon im Vormonat hätten „die verbesserten Ertragseinschätzungen der energie- und exportorientierten Branchen sowie der konsumnahen Wirtschaftsbereiche“ für einen Anstieg gesorgt, erklärte Wambach. Der Branchenindikator für Banken kletterte gar auf den höchsten Wert seit dem Jahr 2004. Die Ergebnisse der Umfrage unter 171 Analysten und institutionellen Anleger für die Eurozone fielen ähnlich aus: Der Erwartungsindikator legte um 13,0 auf 29,7 Punkte zu während das Lagebarometer um 13,2 auf −41,6 Zähler zulegte. Die Inflationserwartungen für das Eurogebiet blieben konstant.

Damit zeugen die gestern veröffentlichten Umfrageergebnisse von einem trotz leichter Entspannungstendenzen immer noch sehr hohem Preisdruck. In Verbindung mit der stabileren Konjunktur dürfte dies den EZB-Rat darin bestärken, seinen Straffungskurs vorerst beizubehalten.

Zu Wochenbeginn hatte sich EZB-Ratsmitglied Olli Rehn im Interview der Börsen-Zeitung zuversichtlicher zum Ausblick für die Euro-Wirtschaft geäußert (vgl. BZ vom 21. Februar). Eine Rezession werde wohl vermieden, und das Wachstum könne 2023 mit rund 1,0% höher ausfallen als noch in den EZB-Projektionen im Dezember gedacht (0,5%). Vor dem Hintergrund und der weiter „übermäßig hohen“ Inflation schienen weitere Zinserhöhungen auch über den März hinaus „wahrscheinlich, logisch und angemessen“.

Tatsächlich revidieren derzeit viele Finanzmarktteilnehmer und Ökonomen ihre Zinsprognosen. An den Märkten wird nun davon ausgegangen, dass der Einlagensatz bis Ende des Sommers von derzeit 2,5% auf rund 3,7% steigen wird. Die Investmentbank Goldman Sachs schraubte ihre Erwartung am Dienstag hoch – von zuvor noch zwei Zinsschritten auf 3,25% auf drei Schritte auf 3,5%.

Wertberichtigt Seite 2

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