Energiekonzern

Startschuss für den Steag-Verkauf fällt

Der Energiekonzern Steag hat sich in einen „schwarzen“ und einen „grünen“ Teil aufgespalten. Jetzt fällt der Startschuss für den Verkauf an einen Investor. Bald werden Informationspakete an potenzielle Käufer versendet.

Startschuss für den Steag-Verkauf fällt

cru Frankfurt

Der Verkauf des Essener Energiekonzerns Steag geht in die heiße Phase und soll in diesem Jahr abgeschlossen werden. Das hat die Geschäftsführung der Steag-Holdinggesellschaft KSBG angekündigt, die den Stadtwerken sechs großer Ruhrgebietskommunen gehört. Für den Verkaufsprozess, der jetzt mit der Einholung von Interessensbekundungen beginnt, wurden die Investmentbank Morgan Stanley und die Kanzlei Gleiss Lutz engagiert.

Ein neuer Eigentümer könne den „grünen Umbau“ der Steag „schneller vorantreiben“, meint Guntram Pehlke, Vorstandsvorsitzender des Steag-Haupteigentümers Dortmunder Stadtwerke AG DSW21. Das bestätigten auch der Eigentümervertreter Dietmar Spohn, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Bochum Holding GmbH. Seitens der KSBG, die 100% an der Steag hält, erklärten Carsten Schröder, Vorsitzender der Geschäftsführung der KSBG, und Ralf Schmitz, Mitglied der Geschäftsführung, dass der Verkaufsprozess durch die KSBG gesteuert werde.

Zur angestrebten Bewertung können man jetzt noch nichts sagen, betonte Schmitz. Derzeit werde die Due Diligence vorbereitet, so dass ein potenzieller Käufer die Bücher prüfen kann. Noch im März soll ein Informationsmemorandum an Investoren gehen, die dann zunächst unverbindliche Offerten unterbreiten können. Nach Möglichkeit soll die Steag als Ganzes verkauft werden.

Zuletzt hoch profitabel

Die Explosion der Strompreise in der Folge des Ukraine-Kriegs hat der Steag geholfen. In der ersten Hälfte des Jahres 2022 machte das Unternehmen nach Steuern – und nach einer langen Durststrecke – 320 Mill. Euro Gewinn. Auf Ebene der KSBG liegen die Bankverbindlichkeiten den Angaben der Eigentümer zufolge bei 320 Mill. Euro. Die Steag selbst hat 303 Mill. Euro Nettoschulden.

Laut KSBG gibt es unter den Kaufinteressenten nicht nur strategische Investoren, sondern auch „eine Vielzahl“ von Interessenten aus dem Private-Equity-Bereich. Ein Käufer, der auf Zerschlagung setze, werde sich aller Voraussicht nach nicht im Bieterprozess durchsetzen. Für eine gute Bewertung müsse sich ein Käufer auch sicher sein können, dass er nicht durch gesetzliche Regelungen „enteignet“ werde. Gemeint ist damit der beschleunigte Ausstieg aus der Kohleverstromung.

Laut Finanzkreisen wären die Kohlekraftwerke der Steag vor allem für den EPH-Konzern, der in Ostdeutschland bereits Braunkohlekraftwerke besitzt, interessant. Denkbar wäre auch eine Übernahme durch die RAG-Stiftung oder durch Uniper.

Der Steag-Konzern mit seinen rund 5700 Beschäftigten hat bereits zum Jahresbeginn die rechtliche und operative Separation des Konzerns in einen „schwarzen“ Kohlegeschäftsbereich Steag Power GmbH mit 1700 Beschäftigten und einen „grünen“ Bereich mit 3000 Beschäftigten vollzogen. Hinzu kommt ein Kraftwerksdienstleistungsgeschäft in Indien mit rund 1000 Beschäftigten. Die Ge­schäftsbereiche, die für die Erzeugung erneuerbarer Energien und damit zusammenhängende Dienstleistungen stehen, wurden unter der Iqony GmbH zusammengeführt und bilden damit einen eigenen „grünen“ Teilkonzern, der durch die neue Marke Iqony repräsentiert wird.

Zwei Töchter, eine Mutter

Sowohl die Steag Power GmbH als auch die Iqony GmbH sind 100-prozentige Tochtergesellschaften der Steag GmbH. Die Steag GmbH ist wiederum eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Kommunalen Be­teiligungsgesellschaft GmbH & Co. KG (KSBG), in der insgesamt sechs Stadtwerke aus Nordrhein-Westfalen – darunter Dortmund mit 36% der Anteile als größter Anteilseigner – ihre Anteile gebündelt haben.

Die Transformation der Steag wurde mit den beteiligten Finanzierern im Rahmen einer Änderung der Sanierungsvereinbarung im Jahr 2022 vereinbart. Dadurch wird die Einhaltung von ESG-Kriterien sichergestellt und ein klarer CO2-Ausstiegspfad durch die absehbare Beendigung der Kohleverstromung aufgezeigt.

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