Automobilindustrie

VW baut Batteriefabrik in Kanada

Der Konzern trifft eine Entscheidung für die erste Gigafabrik außerhalb Europas. Auch für Mercedes-Benz und BMW ist eine lokale Produktion wichtig.

VW baut Batteriefabrik in Kanada

jh München

Der Volkswagen-Konzern will seine erste Gigafabrik für Batteriezellen außerhalb Europas in Kanada bauen. Die Entscheidung der Tochterfirma Power Co über den Standort sei auf Kanada gefallen. In St. Thomas in der Provinz Ontario sollen von 2027 an sogenannte nachhaltige Einheitszellen hergestellt werden. Das Vorhaben bezeichnet VW als „weiteren Beleg für die ambitionierte Wachstumsstrategie des Konzerns in Nordamerika“. Das Investitionsvolumen und die Produktionskapazität nannte das Unternehmen noch nicht.

Nach den Werken in Salzgitter (im Bau) und der Standortentscheidung für Valencia, jeweils mit Partnern, wird es die dritte Gigafabrik von Volkswagen sein. Zudem ist der Konzern am schwedischen Partner Northvolt, der in Schweden ein Werk errichtet, mit rund 20 % beteiligt.

Die Fabrik in Kanada sei Teil des im August 2022 mit der kanadischen Regierung abgestimmten größeren Plans, teilt VW mit. In der damals unterzeichneten Absichtserklärung geht es, wie berichtet, vor allem um die Sicherheit der Versorgung mit Rohstoffen für die Elektromobilität. Das biete Kanada ebenso wie den Zugang zu Strom aus erneuerbaren Energiequellen, heißt es nun.

„Power Co ist auf dem Weg zu einem Global Player im Batteriegeschäft“, sagte Thomas Schmall, der Technikvorstand von Volkswagen. „Volkswagen verfügt über die richtige Strategie, Produkte und Größe , um eine starke Position im nordamerikanischen Markt aufzubauen“, fügte Finanzvorstand Arno Antlitz hinzu. Der Autohersteller verweist auf seinen Plan, in den Vereinigten Staaten bis 2030 mehr als 25 neue rein batterieelektrische Fahrzeugmodelle (BEV) auf den Markt zu bringen. Zudem gab Volkswagen am Montag bekannt, batteriebetriebene Pick-ups und SUVs der wiederbelebten Marke Scout im Werk in South Carolina zu produzieren.

Warten auf den Green Deal

Volkswagen betonte in diesen Tagen, weiterhin Standorte für Zellfabriken in Osteuropa und Nordamerika zu suchen. Ungeachtet der besonderen Förderung in den USA mit dem Inflation Reduction Act (IRA) halte man an dem Plan fest, in Europa bis 2030 eine Kapazität für Batterien mit rund 240 Gigawattstunden im Jahr aufzubauen. Dafür würden allerdings wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen benötigt, hebt VW in einer Stellungnahme hervor. Erwähnt werden besonders die Energiepreise. „Aktuell warten wir deshalb auf den EU Green Deal.“ Wegen des Freihandelsabkommens mit Kanada gilt der IRA auch im Nachbarland der USA.

Von Mercedes-Benz heißt es auf Anfrage, Subventionen seien ein Faktor von vielen für Standortentscheidungen. Das Unternehmen verfolge schon seit langem einen „Local-for-Local-Ansatz“: „Wir wollen in der Nähe von unserer Produktion einkaufen.“ Im Fall des Werks in Alabama prüfe Mercedes-Benz die Auswirkungen des IRA auf die Lieferanten und die eigene Fahrzeugproduktion. Auch für Batteriezellen verfolgen sowohl Mercedes-Benz als auch BMW einen lokalen Ansatz. Mercedes-Benz unterhält Partnerschaften für Batterien in Europa, den USA und China. Dazu zählen ACC, Envision AESC und CATL. „Indem wir Batteriezellen von verschiedenen Partnern auf dem Weltmarkt kaufen, erhalten wir Zugang zu den neuesten Technologien“, heißt es.

Envision AESC ist auch ein Partner von BMW, der in North Carolina eine Fertigung für Batteriezellen aufbaut. Die Strategie habe sich bewährt, keine eigene Großserienproduktion für Batteriezellen aufzubauen.

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