Australische Zentralbank nimmt sich mehr Zeit
Australische Zentralbank
nimmt sich mehr Zeit
Währungshüter wollen Wirkung der Straffung analysieren
ms Frankfurt
Die australische Zentralbank hat trotz weiter hohen Inflationsdrucks ihre Leitzinsen unverändert gelassen, um die Auswirkungen ihres mehr als einjährigen Straffungszyklus auf die Wirtschaft und die Inflation besser abzuschätzen. Sie ließ die Tür für weitere Zinserhöhungen aber offen, und an den Märkten wird das aktuell auch eingepreist.
Weltweit müssen die Zentralbanken aktuell genau abwägen, wie es weitergeht. Vielerorts sind die Leitzinsen in den vergangenen Monaten so stark erhöht worden wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der weitere Kurs ist aber unsicher und teilweise umstritten: Einerseits ist die Inflation vielerorts immer noch zu hoch, andererseits schwächt sich die Wirtschaft deutlich ab. Auch rund um die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) nehmen Warnungen zu, dass sie überziehen und die Wirtschaft unnötig stark abwürgen könnten.
Die australische Zentralbank beließ ihren Leitzins nun bei 4,1 %. Das hatten etwa 60% der von Bloomberg befragten Ökonomen so vorhergesagt. Die Entscheidung werde dem Vorstand mehr Zeit geben, über die Wirtschaftslage sowie die Aussichten und die damit verbundenen Risiken nachzudenken, erklärte die Reserve Bank of Australia. Sie hat ihren Leitzins im aktuellen Zyklus nun um 400 Basispunkte angehoben. Während die Güterpreisinflation und der Konsum der privaten Haushalte Anzeichen einer Abschwächung zeigen, liegen die Kernpreise weiterhin über 6% und damit deutlich über dem Ziel der Bank von 2–3 %.
Notenbankchef Philip Lowe bekräftigte in seiner Erklärung, dass möglicherweise weitere Straffungen erforderlich sein könnten. Die Geldmärkte sehen nun eine Wahrscheinlichkeit von 70% für zwei weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr – nachdem sie Ende vergangenen Monats vollständig eingepreist waren. Beobachter bezeichneten die jetzige Entscheidung als ein „falkenhaftes Zurückhalten“. Die australische Zentralbank hatte bereits im April eine Zinserhöhungspause eingelegt, ehe sie dann im Mai und Juni den Satz erneut anhob.