Notenbanken

Bank of Japan justiert einen Eckpfeiler der Geldpolitik

Die Bank of Japan will unter Leitung ihres neuen Gouverneurs Kazuo Ueda neuerdings einen Anstieg der langfristigen Zinssätze zulassen, bestreitet jedoch, dass sie ihre Lockerungspolitik aufgibt.

Bank of Japan justiert einen Eckpfeiler der Geldpolitik

Bank of Japan justiert Pfeiler der Geldpolitik

Politik der Steuerung der Renditekurve wird jedoch nicht aufgegeben

Die Bank of Japan (BoJ) hat überraschend ihre Kontrolle über den Staatsanleihemarkt gelockert und damit einen Eckpfeiler ihrer ultralockeren Geldpolitik geändert. Darauf kletterte die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe (JGB) auf den höchsten Stand seit 2014. Sie werde künftig anbieten,10-jährige JGBs zu 1% bei Festzinsgeschäften zu kaufen, doppelt so viel wie vorher. Allerdings würde sie „technisch gesehen“ ihre frühere Obergrenze von 0,5% beibehalten. Das alte Niveau sei nun eher eine „Referenz“ als eine „starre Grenze”.

„Die Aufrechterhaltung des Inflationsziels von 2% bei gleichzeitigen Lohnerhöhungen ist noch lange nicht erreicht“, sagte der seit April amtierende Gouverneur Kazuo Ueda. „Es ist wichtig, die geldpolitische Lockerung zusammen mit der Steuerung der Renditekurve geduldig fortzusetzen.“ Die Einführung einer „größeren Flexibilität“ bei dieser Politik sei eine „präventive“ Maßnahme gegen Inflationsrisiken und verbessere die Nachhaltigkeit der Renditesteuerung.

„Wir gehen nicht davon aus, dass die langfristige Rendite jetzt 1% erreichen wird, aber wir haben sie vorsichtshalber gedeckelt“, fügte Ueda hinzu. „Der Anleihemarkt ist jetzt stabil. Dies ist ein guter Zeitpunkt, um unseren politischen Rahmen zu optimieren.“

Inflationsprognose korrigiert

Ansonsten unternahm die japanische Notenbank keine Straffungsschritte, obwohl die Inflationsrate nun seit rund einem Jahr über dem eigenen Zielwert von 2% liegt. „Wir haben den Spielraum erweitert, um Aufwärtsrisiken anzugehen, aber wir können auch die Abwärtsrisiken nicht ignorieren”, erläuterte Ueda. Japans Gesamtinflation übertraf mit 3,3% im Juni zum ersten Mal seit acht Jahren den Preisanstieg in den USA. Zudem stellte die Notenbank fest, dass „Anzeichen für Veränderungen im Lohn- und Preissetzungsverhalten der Unternehmen zu erkennen sind”. Dennoch beließ die BoJ ihren Tagesgeldsatz bei minus 0,1% und erklärte, es brauche mehr Zeit, um ihr Ziel von 2% nachhaltig zu erreichen. Gleichzeitig hob sie ihre Inflationsprognose für 2023 um 0,7 Punkte auf 2,5% an und warnte vor Aufwärtsrisiken für ihre Vorhersage von 1,9% für 2024.

Die Finanzmärkte reagierten verwirrt auf die unerwartete Justierung durch die BoJ. Die 10-jährige JGB-Rendite stieg vorübergehend auf bis zu 0,575% und damit auf den höchsten Stand seit fast neun Jahren. Der Yen fiel kurzzeitig um bis zu 1% zum Dollar und erholte sich dann wieder. Die Aktienindizes Nikkei und Topix gaben zunächst kräftig nach, schlossen dann aber mit einem Minus von nur 0,4% bzw. 0,2%.

Kritische Analysten

Nach Ansicht von Naohiko Baba, Japan-Chefvolkswirt von Goldman Sachs, kommt die Justierung „effektiv einer Zinserhöhung gleich“. Ayako Fujita, Chefvolkswirtin bei J.P. Morgan Japan, sprach von einer „komplizierten Methode“, um Zeit für eine Politikänderung zu gewinnen. Nord/LB-Analyst Tobias Basse nannte den Schritt Uedas „ersten geldpolitischen Streich“. „Die erlaubte Schwankungsbreite der Rendite wird von einer Ankerkette zu einem Gummiband“, schrieb Basse. Dies spreche für höhere Kapitalmarktrenditen und sei stützend für den Yen. Laut Commerzbank-Analystin Esther Reichelt spielt die BoJ ein „gefährliches Spiel“ mit „halbgaren“ Maßnahmen. Es wäre langfristig ein „desaströses Signal“ für den Yen, wenn ein tatsächliches Ende der Zinskurvenkontrolle mit Blick auf die hohe Staatsverschuldung unabhängig von der Entwicklung der Inflation gar nicht gewünscht oder angestrebt werde, so Reichelt.

mf Tokio
Kommentar Seite 2
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