Negativer Ausblick bei Moody’s

Chinas Ratingnote gerät in Gefahr

Wachsende Verschuldungsprobleme und gedämpfte Wachstumsaussichten veranlassen die Ratingagentur Moody’s, den Ausblick für Chinas Kreditwürdigkeit von "stabil" auf "negativ" zu senken. Damit droht eine Abstufung der Bonitätsnote. In Peking zeigt man sich „enttäuscht“ über die „unnötige Maßnahme“.

Chinas Ratingnote gerät in Gefahr

Chinas Ratingnote in Gefahr

Moody’s senkt Ausblick auf „negativ“ – Verschuldungsrisiken am Pranger – Peking entrüstet

nh Schanghai

Wachsende Verschuldungsprobleme und gedämpfte Wachstumsaussichten veranlassen die Ratingagentur Moody’s, den Ausblick für Chinas Kreditwürdigkeit von "stabil" auf "negativ" zu senken. Damit droht eine Abstufung der Bonitätsnote. In Peking zeigt man sich „enttäuscht“ über die „unnötige Maßnahme“.

Die Ratingagentur Moody’s nimmt Chinas ausufernde Verschuldung auf Lokalregierungsebene und wachsende Immobilienmarktprobleme zum Anlass, den Ausblick für das Rating chinesischer Staatsanleihen von "stabil" auf "negativ" zu senken. Mit der negativen Einschätzung droht China erstmals seit sechs Jahren wieder eine Bonitätsabstufung. Damals 2017 war die Ratingnote von "Aa3" auf "A1" gesenkt worden und wurde dann mit durchgehend stabilem Ausblick beibehalten.

Erhöhte Risiken

Moody’s begründet die negative Einschätzung in erster Linie mit der zunehmend wackligen Verschuldungssituation von zahlreichen chinesischen Lokalregierungen, aber auch Staatsfirmen, aus denen wachsender finanzieller Beistand seitens der Zentralregierung erfolgen muss. In Verbindung mit einer fragilen Konjunktursituation und den aus einer Verschuldungskrise großer Bauträger erwachsenen Problemen am Immobilienmarkt spricht Moody’s von erhöhten Risiken für Chinas fiskalische, wirtschaftliche institutionelle Stärke. Der negative Ausblick reflektiere auch die strukturell bedingte Dämpfung des Wirtschaftswachstums in den kommenden Jahren.

In einer Replik des Pekinger Finanzministeriums vom Dienstag heißt es, man sei „enttäuscht“ von der Entscheidung. Die heimische Wirtschaft befinde sich in einem anhaltenden Erholungsprozess und auf einem positiven Trend. Die Risiken auf Ebene der Lokalregierungsverschuldung wie auch im Immobiliensektor seien kontrollierbar. „Moody’s Bedenken zu Chinas Wachstumsperspektiven, fiskalischer Nachhaltigkeit und anderen Aspekten sind unnötig“, so das Ministerium.

Schwache Wachstumsprognose

Die Verärgerung in Peking dürfte sich auch an der Wachstumsprognose der Ratingagentur festmachen, die eine für chinesische Verhältnisse magere Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von jeweils 4% für die Jahre 2024 und 2025 in Aussicht stellt. Demgegenüber hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) jüngst seine Prognose für 2024 von 4,2 auf 4,6% angehoben und dabei vor allem auf neue Stimulierungsmaßnahmen der Regierung abgestellt. Dazu gehören fiskalische Impulse, die von einer außerplanmäßigen Begebung von Regierungsanleihen im Volumen von 1 Bill. Yuan (130 Mrd. Euro) unterfüttert werden.

Die Mittel sollen in erster Linie der Finanzierung von Infrastrukturprojekten auf Lokalregierungsebene zugutekommen und damit auch dortige Budgetnöte angehen. Zahlreiche bereits hochverschuldete Gebietskörperschaften wurden von den immensen Kosten für die Durchsetzung ausufernder Pandemiekontrollmaßnahmen im Rahmen der Null-Covid-Politik überfordert.

Auf Ebene der Zentralregierung führt der fiskalische Impuls zur Wachstumsanregung mit verstärktem Beistand für die Kommunalebene zu einer untypischen Ausweitung des Budgetdefizitziels. Für 2023 zeichnet sich ein Defizit im Verhältnis zum BIP von 3,8% ab, die höchste Quote seit 15 Jahren. In den letzten Jahren war man nur einmal nach dem Pandemieausbruch 2020 über die traditionell anvisierte Marke von 3% hinausgegangen.

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