Konjunktur

Chinas Verbraucherpreise sind zurück auf der Kriechspur

Chinas Konsumpreisindex ist entgegen den Erwartungen im März praktisch auf der Stelle getreten. Bei anhaltend rückläufigen Erzeugerpreisen stellt sich die Frage, wie die von Peking erwünschte Reflation der Wirtschaft gelingen kann.

Chinas Verbraucherpreise sind zurück auf der Kriechspur

Chinas Verbraucherpreise sind zurück auf der Kriechspur

Konsumpreisindex steigt nur um 0,1 Prozent – Industrielle Überkapazität behindert Reflation der Wirtschaft

nh Schanghai

Chinas neue Preisdaten für den Monat März geben wenig Anlass zur Hoffnung, dass Chinas Binnennachfrage und Konsumkonjunktur Belebungstendenzen zeigen. Am Donnerstag wies das Pekinger Statistikbüro einen winzigen Anstieg der Verbraucherpreise um 0,1% gegenüber dem Vorjahresmonat aus. Der Erzeugerpreisindex wiederum steckt mit einem Rückgang um 2,8% im März nach −2,7% im Februar kaum verändert im Deflationsterritorium fest.

Februar als Strohfeuer

Der magere Konsumpreisanstieg gilt als Enttäuschung, nachdem die Analysten im Mittel einen Zuwachs um 0,4% prognostiziert hatten. Zuvor im Februar hatte man ein als ermutigend gewertetes Anziehen der Verbraucherpreise um 0,7% gesehen. Hier scheinen in erster Linie saisonale Effekte im Zusammenhang mit dem diesmal im Februar begangenen chinesischen Neujahrsfest eine Rolle gespielt zu haben. Im direkten Monatsvergleich glitt der Konsumpreisindex von Februar auf März um 1% ab. Erwartet worden war hier nur ein Rückgang um 0,5%.

Deflationssorgen

Chinas Verbraucherpreise waren im Sommer 2023 erstmals seit Jahren wieder unter die Nulllinie gegangen und über fünf Monate hinweg im Deflationsterritorium gestanden. Im Januar sah man mit einem Minus von 0,8% gegenüber Vorjahresmonat sogar die kräftigste Abwärtsbewegung seit 14 Jahren. Daraus waren Sorgen erwachsen, dass die chinesische Wirtschaft in eine länger anhaltende Deflationsspirale mit sukzessivem Abwärtsdruck bei Preisen und Löhnen und manifester Konsumzurückhaltung geraten könnte.

Lethargischer Trend

Das Gros der China-Ökonomen rechnet nicht damit, dass Chinas Verbraucherpreise in diesem Jahr nochmals deutlich unter die Nullmarke gehen werden. Sie gehen jedoch auch in mittlerer Frist von einem eher lethargischen Preistrend mit jährlichen Inflationsraten von 1% oder weniger aus. Damit gibt es wenig Chancen, wieder auf Tuchfühlung mit dem offiziellen Inflationsziel der Regierung bei 3% jährlich zu gehen.

Einerseits dürfte ein Abzugsfaktor, nämlich der Niedergang der mit hohem Gewicht in die Indexberechnung eingehenden Schweinefleischpreise, langsam an Schärfe zu verlieren. Andererseits sieht man jedoch einen verschärften Preiskampf bei Industrie- und Haushaltsgütern, darunter nicht zuletzt Elektroautos, der einer nachhaltigeren Reflation der Wirtschaft widerspricht.

Überkapazität mit Folgen

Dabei dürfte auch das Reizthema wachsender Überkapazitäten in einigen Industriesektoren eine Rolle spielen. Der vom chinesischen Staat geförderte Investitionsschub zum Ausbau von Produktionskapazitäten in Bereichen wie Elektromobilität, Umwelttechnik, aber auch in der Schwerindustrie drohe einen anhaltenden Druck auf die seit mittlerweile 18 Monaten rückläufigen Erzeugerpreise zu zeitigen, betonen Analysten.

Kerninflation im Plus

Beim Blick auf Einzelkomponenten sieht man einen Rückgang der Lebensmittelpreise um 1,4%, dem eine Verteuerung etwa bei Textilwaren, Tourismus und Erziehung gegenübersteht. Die um volatile Lebensmittel- und Energiepreise bereinigte Kerninflationsrate stieg diesmal um 0,6% gegenüber Vorjahresmonat und lag damit etwas höher als in der zweiten Jahreshälfte 2023. Sie war im Februar aber noch um 1,2% geklettert.

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