Deutsche Konjunktur im Abwärtssog
dh Frankfurt – Der deutschen Wirtschaft steht eines der schwächsten Jahre seit der Finanzkrise bevor, sie steht laut Forschern an der Schwelle zu einer Rezession. “Im dritten Quartal wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wohl noch einmal zurückgehen”, sagten die Experten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) am Mittwoch voraus. Sie erwarten ein Minus von 0,3 %. “Damit erfüllt Deutschland zwar formal die Definition einer ,technischen Rezession’, eine gesamtwirtschaftliche Unterauslastung der Kapazitäten ist damit aber noch nicht verbunden. Erst in einem solchen Fall könnte auch von einer Rezession im Sinne einer Konjunkturphase gesprochen werden”, sagte Stefan Kooths, Leiter des IfW-Prognosezentrums.Auch nach Ansicht des Essener Forschungsinstituts RWI mehren sich die Anzeichen, dass die derzeitige Schwächephase anhält und die Konjunktur in einen Abschwung gerät. Man rechne für das dritte Quartal mit einer sich um 0,1 % verringernden Wirtschaftsleistung in Deutschland, erklärte der stellvertretende RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt.Für das Gesamtjahr 2019 senkte das RWI seine Prognose auf 0,4 % Wachstum, nachdem im Juni noch 0,8 % vorausgesagt worden waren. Die RWI-Prognose beruht auf der Annahme, dass Großbritannien mit einem Austrittsvertrag aus der EU ausscheidet. “Ein ,harter Brexit` Ende Oktober hätte wohl deutlich gravierendere gesamtwirtschaftliche Effekte”, sagte Schmidt. Erholung im kommenden JahrIn der von den Essener Wissenschaftlern am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturprognose warnen sie vor einem Ende der seit einem Jahrzehnt ununterbrochenen Wachstumsperiode. “Es mehren sich die Anzeichen, dass die Schwächephase anhält und die Konjunktur in Deutschland in einen Abschwung übergeht”, schreiben die Forscher. Insbesondere halte der Rückgang der Produktion im verarbeitenden Gewerbe und hier insbesondere in der Automobilindustrie an. Dagegen zeigten sich Bautätigkeit und privater Konsum robust.Für 2020 erwartet Schmidt, dass sich die Wirtschaft etwas erholt und das BIP um 0,9 % zulegt. 2021 sehe man dann voraussichtlich einen Anstieg des Wirtschaftswachstums auf 1,3 %. Die IfW-Volkswirte sehen dies ähnlich. Für nächstes Jahr prognostizieren sie ein Plus von 1,0 %.”Derzeit spricht mehr dafür, dass sich die Konjunktur in Deutschland im kommenden Jahr fängt”, betonten die Ökonomen vom IfW. Allerdings dürfte die von den internationalen Zollkonflikten ausgehende Unsicherheit die Produktion hierzulande in besonderem Maße belasten: “Vor diesem Hintergrund werden die Exporte wohl nur allmählich wieder etwas Fahrt aufnehmen.”Zudem mache sich die schwächere Konjunktur zusehends am Arbeitsmarkt bemerkbar. “So wird die Zahl der Arbeitslosen wohl vorerst weiter zunehmen.” Ferner werde die Erwerbstätigkeit im kommenden Jahr erstmals seit der Rezession 2009 schrumpfen.