NOTIERT IN BERLIN

Die Frauen als Verlierer im Superwahljahr

Sind 5,2 Prozentpunkte "maßgeblich"? Kein Zweifel, die FDP wäre froh, garantieren 5,2 % doch den Einzug in den Bundestag. Doch abgesehen von solch existenziellen Sondersituationen spielen gut 5 % eher in der Zwergenliga denn im numerischen Oberhaus....

Die Frauen als Verlierer im Superwahljahr

Sind 5,2 Prozentpunkte “maßgeblich”? Kein Zweifel, die FDP wäre froh, garantieren 5,2 % doch den Einzug in den Bundestag. Doch abgesehen von solch existenziellen Sondersituationen spielen gut 5 % eher in der Zwergenliga denn im numerischen Oberhaus. Entsprechend bitter beurteilt FidAR, die Initiative “Frauen in die Aufsichtsräte”, die Fortschritte beim Women- on-Board-Index am Ende der Legislaturperiode und des “Superwahljahrs”. Ganze 11,7 % aller Vorstands- und Aufsichtsratsposten in den 160 Unternehmen in Dax, MDax, SDax und TecDax werden aktuell von Frauen besetzt, 5,2 Prozentpunkte mehr als Anfang 2011. “Die Dreijahresbilanz ist ernüchternd”, klagt FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow – zumal der Frauenanteil in den Dax-Vorständen zuletzt sogar zurückging.Nach Daten der Organisation sind derzeit nicht einmal mehr 7 % der Vorstandsposten in den 30 Dax-Konzernen mit Frauen besetzt, nach 7,7 % zu Jahresbeginn. “Das ist ein Alarmsignal. Die Wirtschaft kann sich keine weiteren Rückschritte bei der Diversity erlauben.” *Ernüchternd ist diese Entwicklung auch deshalb, weil noch vor Jahresfrist ein Durchbruch im Jahr 2013 angekündigt worden war. Im “Superwahljahr” standen mit nahezu 80 Neubesetzungen rund ein Drittel der Aufsichtsratsposten der Kapitalseite in den Dax-Unternehmen zur Wahl. Davon gehen maßgebliche Teile an Frauen, versprach die Wirtschaft, um eine aus Berlin drohende Quote zu verhindern. Steht doch im Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Regierung, der Anteil von Frauen in Führungspositionen solle “maßgeblich” erhöht werden. Doch statt Fortschritt ist in einigen Bereichen Rückschritt angesagt: Wurde 2012 noch jeder fünfte vakante Aufsichtsratsposten mit einer Frau besetzt, waren es in der diesjährigen Hauptversammlungssaison mit 15,5 % der neu zu wählenden Kontrolleurspositionen ein Viertel weniger. “Das Superwahljahr ist nahezu wirkungslos verpufft”, kritisiert denn auch Schulz-Strelow. *Immerhin gibt es Fortschritte – wenn auch nur im Schneckentempo. Saß Anfang 2011 noch in 74 der 160 Index-Unternehmen keine einzige Frau in Vorstand oder Aufsichtsrat, sind nun “nur” noch 31 Firmen frauenfrei. Werden die Vertreterinnen der Arbeitnehmer ausgeklammert, sind bis heute mit 45 Gesellschaften mehr als ein Viertel aller Dax-, MDax-, SDax- und TecDax-Unternehmen ohne Frauen in ihren Führungsgremien. Summa summarum wird inzwischen jedes sechste Aufsichtsratsmandat durch eine Frau wahrgenommen – wobei Arbeitnehmervertreterinnen häufiger sind als Frauen auf der Anteilseignerseite. Präsenz bedeutet jedoch nicht unbedingt Einfluss. Vielmehr sind Frauen nach der FidAR-Untersuchung in den wichtigen Prüfungs-, Nominierungs- und Präsidialausschüssen weiter deutlich unterrepräsentiert. “Jetzt darf der Druck der Politik nicht nachlassen”, mahnt Schulz-Strelow.