Konjunktur

Euro-Wirtschaft auf Rezessionskurs

Die Euro-Wirtschaft steuert derzeit eher Richtung Rezession denn Aufschwung. Im Sommer brachten die Vorratsveränderungen das Minus. Wenig Erbauliches liefern die Zahlen zur Arbeitsproduktivität.

Euro-Wirtschaft auf Rezessionskurs

Euro-Wirtschaft auf Rezessionskurs

BIP schrumpft um 0,1 Prozent – Privatkonsum liefert positiven Impuls – Arbeitsproduktivität sinkt

ba Frankfurt

Die Euro-Wirtschaft ist wegen der Vorratsveränderungen im Sommer geschrumpft. Die Konsumausgaben wiederum haben entgegen den Befürchtungen einen positiven Impuls geliefert. Die Aussichten werden aber weiter trübe eingeschätzt, und Experten erwarten daher, dass die Eurozone in die Rezession rutschen wird.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im Sommer im Quartalsvergleich um 0,1%. Damit bestätigte das europäische Statistikamt wie erwartet eine frühere Schätzung. In den drei Monaten bis Juni war das BIP noch um 0,1% gewachsen – die Erstschätzung lag allerdings noch bei doppelt so hohen 0,2%. Zuletzt hatte auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde gewarnt, dass das Schlussquartal 2023 ebenfalls schwach ausfallen dürfte. Mit zwei Minusquartalen in Folge würde die Euro-Wirtschaft qua Definition in eine technische Rezession rutschen.

Ökonomen erwarten für 2024 allerdings wieder ein Anziehen der Wirtschaftsleistung, wenn der Privatkonsum infolge der rückläufigen Inflation wieder anspringt und die Auslandsnachfrage anzieht. Im dritten Quartal hatten die Konsumausgaben der privaten Haushalte um 0,3% zugelegt, nachdem sie im Frühjahr noch stagniert hatten. Damit trugen sie 0,2 Prozentpunkte zum BIP-Wachstum ein. Auch die Konsumausgaben des Staates legten zu, und zwar um 0,3% nach 0,2% im Vorquartal. Geringfügig positive Wachstumsbeiträge brachten die unveränderten Bruttoanlageinvestitionen sowie das Handelsbilanzsaldo. Von den Vorratsveränderungen kam ein negativer Impuls von 0,3 Prozentpunkten.

Im Ländervergleich verzeichneten Malta (2,4%) und Zypern (+1,1%) das größte Wachstum. Die höchsten Rückgänge verzeichneten Irland (–1,9%), Estland (–1,3%) und Finnland (–0,9%). Allerdings sind die irischen Daten von den dort ansässigen multinationalen Konzernen stark geprägt, so dass die Aussagekraft verzerrt ist, wie Experten betonen.

Einen Rückschlag verzeichnete die Euro-Wirtschaft bei der Arbeitsproduktivität, die durch die Kombination von BIP- und Erwerbstätigkeitsdaten möglich ist. Die Arbeitsproduktivität sank im Sommer sowohl auf Basis der erwerbstätigen Personen als auch bezogen auf geleistete Arbeitsstunden um je 1,2%. In den Jahren von 2013 bis 2018 zeigt die Wachstumsanalyse im Jahresvergleich, dass das Produktivitätswachstum um etwa 1% schwankte. Im dritten Quartal waren 168,7 Millionen Menschen erwerbstätig, das sind revidiert 0,2 (zunächst: 0,3)% mehr als im Vorquartal und 1,3% mehr als im Vorjahr. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden sank zum Vorquartal um 0,1% und stieg um 0,8% im Jahresvergleich.

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