Euro-Wirtschaft im November ausgebremst
ba Frankfurt – Die Schutzmaßnahmen gegen die zweite Coronawelle haben die Wirtschaft im Euroraum im November ausgebremst. Der unter die Wachstumsschwelle gefallene Einkaufsmanagerindex lässt für das vierte Quartal einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwarten und verstärkt daher den Druck auf den Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), wie bereits avisiert im Dezember der Konjunktur mit weiteren Lockerungsmaßnahmen auf die Sprünge zu helfen.Der Industrie und Dienstleister zusammenfassende Einkaufsmanagerindex (PMI) Composite ist vorläufigen Daten zufolge im November um 4,9 auf 45,1 Punkte und damit den tiefsten Stand seit Mai 2020 gerutscht. Erst Werte oberhalb von 50 Punkten signalisieren eine wirtschaftliche Expansion. Ökonomen hatten mit dem vierten Rückgang in Folge gerechnet, jedoch nur auf einen Wert von 45,6 Zählern. Jüngste Konjunkturindikatoren hatten bereits auf eine merkliche Verlangsamung der Wirtschaft in den 19 Euro-Ländern hingedeutet. “Aufgrund der neuerlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Infektionszahlen ist die Eurozone im November wieder in eine ernste Krise geschlittert”, mahnte IHS-Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Nachdem die Einschränkungen bislang nicht so umfassend sind wie im Frühjahr wird auch erwartet, dass der BIP-Rückgang nicht ganz so ausgeprägt ausfallen wird wie mit – 11,8 % im zweiten Quartal. Ökonomen rechnen mit einem Minus zwischen 2,5 und 3 %.Nichts geändert hat sich am Bild einer “Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten”: Am stärksten habe es einmal mehr den Servicesektor getroffen, und zwar besonders Unternehmen aus konsumnahen Bereichen sowie das Gastgewerbe, sagte Williamson. Der entsprechende Indikator gab um 5,6 auf 41,3 Zähler nach. Zu den Umsatzeinbußen hätten nicht nur die Eindämmungsmaßnahmen, sondern auch der freiwillige Konsumverzicht der Verbraucher geführt, erläuterte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Im November hat sich die schwächelnde Nachfrage allerdings auch auf den Industriesektor negativ ausgewirkt – hier fiel das Barometer um 1,2 auf 53,6 Punkte. Gleichwohl bleibt das verarbeitende Gewerbe für Williamson ein Lichtblick. Gitzel mahnt hingegen, dass hier nun Nachholeffekte ausliefen: “Damit stehen auch der Industrie schwierige Wintermonate bevor.” Zudem wird das Plus in der Industrie “bei weitem nicht ausreichen, den Rückgang der Aktivität im Dienstleistungssektor auszugleichen”, so dass die Euro-Wirtschaft im Schlussabschnitt “voraussichtlich wieder merklich schrumpfen” werde, sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Weill.Auch auf Länderebene laufen die Entwicklungen weiter auseinander, “wobei sich Deutschland dem allgemeinen Abwärtstrend abermals widersetzte”, wie es bei IHS Markit hieß. Vor allem die deutschen Hersteller würden eine ermutigende Widerstandsfähigkeit an den Tag legen – nicht zuletzt dank eines anhaltenden Nachfragebooms, insbesondere aus Asien. Und “auch die Einschränkungen in den europäischen Nachbarländern schaden den Exportunternehmen bislang kaum”, konstatierte Michael Holstein, der künftige Chefvolkswirt und jetzige Leiter Volkswirtschaft bei der DZ Bank. Die Geschäfte der Dienstleister liefen allerdings so schlecht wie zuletzt im Mai. Der PMI Composite für Deutschland fiel zwar um 3,0 auf 52,0 Punkte, “notiert damit jedoch weiter deutlich über dem Niveau während des ersten Lockdowns im zweiten Quartal 2020”, wie IHS Markit gestern mitteilte (siehe Grafik).Die gesamte Euro-Konjunktur hingegen belastete laut IHS Markit die Entwicklung in Frankreich massiv: Der auf 39,9 Punkte nach 47,5 im Oktober gesunkene PMI Composite signalisiere, dass die Wirtschaftsleistung im November zum dritten Mal hintereinander und so stark geschrumpft sei wie zuletzt im Mai. Sowohl bei den Dienstleistern als auch in der Industrie ging es bergab. Und auch in den übrigen von der Umfrage erfassten Ländern schrumpfte die Wirtschaft im November den vierten Monat in Folge.