ExklusivKonjunkturtableau

Euroraum lässt Deutschland immer weiter hinter sich

Das Konjunkturtableau der Börsen-Zeitung zeigt: Für Deutschland ist 2024 gerade mal noch eine Stagnation drin, der Abstand zum Euroraum wird größer.

Euroraum lässt Deutschland immer weiter hinter sich

Euroraum lässt Deutschland immer weiter hinter sich

Voraussagen im Konjunkturtableau etwas nach oben geschraubt – Unsicherheit der Prognostiker nimmt ab

ba Frankfurt

Zu Beginn des zweiten Quartals zeigen sich Ökonomen etwas zuversichtlicher für die Euro-Wirtschaft. Die Konjunktur in Deutschland hingegen wird erneut etwas schwächer eingeschätzt. Der Wachstumsabstand vergrößert sich, wie das aktuelle Konjunkturtableau der Börsen-Zeitung und des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt. Weitere Fortschritte gibt es hingegen in Sachen Inflation. Das Preisziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2% ist in Reichweite, doch Ökonomen warnen, dass die jetzt noch fehlenden Prozentpunkte am schwierigsten zu erreichen seien.

Revision zurückgedreht

Für das laufende Jahr erwarten die Experten einen Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,7%. Damit entspricht die Medianprognose wieder dem Wert von Februar. Im März war die Voraussage noch um 0,1 Prozentpunkte nach unten revidiert worden, nun wurde dies also zurückgedreht. Unverändert zeigt sich hingegen die Spannweite der individuellen Wachstumserwartungen. Diese beträgt weiterhin 1,1 Prozentpunkte. Ebenfalls unangetastet blieb die Erwartung an das Wirtschaftswachstum von 1,5% im kommenden Jahr. Allerdings ist hier die Spannweite der Erwartungen um 0,4 Prozentpunkte auf jetzt 1,1 Prozentpunkte gesunken. „Somit herrscht eine vergleichbare Einigkeit unter den Experten bezogen auf das Wirtschaftswachstum in den Jahren 2024 und 2025“, kommentiert ZEW-Experte Alexander Glas.

Motoren der wirtschaftlichen Erholung dürften in diesem Jahr der private und staatliche Konsum sowie die Investitionen sein. 2025 wird diese Rolle wie schon in den vergangenen Monaten dem europäischen Außenhandel zugedacht. So sind die Erwartungen bei den Importen und Exporten um jeweils 0,1 Prozentpunkte auf 2,9% bzw. 3,0% gestiegen. Deutschland indes dürfte noch weiter als bisher schon hinter der Eurozone zurückfallen. Die Wachstumserwartungen für 2024 sind pessimistischer geworden und die Experten haben ihre Wachstumsprognose um 0,2 Prozentpunkte auf 0,1% nach unten revidiert. „Gemäß dieser Erwartung wird die deutsche Wirtschaft auch im aktuellen Jahr weitestgehend stagnieren“, sagt Glas.

„Weitestgehend Stagnation“

2025 allerdings dürfte die hiesige Wirtschaft wieder anspringen und mit 1,2% wieder etwas zum gemeinsamen Währungsraum aufschließen. Dabei herrscht auch diesbezüglich weitestgehend Einigkeit unter den Auguren: Die Spannweiten der Erwartungen für 2024 und 2025 haben sich Glas zufolge im Vergleich zur vorherigen Veröffentlichung im März nicht verändert und liegen mit 1,3 bzw. 1,2 Prozentpunkten minimal über den korrespondieren Werten für die Eurozone. Für die Inflationsraten rechnen die Prognostiker mit einem sich fortsetzenden Abwärtstrend. Auf Sicht des Gesamtjahres erwarten sie für 2024 eine Teuerungsrate von 2,5%, das sind 0,1 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Monat. Für Deutschland wird eine Rate von unverändert 2,6% vorausgesagt.

„Verglichen mit den Wachstumserwartungen deuten die Spannweiten der Inflationserwartungen mit Werten von 0,8 (Eurozone) bzw. 1,0 (Deutschland) Prozentpunkten auf eine große Einigkeit unter den Experten hin“, betont Glas. Für das kommende Jahr sieht es etwas anders aus: Mit Spannweiten von 1,3 (Eurogebiet) bzw. 1,2 (Deutschland) Prozentpunkten herrscht eine etwas höhere Uneinigkeit. Die Medianprognose für den Euroraum liegt hier bei 2,2%, diejenige für Deutschland bei 2,1%.

Die Erwartungen an die kurzfristigen Zinsen in drei Monaten sind um 0,3 Prozentpunkte auf 3,7 Punkte gestiegen und decken sich laut Glas „mit der auf den Finanzmärkten für Juni vermuteten ersten Zinssenkung durch die EZB“. Allerdings ist die Spannweite mit 1,3 Prozentpunkten relativ zu dem kurzen Prognosehorizont vergleichsweise hoch.

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