Geldpolitik

Fed legt niedrigeren Gang ein

Trotz acht Zinserhöhungen und nachlassenden Inflationsdrucks sieht US-Notenbankchef Jerome Powell vorläufig noch kein Ende des laufenden Zinszyklus. Unterdessen scheint die Gefahr einer Rezession, die er auch im Auge behalten muss, wieder zu wachsen.

Fed legt niedrigeren Gang ein

Acht Mal in Folge hat der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank den Zielkorridor für den Leitzins um insgesamt 4,5 Prozentpunkte angehoben, so aggressiv und so schnell hatte die Fed zuletzt unter dem damaligen Notenbankchef Paul Volcker vor über 40 Jahren an der Zinsschraube gedreht. Doch trotz des erkennbaren Rückgangs der Inflation, der in den letzten Monaten zu beobachten war, ist für das Ende des steilen Zinszyklus zumindest vorläufig noch kein Ende in Sicht. Notenbankchef Jerome Powell zufolge plant das FOMC, noch zwei Mal die Zügel straffer zu ziehen, und zwar ungeachtet der Gefahr einer Rezession.

Wie erwartet drosselte die Fed am Mittwoch das Tempo ihrer Zinsschritte und schraubte die Zielzone für den Tagesgeldsatz um 25 Basispunkte auf 4,5 bis 4,75% hoch. Eine so vorsichtige Straffung hatte es zuletzt im März 2022 gegeben. Dann aber ging es Schlag auf Schlag, mit einem halben Prozentpunkt und dann vier Mal in Folge 75 Basispunkten. Obwohl sämtliche Indikatoren, der PCE-Deflator, die Verbraucher- und Herstellerpreise ebenso der Arbeitskostenindex deutlich nachlassenden Inflationsdruck signalisieren, meint Powell, dass noch „ein paar Zinserhöhungen angemessen sind“, um sicherzustellen, dass der Preisdruck dauerhaft nachlässt und sich die Teuerungsrate wieder auf das Inflationsziel von 2% hinbewegt.

Die Abschlusserklärung des FOMC bestand in weiten Teilen aus denselben Feststellungen wie in vergangenen Kommuniques: Hinweise auf den robusten Arbeitsmarkt und das starke Stellenwachstum, dies ungeachtet des enttäuschenden Berichts, den einige Stunden zuvor der Arbeitsmarktdienstleister Automatic Data Processing (ADP) veröffentlicht hatte. Auch erinnerten die Notenbanker an die wirtschaftlichen Folgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und das nur moderate Wachstum beim Privatkonsum sowie der Industrieproduktion. Gleichwohl betonten sie, dass sie die Absicht haben, „mit besonderer Aufmerksamkeit“ die Inflationsrisiken im Auge zu behalten.

Das unterstrich auch Powell bei seiner anschließenden Pressekonferenz, bei der er zugleich bemüht war, einige der Aussagen zu relativieren. So begrüßte er die rückläufige Inflation. „Der desinflationäre Prozess hat begonnen“ sagte der Fed-Vorsitzende. Gleichwohl gebe es “noch Arbeit zu tun“, und an Zinssenkungen im späteren Verlauf des Jahres wollte er schon gar nicht denken. Unterdessen registrierten Analysten eine Nuance, die sich von seinen bisherigen Aussagen unterschied. So war nicht mehr von dem “Tempo“ weiterer Zinserhöhungen die Rede. Vielmehr betonte der oberste Währungshüter, dass die Daten der kommenden Monate ebenso wie die Wirkung der bereits beschlossenen Straffungen “das Ausmaß“ weiterer Zinsschritte bestimmen würden. Ökonomen sehen darin ein subtiles Signal dafür, dass Powell sich alle Optionen offenhalten will und zwei Straffungen keineswegs eingetütet sind.

Die Vorsicht seitens des Fed-Vorsitzenden dürfte angebracht sein. Schließlich mehren sich die Hinweise auf eine Rezession. So startete der Arbeitsmarkt, wenn auch teilweise wetterbedingt, schwach ins neue Jahr. Zudem deuten die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe auf eine Kontraktion in der Branche hin. Wie der frühere Fed-Gouverneur Robert Heller feststellt, „deuten sowohl die invertierte Zinskurve als auch das Schrumpfen der Geldmenge darauf hin, dass wir eine Rezession haben werden, die allerdings milde ausfallen dürfte“. Bedenkt man obendrein, dass der seit Juni laufende Abbau der Bilanzsumme, mittlerweile um 95 Mrd. Dollar pro Monat, Zinserhöhungen weitere 2 Prozentpunkte entspricht, dann könnte es notwendig sein, dass Powell und das FOMC den Zinszyklus eher früher als später abschließen.

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