Konjunktursorgen

Gemischte Signale aus Chinas Wirtschaft

Chinas Wirtschaft schwächelt. Grund ist vor allem die Krise am Immobilienmarkt. In anderen Bereichen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt läuft es zumindest ein wenig besser.

Gemischte Signale aus Chinas Wirtschaft

Gemischte Signale aus Chinas Wirtschaft

Industrie und Einzelhandel überraschen positiv – Immobilienkrise hält an

ms Frankfurt

Nach einer Reihe schwächerer Konjunkturdaten aus China gibt es mal wieder positive Wirtschaftsnachrichten aus dem Reich der Mitte. Im Oktober legte sowohl die Industrieproduktion als auch der Einzelhandel merklich und stärker als erwartet zu, wie die chinesischen Statistiker am Mittwoch mitteilten. Derweil geht aber die Korrektur am gebeutelten Immobilienmarkt weiter. Vor allem deshalb reagierten die Entscheidungsträger in Peking erneut. Die Notenbank will jetzt so viel Liquidität ins Finanzsystem pumpen wie seit Ende 2016 nicht mehr.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt schwächelt seit einiger Zeit. Unlängst hatten nicht zuletzt Inflations- und Exportdaten für eine Enttäuschung gesorgt. Hintergrund sind insbesondere die Probleme am Immobilienmarkt. Wegen der Bedeutung Chinas für die globale Wirtschaft wird das weltweit mit Sorge gesehen. Politik und Geldpolitik in China versuchen gegenzusteuern. Sie stecken aber in einem Dilemma: Die Wirtschaft braucht Stimuli, aber zugleich sollen keine Preisblasen verstärkt oder eine zu starke Yuan-Abwertung riskiert werden.

Am Mittwoch nun gab es zumindest ein wenig Positives: Die Industrieproduktion kletterte laut Daten des Nationalen Statistikbüros (NBS) im Oktober im Jahresvergleich um 4,6% und damit so schnell wie seit April nicht mehr. Ökonomen hatten nur mit 4,4% gerechnet. Zudem stiegen die Einzelhandelsumsätze, ein Indikator für den Konsum, um 7,6% – nach 5,5% im September. Das ist das stärkste Plus seit Mai. Analysten hatten mit 7,0% gerechnet.

„Trotz breiter Enttäuschungen bei den Kredit-, Inflations- und Exportdaten scheint sich die reale Wirtschaftstätigkeit für den chinesischen Verbraucher relativ gut zu halten“, sagte Louise Loo, China-Volkswirtin bei Oxford Economics. Sie verwies aber darauf, dass das „wahrscheinlich auch durch die Ausgaben im Zusammenhang mit den Festtagen Anfang Oktober begünstigt“ sei. Bei der Industrieproduktion könne die schwache globale Konjunktur den Aufwärtstrend bremsen.

Das noch größere Problem dürfe kurzfristig aber die ausgeprägte Schwäche am Immobilienmarkt sein. Das belegten auch neue Daten am Mittwoch. Demnach gingen die Investitionen im Immobiliensektor zwischen Januar und Oktober um 9,3% im Vergleich zum Vorjahr zurück. Das drückt auch die Anlageinvestitionen insgesamt und deutet auf eine uneinheitliche Konjunkturerholung hin. "China befindet sich mitten in einer mehrjährigen Immobilienkorrektur, so dass die Immobilienschwäche in den nächsten Jahren ein ständiges Thema sein wird", sagte Oxford-Economics-Volkswirtin Loo.

Nicht zuletzt mit Blick auf die Immobilienkrise verstärkte China am Mittwoch seine Unterstützung für die Wirtschaft, indem es so viel Geld wie seit Ende 2016 nicht mehr in das Finanzsystem pumpte – mittels einjähriger Kredite der Notenbank. Die People's Bank of China stellte über ihre mittelfristige Kreditfazilität 1,45 Bill. Yuan (200 Mrd. Dollar) an Barmitteln bereit – 600 Mrd. Yuan mehr als der im November fällige Betrag, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. Die Nettospritze war die höchste seit fast sieben Jahren. Der Zinssatz für die Kredite blieb unverändert bei 2,5%.