Konjunkturprognose

Gewerkschaftslager in Sorge vor weiteren Zinsschritten

Das gewerkschaftsnahe IMK ist zwar zuversichtlicher für die deutsche Konjunktur geworden und erhöht die Wachstumsprognose, doch die Zinserhöhungen der EZB gelten als Abwärtsrisiko. Eine Sorge, die der DGB teilt.

Gewerkschaftslager in Sorge vor weiteren Zinsschritten

ba/Reuters Frankfurt

– Im Gewerkschaftslager wächst die Sorge vor einem verschärften Konjunkturabschwung bei weiteren kräftigen Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB). Dadurch könnte „die Rezession merklich verschärft“ werden, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturprognose des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Einen allzu forschen Kurs der EZB zählen sie daher zu den „Abwärtsrisiken“, die den leicht verbesserten Ausblick für die deutsche Wirtschaft konterkarieren könnten – ebenso wie eine Eskalation des Ukraine-Krieges oder neue heftige Corona-Wellen. Die EZB hat ihren Leitzins seit dem Sommer in mehreren Schritten auf 2,5% angehoben und will im kommenden Jahr nachlegen. Das macht Kredite teurer, was Investitionen und Konsum hemmen und somit den Preisdruck dämpfen kann.

Zuvor hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die EZB zu einer Zinspause gedrängt. „In den letzten Monaten hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen in einem historisch rasanten Tempo erhöht“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell der Nachrichtenagentur Reuters. „Weitere Zinsschritte könnten die Konjunktur empfindlich schwächen – steigende Arbeitslosigkeit und eine Zunahme sozialer Härten wären die Folge.“ Es sei davon auszugehen, dass die in vielen EU-Staaten eingeführten Gas- und Strombremsen die Teuerung – wegen der die EZB an den Zinsen dreht – dämpfen dürften. „In der jetzigen konjunkturell unsicheren Situation täte die Europäische Zentralbank gut daran, eine Pause bei der geldpolitischen Straffung einzulegen und die Wirkung politischer Maßnahmen abzuwarten“, sagte Körzell.

Insgesamt blickt das IMK weit weniger düster auf die Entwicklung der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr als noch im Spätsommer. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde nur um 0,3% schrumpfen und nicht wie bislang erwartet um 1,0 %. Für das zu Ende gehende Jahr rechnet das IMK jetzt mit einem Wachstum von 1,8%. „Die deutsche Wirtschaft erweist sich als widerstandsfähig“, schreiben die Konjunkturforscher in ihrer Prognose. Der massive Anstieg der Energiepreise als Folge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, deutlich höhere Kosten für Lebensmittel sowie Lieferengpässe dürften allerdings dafür sorgen, dass die deutsche Wirtschaft im laufenden Winterhalbjahr in eine Rezession gerate.

Allerdings werde der private Konsum wegen der staatlichen Energiepreisbremsen im kommenden Jahr nicht so stark einbrechen wie bislang erwartet. Er soll um 1,3% niedriger ausfallen. „Der Rückgang würde noch viel drastischer ausfallen, wenn nicht die staatlichen Preisbremsen für diverse Energieträger und vereinbarte Tariflohnerhöhungen einen Teil der hohen Realeinkommenseinbußen der Konsumenten ausgleichen würden“, analysieren die Forscher. Leichte Entspannung erwarten sie bei der Inflation. Die Teuerungsrate dürfte im zu Ende gehenden Jahr bei durchschnittlich 7,8% liegen, im kommenden Jahr dann auf 5,1% zurückgehen.

DIW-Barometer stagniert

Verhalten optimistische Signale kommen auch vom DIW-Konjunkturbarometer, das sich nach dem großen Sprung im Vormonat nun im Dezember auf dem höheren Niveau mit 82,2 Punkten stabilisierte. Die 100er-Marke, die ein Quartalswachstum von 0,3% signalisiert, ist damit aber weiter fern. Eine schwere Rezession werde zunehmend unwahrscheinlicher und die konjunkturellen Aussichten seien vorsichtig positiv, heißt es in Berlin. DIW-Konjunkturexperte Guido Baldi warnt allerdings vor zu großem Optimismus. Denn die globalen Risiken seien „weiterhin hoch – nicht nur hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Krieges in der Ukraine“. So werde die hiesige Wirtschaft „wohl immer mehr durch die abgekühlte Weltwirtschaft belastet“. Zudem werde die geldpolitische Straffung der EZB die Konjunktur 2023 „wohl etwas dämpfen“.