Weltkonjunktur

Einkaufsmanager schieben weiter Frust

Die Konjunktur hellt sich zwar weltweit etwas auf, es gibt aber immer wieder Rückschläge und für eine kräftige Erholung der Wirtschaft fehlt es an starken Anreizen. Auch aus China kommen gemischte Signale.

Einkaufsmanager schieben weiter Frust

Industrie kommt global
kaum in Schwung

Einkaufsmanagerindizes meist unter der Wachstumsschwelle

ba Frankfurt

Die Industriestimmung hat sich in einigen der weltweit großen Volkswirtschaften aufgehellt. Aber so richtig in Schwung kommen die Länder nicht, wie die Umfrageergebnisse der von S&P Global erhobenen Einkaufsmanagerindizes (PMI) zeigen. Die endgültigen Daten liegen rund um die neutrale Marke von 50 Zählern. Werte darunter signalisieren eine Kontraktion, Zählerstände darüber eine Expansion des Sektors.

Der vom Institute for Supply Management (ISM) erhobene PMI für die US-Industrie verharrte im November auf dem Vormonatswert von 46,7 Punkten und liegt damit seit 13 Monaten unter der Wachstumsschwelle. Ökonomen hatten allerdings erwartet, dass das Barometer auf 47,8 Punkte klettert. Das Pendant von S&P bestätigte mit 49,4 Zählern die erste Schätzung. Vor allem die schwache Nachfrage sorgt den Umfrageergebnissen zufolge dabei für Verdruss. Beim ISM werden nur drei Branchen gezählt, die wuchsen: Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren, nichtmetallische mineralische Produkte und Transportausrüstung.

Gemischte Signale in China

Aus China etwa liefern die Daten gemischte Signale. Der Caixin-PMI etwa legte im November um 1,2 auf 50,7 Punkte zu. Ökonomen hatten zwar das erste Plus seit August erwartet, allerdings mit einem Stand von 49,6 Punkten gerechnet. Der Caixin-Index konzentriert sich auf eher kleinere und private Unternehmen. Der von der Nationalen Statistikbehörde erhobene PMI, der die Lage in den großen staatlichen Firmen abbildet, gab um 0,1 auf 49,4 Zähler nach. Ökonomen hatten ein schmales Plus prognostiziert.

Die gegensätzliche Entwicklung unterstreiche, "dass wahrscheinlich mehr Anreize erforderlich sein werden, um das Wachstum in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt wieder anzukurbeln", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Analysten der Deutschen Bank. Vor allem der angeschlagene Immobiliensektor, der einen Großteil der Wirtschaft ausmacht, bereitet Sorgen. Die Regierung verstärkte zuletzt die Unterstützung für die Wirtschaft: Mittels einjähriger Kredite der People's Bank of China wurde so viel Geld wie seit Ende 2016 nicht mehr in das Finanzsystem gepumpt.

In Großbritannien legte der Industrie-PMI den dritten Monat in Folge zu, und zwar um 2,4 auf 47,2 Zähler. Dies ist der höchste Stand seit April und 0,5 Punkte mehr als in der Erstschätzung ermittelt. "Im November erlebte das verarbeitende Gewerbe womöglich eine Trendwende", hieß es bei S&P. Die Details würden allerdings wenig Anlass zur Freude bieten, kommentierte S&P-Direktor Rob Dobson. Auftragseingänge und Exporte seien weiter stark rückläufig und mit Kunden, die ihre Lagerbestände abbauten, sei eine nachhaltige Wachstumsbelebung nur schwer vorstellbar. "Die Hersteller bereiten sich auf harte Zeiten vor", mahnte Dobson.

Hoffnung auf Besserung in Japan

Japans Industrie zeigte die stärkste Stimmungseintrübung seit Februar, wenn auch der Rückgang mit 0,4 auf 48,3 Punkte "nur bescheiden" war, wie S&P mitteilte. Die Befragten berichteten von einer schwachen in- und ausländischen Nachfrage, hoffen aber auf Erholung, wenn neue Produkte eingeführt würden – vor allem im Halbleitersektor.

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