Deutsche Konjunktur

Insolvenzzahlen gehen weiter zurück

Die Lage der deutschen Wirtschaft ist trotz der Omikron-Welle gut: Der Auftragsbestand ist hoch wie nie, das Rezessionsrisiko ist gesunken und die befürchtete Pleitewelle außer Sicht.

Insolvenzzahlen gehen weiter zurück

ba Frankfurt

Die Omikron-Welle bremst zwar die deutsche Wirtschaft, allerdings lange nicht so kräftig wie vorherige Coronawellen. So bleibt die Zahl der Firmenpleiten niedrig, die Auftragsbestände sind hoch wie nie und die Rezessionsgefahr ist deutlich gesunken, wie Donnerstag veröffentlichte Indikatoren zeigen.

So wurden im Januar 17,2% weniger Regelinsolvenzen beantragt als im Monat zuvor. Im Dezember hatte das Statistische Bundesamt noch ein Plus von 18,0% gemeldet. „Die Insolvenzzahlen waren im Verlauf der Coronakrise durch gesetzliche Sonderregelungen und Wirtschaftshilfen zeitweise deutlich zurückgegangen“, betonten die Wiesbadener Statistiker. Seit Mai 2021 sind keine Sonderregeln mehr in Kraft. Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen gibt frühe Hinweise auf die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen – diese haben im November, das ist der aktuelle Stand, um 4,6% im Jahresvergleich auf 1094 zugelegt. Dies ist zwar der erste Anstieg seit September 2019, im Vergleich zum November 2019, also vor Beginn der Coronakrise, sind es aber 22,6% weniger Firmenpleiten. Der IWH-Insolvenztrend signalisiert für Januar gleichfalls einen Rückgang der Insolvenzzahlen, wobei auch die Zahl der betroffenen Jobs leicht gesunken ist.

Das IWH sieht ebenso wie der Berufsverband der Insolvenzverwalter und Sachwalter (VID) mittelfristig keine Anzeichen für einen deutlichen Anstieg der Insolvenzzahlen: „Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes und die in Aussicht gestellte Verlängerung der Überbrückungshilfe IV stabilisieren die wirtschaftliche Situation vieler pandemiegeplagter Unternehmen“, heißt es beim VID. Laut dem Verband sind derzeit vor allem die Unternehmen insolvenzgefährdet, die unter den starken Energiepreissteigerungen leiden.

In der Industrie sind derweil die Auftragsbestände so hoch wie nie seit Beginn der Ifo-Umfrage 1969: Sie sicherten die Produktion der nächsten 4,5 Monate. Allerdings bremst noch der Mangel wichtiger Vorprodukte und Rohstoffe. „Sollten sich die Engpässe in den kommenden Monaten auflösen, könnte die Produktion in der deutschen Industrie durchstarten“, sagt Ifo-Experte Timo Wollmershäuser. „Das dürfte die Wirtschaftsleistung dann kräftig anschieben.“ Gemessen an der IMK-Konjunkturampel ist die Rezessionswahrscheinlichkeit auf 16,1% gesunken nach 38,6% im Januar. Damit werde für die nächste Zeit die Rückkehr auf einen stabilen Wachstumspfad signalisiert, so das IMK.

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