Britische Inflation

Preisauftrieb lässt deutlich nach

Der Preisauftrieb hat in Großbritannien im Februar deutlich nachgelassen. Die Bank of England dürfte den Leitzins am Donnerstag dennoch stabil halten.

Preisauftrieb lässt deutlich nach

Britischer Preisauftrieb lässt deutlich nach

Volkswirte erwarten keine Zinswende der Bank of England

hip London

Die britische Teuerungsrate ist im Februar etwas stärker zurückgegangen als erwartet. Wie das Statistikamt ONS mitteilt, fiel sie von 4,0% auf 3,4%. Volkswirte hatten im Schnitt 3,5% angesetzt. Die Inflationsdaten waren das letzte Puzzlestück, auf das die Geldpolitiker der Bank of England warteten. Am Donnerstag werden sie ihre Zinsentscheidung bekannt geben. Am Markt wird allerdings nicht damit gerechnet, dass die „Old Lady of Threadneedle Street“ schon diesen Monat zur Zinswende ansetzt.

Lebensmittelpreise steigen langsamer

Ein wesentlicher Teil des Rückgangs, etwa 0,2 Prozentpunkte, ist auf den schwächeren Preisauftrieb bei Lebensmitteln zurückzuführen. Er verringerte sich von 7% auf 5%. Auch die Kernrate, in die schwankungsanfällige Komponenten wie Energiekosten nicht eingehen, sank stärker als erwartet. Sie ging von 5,1% auf 4,5% zurück. Ökonomen hatten 4,6% auf der Rechnung. Die Inflation bei Dienstleistungen fiel von 6,5% auf 6,1% und lag damit etwas oberhalb der am Markt erwarteten 6,0%.

Bank of England braucht mehr Beweise

Nachdem sich die Wirtschaft im Schlussquartal schlechter entwickelte als von Volkswirten erwartet, schlitterte das Land in eine technische Rezession. Für eine Zinswende reicht das aber nicht: „Damit die Bank of England zuversichtlich sein kann, dass der Inflationsdruck ausreichend eingedämmt ist, müssen mehr Belege dafür zusammenkommen“, sagte der Volkswirt David Muir von Moody’s Analytics. Vor allem die Dienstleistungsinflation und das Lohnwachstum müssten weiter nachlassen. Er rechne damit, dass das im ersten Halbjahr geschehen werde, was eine erste Zinssenkung im August ermöglichen würde. Das Timing und das Ausmaß der geldpolitischen Lockerung in diesem Jahr seien allerdings in hohem Maße ungewiss.

Steigender Mindestlohn

Das Lohnwachstum hat sich in den drei Monaten per Ende Januar zwar weiter abgekühlt. Der Anstieg der Gesamtvergütung britischer Arbeitnehmer um 5,6% gilt allerdings immer noch als zu hoch, um dem Preisauftrieb keinen Vorschub zu leisten. Zudem stehen Tarifverhandlungen und eine weitere Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns an.

Taube im Anflug

Die große Mehrheit der Volkswirte erwartet deshalb, dass die Bank of England den Leitzins bei 5,25% belassen wird. Am Markt wird vor allem darüber diskutiert, ob sich ein weiteres Mitglied des neunköpfigen geldpolitischen Komitees (Monetary Policy Committee, MPC) der „Taube“ Swati Dhingra anschließen wird, die sich bereits auf der vorangegangenen Sitzung für eine Senkung ausgesprochen hat. Die Ökonomen von Bank of America rechnen damit, dass Jonathan Haskel ihr folgen könnte. Der hatte zuletzt allerdings für eine weitere Erhöhung um 25 Basispunkte votiert.

Haskel im Fokus

Der Volkswirt James Richard Sproule von Handelsbanken geht deshalb nicht davon aus, dass Haskel seine Meinung so schnell ändern wird. Zudem nannte Sproule die jüngsten Äußerungen von Notenbankchef Andrew Bailey „unangemessen hawkish“. Der HSBC-Volkswirt Chris Hare wirft die Frage auf, ob einer oder beide Abweichler, die bei der vorangegangenen Sitzung für eine Erhöhung stimmten, also Haskel und Catherine Mann, am Donnerstag für eine Beibehaltung des Status quo votieren könnten. Bei Haskel hält er das möglich, bei Mann zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.