Reallöhne gestiegen, der Einzelhandel leidet trotzdem
Reallöhne gestiegen, der Einzelhandel
leidet trotzdem
lz/Reuters Frankfurt
Die Kaufkraft der deutschen Arbeitnehmer ist im zweiten Quartal erneut gestiegen. Die Reallöhne lagen von April bis Juni um durchschnittlich 1,9% höher als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist bereits der neunte Quartalszuwachs in Folge. Er fällt zudem höher aus als im ersten Quartal mit 1,2%, ist aber geringer als am Jahresende 2024 mit 2,5%.
„Das ist eine gute Nachricht für die Beschäftigten und die Konjunktur in Deutschland, die aktuell besonders auf die Binnennachfrage angewiesen ist,“ sagte der Mindestlohnexperte aus dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Malte Lübker.
Das bekommen die deutschen Einzelhändler allerdings nicht zu spüren. Sie sind überraschend schlecht in die zweite Jahreshälfte gestartet. Ihr Umsatz sank im Juli um 1,0% zum Vormonat. Inflationsbereinigt fiel der Rückgang mit 1,5% sogar noch größer aus. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hier nur mit einem Minus von 0,4% gerechnet, nach einem Plus von 1,0% im Juni. Der Branchenverband HDE rechnet für das Gesamtjahr mit einem Umsatzplus von 2%.
Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sieht in steigenden Sozialabgaben einen Grund für die Kaufzurückhaltung. „Für die allermeisten Beschäftigten kommt hinzu, dass zu Jahresbeginn die Zusatzbeiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung stark gestiegen sind, sodass vom Plus bei den realen Bruttolöhnen netto in diesem Jahr kaum etwas übrigbleiben dürfte“, sagte IfW-Experte Dominik Groll. „Das bedeutet, dass es trotz ordentlicher Anstiege der Bruttoverdienste zu keiner nennenswerten Erhöhung der realen Lohneinkommen kommt.“